Coco – Lebendiger als das Leben

Wandelnde Tote – das klingt nach Horror, Blut und Bisswunden. Aber keine Angst, im neuesten Pixarfilm Coco – Lebendiger als das Leben sind die Wiedergänger nicht nur größtenteils harmlos, sie sind sogar sehr sympathisch.

Heimlich Mariachi

Miguel hat ein Geheimnis: Der 12-Jährige aus dem mexikanischen Städtchen Santa Cecilia will Musiker werden. Was normalerweise bloß zu besorgten Blicken und der Frage: „Aber kannst Du davon leben?“ führt, sorgt bei Miguels Familie zu einer handfesten Krise. Denn seitdem seine Ururgroßmutter von ihrem Mann, einem Musiker, verlassen wurde, herrscht bei den Riveras ein striktes Musikverbot. Dabei möchte Miguel es doch so gerne seinem großen Idol, dem „mexikanischen Elvis“ Ernesto de la Cruz nacheifern. Das einzige Familienmitglied, das Miguel so akzeptiert, wie er ist, ist seine Urgroßmutter Coco.

Natürlich lässt sich Miguel von allem Verboten nicht abschrecken und beschäftigt sich weiter mit dem Gitarrenspiel. Das führt sogar so weit, dass der Junge ein Familiengeheimnis lüftet und einen Toten bestiehlt. Am Tag der Toten führt dieses Sakrileg dazu, dass Miguel, obwohl lebendig, im Land der Toten landet. Das ist ganz im Stil des mexikanischen Día de los Muertos eingerichtet: Bunt und voller wandelnder Skelette. Um von hier zu entkommen, muss Miguel sein Vorbild Ernesto finden. Der ist aber auch im Jenseits ein Promi und dementsprechend schwer zu erreichen. Die einzigen, die Miguel helfen sind der Gauner Hector, der nicht vergessen werden will und ein Nackthund namens Dante.

Miguel und sein Vorbild, Ernesto de la Cruz ©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Coco Contrabando

Coco bietet eine warmherzige Story, beeindruckende Animationen, wunderschönes Design und lebendige Charaktere. Dabei ist der Film auch noch auf zwei Ebenen ein subtiles Plädoyer für Toleranz und Akzeptanz. Zum einen geht das Regie-Duo Lee Unkrich und Adrian Molina hier wirklich respektvoll mit der mexikanischen Kultur um.1 Es gibt kaum Klischees, dafür einen facettenreichen mexikanischen Cast. Sogar Frida Kahlo ist dabei. Und auch wenn das mexikanische Städtchen Santa Cecilia auf den ersten Blick wie eine künstliche heile Welt aussieht, rückt in ein paar Szenen die politische Lage der Gegenwart in die Nähe. Die Szenen mit dem Grenzübertritt aus dem Land der Toten und den Blumenbrücken erinnern subtil an die realen Grenzprobleme der Gegenwart.

Miguel und seine Urgroßmutter Coco. ©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Die zweite Ebene ist die Intoleranz der Riveras gegenüber Musik. Gerade weil sie so lächerlich ist – wer hasst schon Musik? – wird die Intoleranz gegenüber alternativen Lebensentwürfen, seien sie kultureller, religiöser, sexueller Natur, gleichzeitig ebenfalls der Lächerlichkeit preisgegeben. Im Kern ist Coco aber ein Film, der die Familie preist. Edward James Olmos, der eine kleine Rolle im Film spricht, bezeichnet Coco sogar als einen Film, der mexikanische Familienwerte in die weite Welt trägt.2

Miguel trifft sein Idol Ernesto de la Cruz – und die mexikanischen Sänger und Schauspieler Pedro Infante und Jorge Negrete ©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Bunt, spannend, rührend und manchmal auch ein bisschen traurig: Pixar hat mit Coco – Lebendiger als das Leben mal wieder ein Meisterwerk rausgehauen.

  1. Wenn auch der Versuch von Disney, die Phrase ‚Día de los Muertos‘ mit einem Trademark zu versehen erst einmal für einen Shitstorm gesorgt hat.
  2. Siehe: https://io9.gizmodo.com/edward-james-olmos-considers-his-one-scene-in-coco-a-ca-1820342904
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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.


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