Aufbruch zum Roten Planeten

Im Spiel Aufbruch zum Roten Planeten übernehmen wir die Rolle mutiger Pionierinnen und Pioniere der Raumfahrt, die in rasselnden Raketen zum Mars rasen und dort Rohstoffe schürfen. Fischpott hat das Brettspiel einer sorgfältigen Untersuchung unterzogen.

1877 sorgte die Entdeckung des italienischen Astronomen Giovanni Schiaparelli für Aufruhr: Der Mars sei von Kanälen durchzogen, die möglicherweise auf eine außerirdische Zivilisation hinweisen. Das reinste Marsfieber grassierte, und auch, als sich Schiaparellis Kanäle als eine Mischung aus real existierenden Canyons und optischen Täuschungen1 herausstellten, war die Faszination für den roten Planeten ungebrochen. Das Steampunk-Szenario à la Jules Verne, bei dem die Erdlinge den Mars erobern passt also perfekt zum Zeitgeist jener Epoche.

Eine Hand mit aufgefächerten Karten aus Aufbruch zum Roten Planeten, im Hintergrund das runde Mars-Spielbrett und die Spielfiguren.

Kartenhand bei Aufbruch zum Roten Planeten.

Eis vom Mars

Das Spielziel von Aufbruch zum Roten Planeten ist das Sammeln möglichst vieler Rohstoffe. Jede Marsregion wirft einen von drei Rohstoffen ab, der im Spiel dreimal geerntet wird. Nach jeder „Erntephase“ nehmen die Rohstoffe zu, ist es in der ersten Phase eine Einheit, werden es in der zweiten Phase zwei und beim letzten Mal drei Einheiten. Einsacker ist die Partei mit den meisten Astro-Pöppeln2 in der Region. Bei Gleichstand wird geteilt, unverteilte Rohstoffe bleiben liegen und können später abgeräumt werden. Es gibt drei Rohstoffe: Eis (Wert: 1), Sylvanit (Wert: 2) und Celerium (Wert: 3). In der Hinsicht ist das Spiel erfrischend einfach, mit den Rohstoffen muss man nichts kaufen oder entwickeln, sie sind einfache Siegpunktmarker. Zusätzliche Siegpunkte können Spielende durch bestimmte Ereigniskarten à la Risiko erringen, etwa wenn der Norden des Mars besiedelt werden muss.

Spielmaterialien von Aufbruch zum Roten Planeten: Kleine Astronauten und Karten, auf denen Raketen abgedruckt sind.

Wunderschöne Astro-Pöppel

Aufbruch der Astro-Pöppel

Spielmaterialien von Aufbruch zum Roten Planeten, ein rundes Spielbrett, zahlreiche Marker und Karten.

Das Spielbrett von oben.

Bevor der rote Planet geplündert werden kann, muss er erreicht werden. Das gelingt mit mehreren Raketen, die in jeder Spielrunde bereit stehen. Die Spielenden befüllen die Raketen mit ihren Astro-Pöppeln. Sobald eine Rakete voll ist, fliegt sie zur vorbestimmten Marsregion. Das Raketen-Betreten und weitere Aktionen hängen davon ab, welche von neun Charakterkarten3 – ähnlich wie beim Klassiker Ohne Furcht und Adel – gespielt wird. Die Charaktere werden verdeckt ausgelegt und dann in der Reihenfolge ihres Zahlenwertes aufgedeckt. Wer die Forscherin spielt, darf eigene Astro-Pöppel auf dem Mars bewegen und einen in eine Rakete stellen, wer den Geheimagenten spielt, darf eine Rakete vorzeitig starten und zwei Astro-Pöppel in Rakten stellen, wer den Wissenschaftler spielt, darf eine Ereigniskarte ziehen und ebenfalls zwei Astro-Pöppel setzen, und so weiter. Zwar kann man mit dem Anwerber alle Charakterkarten wieder auf die Hand nehmen, es gibt aber nur zehn Runden, in denen die Karten ausgespielt werden. Man muss also schon genau taktieren.
Nach drei Rohstoffphasen und zehn Spielphasen werden noch die eingesetzten Ereigniskarten ausgewertet und die Endwertung abgehalten. So weit, so einfach.

Oh Deimos, where art thou?

Eine Sonderrolle nimmt der Marsmond Phobos ein. Der kartoffelförmige Himmelskörper umkreist den Mars, dort kann auch geschürft werden und mit der Charakterkarte Soldat kann man bis zu drei Astro-Pöppel auf die Planetenoberfläche absetzen. Dass sein kleiner Buder Deimos, der zweite Marsmond, keine Rolle spielt, wird nicht weiter erklärt. Zu rechnen ist mit einem Auftauchen in einer Erweiterung4. Oder wir haben es mit einer Reminiszenz an das Game Doom zu tun, bei dem der zweite Mond des Mars in die Hölle teleportiert wurde5.

Aufrbuch zum Roten Planeten, zahlreiche kleine Plastikastronauten stehen auf Mars und Phobos.

Endphase: Der Mars ist voll.

Aufbruch zum Roten Planeten, im übrigen schon die zweite Edition des Spiels, ist schnell, hat einfache Regeln und eine hervorragende Austattung. Außer den wunderschönen Astro-Pöppeln überzeugen Spielbrett und Karten mit sehr stimmigem Design und treffenden Illustrationen. Die Version für zwei Spielende fühlte sich für mich mit ihren beiden neutralen, zufallsgesteuerten Farben etwas holprig an, läuft aber im Grunde ganz rund. Nach vier Mal Spielen bin ich immer noch gespannt auf weitere Partien, Wiederspielwert ist also gegeben. Bei einem Preis zwischen 44 und 48 Euro empfehle ich ein vorheriges Testspiel – wobei Fans von Ohne Furcht und Adel oder Broom Service hier schon sehr richtig liegen.

Aufbruch zum Roten Planeten bei Heidelbar.de.

Alter: 14+
2-6 Mitspielende
45-90 Minuten Spieldauer


Disclaimer: Fischpott hat ein Rezensionsexemplar vom Heidelberger Spieleverlag erhalten.

  1. Oder Übersetzungsfehler, es gibt verschiedene Erklärungen.
  2. Lobenswerte Erwähnung des Spielmaterials, die kleinen Astronaut_innen sind wunderhübsch.
  3. Bei denen sogar eine Frauenquote von 33% eingehalten wurde. Allerdings sind alle Charaktere weiß. Gerade bei einem Spiel, das die Eroberung eines fremden Planeten zur Kolonialzeit thematisiert, ein bisschen schade.
  4. Die von einem Fan bei Boardgamegeek schon einmal angedacht wurde.
  5. Ist Doom eigentlich schon einmal steampunkifiziert worden?
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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.

Kommentare

Aufbruch zum Roten Planeten — 1 Kommentar

  1. Pingback: Media Monday #264 | Greifenklaue's Blog

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