Call of Duty: Infinite Warfare für Playstation 4

Alle Jahre wieder – kurz bevor ein Teil der Menschheit wieder dem Weihnachtswahnsinn verfällt – erscheint das neue Call of Duty. Dieses Jahr soll Infinite Warfare den geneigten Zocker gleich in ganz neue Ego-Shooter-Sphären schießen.
Diesmal wird nicht mehr nur auf der Erde geballert sondern im Weltraum und auf fremden Planeten. Frei nach dem Motto:

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Wie bei Call of Duty-Titeln so üblich, gibt es auch bei Infinite Warfare eine Einzelspielerkampagne, bei der es ordentlich kracht und zur Sache geht.
Diesmal übernimmt der Spieler die Rolle von Elitesoldat Nicke Reyes, der sich in den Weg einer bösartige interstellare Organisation namens SDF (Settlement Defense Front) stellt.
Dabei muss der junge Mann sich durch die CoD-typischen linearen Schlauch-Level schießen oder in einem Raumgleiter sitzend dutzende feindliche Raumschiffe zerstören.
Die Flugsequenzen sind recht einfach gehalten, machen aber viel Spaß.

Eine Neuerung bei CoD bieten die freie Missionen von Infinite Warfare, die wir optional erledigen können und die somit die Kampagne auf eine Spielzeit von acht bis neun Stunden bringen. Die Aufträge können auf einer Navigationskarte einzeln angewählt werden und bringen einen guten Schuss Abwechslung in das Spiel.
So muss man sich beispielsweise durchs All schwebend an ein Schiff der SDF „anschleichen“.

Die Geschichte der Einzelspielerkampagne ist, naja, sagen wir mal einfach gehalten. Als Bösewicht wurde diesmal Kit Harington (aka John Snow aus Game of Thrones) engagiert, dem ich den Bösewicht (vielleicht wegen Jon Snow) irgendwie nicht abnehme. So etwas wie Identifikation mit den Protagonisten kam bei mir nicht auf.
Die Kampagne ist eher wie ein guter, bombastischer Actionfilm, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Szene aus Call of Duty: Iinfinite Warfare. Zwei Soldaten auf einer Raumstation sehen durch ein Fenster einen Asteroiden kurz vor dem Einschlag in die Station.

Foto: Activision

Du hast da was rotes

Der Zombie-Modus gehört inzwischen zu CoD wie der Verwesungsgeruch zum Untoten und bei Infinite Wars kommt er mit dem gewollt trashigen Titel „Zombies in Spaceland“ daher, wobei das Spaceland ein Vergnügungspark ist und Zombies, naja, ins diesem Fall gar nicht mal so langsam schlurfende lebende Leichen sind.
Die bis zu vier Spieler schlüpfen dabei in die Rollen von ein paar Teenagern, die von einem verrückten Regisseur (der medialen Entsprechung des Verrückten Professors) in einen 80er-Jahre-Horrorfilm (ich erspare mir hier mal den Begriff „alt“, weil ich demnach auch „alt“ wäre, was ich bin aber nicht hören möchte) versetzt werden, wo sie sich gegen eine Zombie-Welle nach der anderen wehren müssen, weil die untoten Gesellen es auf ihr Geeehhhhiiiirrrrnnnnnn abgesehen haben.

Die Protagonisten sind allesamt typische Horrorfilmklischees der 80er nachempfunden und so kann man zwischen dem Nerd, dem Sportler, der Blondine und den schwarzen Rappertypen wählen. Als Bonbon gibt es auch noch den DJ, der nicht nur 80er-Mucke spielt, sondern auch Tipps gibt und von Ich-Esse-Meine-Burger-Am-Liebsten-Betrunken-Am-Boden-Liegend David Hasselhoff verkörpert wird. Also von einer virtuellen, jüngeren, nicht so botoxverseuchten Version von The Hoff.
Alles in allem weiß der Zombie-Modus aufgrund der abgefahrenen Thematik gut zu gefallen, vor allem, wenn man mit ein paar Freunden im Team zockt.

cod_infinite_warfare_zombies_in_spaceland_andre_in_chromosphere

Foto: Activision

Hü Hüpf

Eins vorweg: Ja, ich bin ein Call of Duty-Fanboy.
Ich habe seit CoD-World-at-War jeden Teil gezockt und vorrangig das Herzstück der Spiele, den Multiplayer-Modus.
Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – habe ich mit Infinite Warfare so meine Probleme.
Nicht falsch verstehen, Infinite Warfare ist kein schlechter Shooter. Er schließt konsequent an Advanced Warfare und Black Ops 3 an – aber hier liegt auch der Hund begraben.
Statt Innovation hat man hier auf Altbewährtes gesetzt und so fühlt sich der Mulitplayer-Modus so an, als hätte man gerade ein neues Kartenpaket für Black Ops 3 installiert.
Klar gibt es neue Waffe, ein paar neue Killstreaks – aber das Spielgefühl mitsamt Wandlauferei und Jetpack-Rumgehüpfe bleibt das gleiche.
Dazu kommt noch, dass die Karten bei Infinite Warfare recht beliebig und uninspiriert wirken. So habe ich erst mal ein paar Spielstunden runterzocken müssen, bevor ich in der Lage war einen Teil der Karten auseinander zu halten.
Bei früheren Spielen gab es immer wieder Maps, die so viel Spaß gemacht haben, dass sie sich in Gedächtnis gebrannt haben. So eine Karte sucht man hier vergebens.
Generell mangelt es den Maps an Gradlinigkeit. Größtenteils sind sie für CoD-Maps zu verwinkelt und verschwurbelt, so dass taktisches Vorgehen wie flankieren kaum noch möglich ist und man eigentlich nur noch Rushen oder Campen kann.

Kampfgetümmel bei cod_infinite_warfare

Foto: Activision

Statt der Klassen (wie bei Black Ops 3), kann man hier Kampfrüstungen auswählen, die dem Spieler eine feste und nach einer gewissen Zeit eine zusätzliche Fähigkeit verleiht. Zum Glück sind die Rüstungen (noch) nicht so bunt wie bei Black Ops.

Natürlich ist es Geschmackssache, aber der Entwicklung der Spielserie zum Sci-Fi-Shooter kann ich persönlich nicht viel abgewinnen. Nach dem wirklich gelungenen Black Ops 3 hätte ich mir dieses Jahr wieder einen bodenständigeren Titel gewünscht. Dass ich mit diesem Wunsch nicht alleine bin, zeigt sich an den Reaktionen der Community, in der sich Spieler zum Teil Infinite Warfare gekauft haben, nur um das altehrwürdige Modern Warfare auf der PS4 zu spielen.

Fazit

Activision hat mit Call of Duty: Infinite Warfare leider den Anschluss an die starken Ego-Shooter-Konkurrenz von Battlefield 1 und Titanfall 2 verloren. Lediglich der Zombie-Modus konnte mich vollends überzeugen.
Ich bin sehr gespannt wohin die Reise für Call of Duty nächstes Jahr führt.Vielleicht nimmt sich Activision die Kritikpunkte vieler Spieler zum Anlass, die Serie nochmal zu überdenken und kommt 2017 mit ein paar echten Innovationen um die Ecke.
Dabei muss ja nicht das, was CoD ausmacht völlig umgeworfen werden. Ein bodenständiger Multiplayer-Shooter mit ein paar wenigen Neuerungen wie einer dynamische Umwelt (Wetter, Tageszeiten) und einem einigermaßen realistischen Setting würde mich ja schon glücklich machen. Sollten die Gerüchte eine CoD-Titels, der im Vietnam-Krieg spielt, stimmen, bin ich guter Dinge, dass CoD nächstes Jahr wieder um den Titel des besten Ego-Shooters mitspielen kann.

Disclaimer: Wir haben von Activision ein Rezensionsexemplar erhalten.

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