Deichkind zu Gast in Essen: Leider Grugahalle

Ein Kindergeburtstag für Erwachsene – so beschreiben Deichkind ihre Auftritte. Wie erwachsen dieses Publikum wirklich ist, überrascht dann doch ein wenig. Der durchschnittliche Gast in der Grugahalle am Donnerstag war geschätzte 37, nüchtern und in lässiger Bürokleidung unterwegs. Das Publikum war dermaßen seriös, dass es am Eingang nicht einmal eine Taschenkontrolle gab.

Deichkind-Bühnenshow: Viele bunt leuchtende Säulen, davor schemenhaft die Musiker.Was die Hamburger dann auf die Bühne zaubern, ist – und das ist hinreichend bekannt – etwas weniger seriös. Im Schlauchboot und Fass über’s Publikum fahren? Check. Smartphonejacken und LED-Dreieckshelme? Check. Choreo mit Bürostühlen? Check. Es ist ziemlich offensichtlich, dass hier eine Menge Planung (und Materialaufwand) auf die Leinwand gebracht wird. Dass dies für vergleichsweise läppische 38 Euro angeboten wird, ist aller Ehren wert.

Etwas überrascht war ich dann aber doch, wie durchgetaktet jeder Schritt der Show ist; musikalisch (und vor Allem textlich) kommen die ja eher als Anarchotruppe daher. Auf der Bühne ist aber jede Bewegung geplant. Was die Bühnenshow angeht, ist auf dieser Tour sicher ein Deichkindkonzert wie das andere. Wenn man so will, ist das ein Anti-Ärztekonzert. Die Ärzte haben keine Bühnenshow, bewegen sich nicht und reden viel. Deichkind ist in jeder Hinsicht genau das Gegenteil. Das ist aber gar keine Kritik, denn gut geplanter Quatsch ist halt vor Allem: gut.

Diese Tour ist vermutlich der richtige Zeitpunkt für den ersten Deichkindbesuch: Denn durch ihr neuestes Album, „Niveau Weshalb Warum“, haben sie nun genügend Songs, um volle zwei Stunden ohne auch nur die geringste Länge zu füllen.1 Los geht das Set mit „So’ne Musik“ – ein perfektes Intro – und verlässt die beiden aktuellsten Platten für die erste halbe Stunde nicht. Grundsätzlich folgt die Setlist dem bewährten Muster „von neu nach alt“, ohne dabei jedoch zu schematisch zu werden. Jedes mal, wenn man denkt, da könne jetzt nichts mehr kommen, wird doch noch ein Kracher ausgegraben. Und mit „Remmidemmi“ folgt der krönende Abschluss, während zugleich noch einmal das komplette Equipment aufgefahren wird.

Deichkind-Bühnenshow, in einem Schlauchboot surft ein Bandmitglied übers Publikum.

Schließlich darf noch erwähnt werden, dass die Versorgung des Publikums in der Grugahalle allenfalls mittel war. Die durchschnittliche Wartezeit für Garderobe und Getränke betrug locker 30 Minuten und aktive Verpflegung („JEMAND BIER ODER BRETZEL!?“) im Innenraum gab es keine. Dass der Preis für das 0,5er-Bier auf 6 Euro hochgeschummelt wurde, indem man es in 0,25er-Portionen á 3 Euro ausschenkte, macht’s nicht besser. Aber dafür können Deichkind ja nix.

Übrigens: Dieser Bericht kam ohne „leider geil“ aus. Hat niemand gemerkt, oder?


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