Demon Knights

Unter dem Titel The New 52 hat DC Comics 2011 den großen Relaunch aller laufenden Comicserien gestartet. Darunter sind außer alten Bekannten wie Superman und Batman auch ein paar Neustarts. Mit der Reihe Demon Knights geht es ins Mittelalter der Superhelden.

In der Mitte des Bildes ist der gehörnte Kopf eines Dämonen mit rot leuchtenden Augen zu sehen. Links hinter ihm spannt eine Frau, deren Haare im Wind wehen, einen Bogen. Links vor ihm ist eine Frau mit einem gehörnten Helm und einem Schwert zu sehen.Direkt vor dem Dämon hebt eine Frau in einem Umhang mit einem Amulett auf der Stirn ihre Hand. Rechts vorne im Bild ist eine knapp bekleidete Kriegin mit einer Kettenwaffe in den Händen. Rechts hinter dem Dämon steht ein lächelnder bärtiger Araber mit einem Krummsäbel. Rechts im Hintergrund hebt ein wild aussehender Bärtiger schreiend eine riesige Axt.

© DC Comics

Der Dämon Etrigan ist an den Körper des Menschen Jason Blood gefesselt: Abwechselnd wandelt einer der beiden auf Erden, während der andere in der Hölle leidet. Shining Knight ist eine unsterbliche Ritterin, die sich als Mann ausgibt und den Heiligen Gral sucht. Madame Xanadu ist Kennern der Artuslegende als Merlins Schülerin Nimue vom See bekannt, Comickennern als zaubernde Superheldin. Vandal Savage 1 ist ein Urmensch, durch Kontakt mit einem Meteoriten unsterblich geworden. In späteren Jahrhunderten wird er sich mit Batman und Konsorten anlegen. Diese vier gehören zum DC-Kanon und tauchen in zahlreichen anderen Reihen als Schurken oder Helden auf. Außerdem schließen sich der Truppe noch The Horsewoman, die sich nur reitend fortbewegen kann, Al Jabr, ein muslimisches Erfindergenie und Exoristos, eine verbannte Amazone a là Wonder Woman an.

Sieben Freunde müsst ihr sein

Die ungleichen Sieben (eigentlich Acht, aber Blood und Etrigan sind nie gleichzeitig am selben Ort) treffen durch Zufall in einer kleinen Taverne in einem unscheinbaren Dorf aufeinander. Zur selben Zeit greifen die Truppen der Magierin Questing Queen an: Barbaren und Dinosaurier auf dem Weg zur Stadt Alba Sarum. Natürlich können die Helden nicht anders, als die Verteidigung aufzunehmen.

„Ihr trefft euch alle in der Taverne …“

Auch wenn der Plot klingt wie der lahmarschige Versuch eines Dungeon Masters, die Rollenspielgruppe zusammenzubringen, hat die Reihe einen hohen Unterhaltungswert. Ein bisschen „Tarantino inszeniert Prinz Eisenherz“ – und tatsächlich kehrt damit Etrigan sogar zurück zu seinen Ursprüngen. Jack Kirbys Design für den Charakter beruht auf einer Dämonenmaske, die der Prinz von Thule aus einer Ente anfertigt und damit einen Raubritterbaron zu Tode erschreckt2. Weitere Anklänge an die Comic-Legende ist das Camelot-Thema, das Auftauchen von Dinosauriern als Drachen und ein optischer Stil, der an Ritterfilme der Vierziger erinnert.

Internationales Künstlerteam

Der brasilianische Illustrator Diogenes Neves war für die ersten 12 Ausgaben verantwortlich, sein Stil ist solides Augenfutter für Comicfans. Für den Oktober ist ein Wechsel geplant, ab Band 13 soll der US-Amerikaner Bernard Chang als Künstler übernehmen. Der britische Autor Paul Cornell ist vor allem für seine Arbeit im Doctor-Who-Universum bekannt, was einerseits ein Schloss erklärt, das innen größer ist als außen und andererseits seine extreme Neigung zu Cliffhangern. Jedes Heft endet mit einem (scheinbaren) Verrat, einem vernichtenden Angriff oder einem überraschendem Superschurkenauftritt. Für eine Serie nicht unüblich, aber besonders im Sammelband nervt es.

Feminismus … ein bisschen

Bemerkenswert sind die feministischen Ansätze. Vier von sieben Helden sind weiblich, die meisten Superschurken auch und sogar lesbische Prinzessinnen kommen vor. Angesichts der Tatsache, dass bei DC Comics nach dem Start der New 52 nur noch 1 Prozent Künstlerinnen arbeiteten (vorher 12 Prozent) könnte man allerdings von einem Feigenblatt reden. Dass die allermeisten Frauen bei Demon Knights üblichen Schönheitsidealen entsprechen und wenig oder figurbetontes tragen, passt dann wieder ins Bild.

Gebt mir das Baby

Demon Knights ist keine Reihe für zimperliche Leser und Leserinnen: Blut spritzt, unschuldige Kinder und Mönche werden nicht verschont und die Questing Queen opfert den Dämonen sogar Babys. Dabei sind die Helden auch nicht gerade unschuldig, der Dämon Etrigan und Vandal Savage sind schlichtweg mörderische Psychopathen.

Trotz aller Kritik: Die Geschichte um die Superhelden des DC-Mittelalters ist spannend, manchmal unerwartet witzig (wenn etwa „Asterix bei den Goten“ zitiert wird) und oft genug tragisch. Weniger für Fans von Superhelden geeignet, dafür aber gute Unterhaltung für Freunde und Freundinnen von Sword & Sorcery. Zur Zeit ist die Reihe nur auf Englisch erhältlich, der Sammelband mit den ersten sieben Heften ist für rund 20 Euro zu erwerben.

Interview mit Paul Cornell über Demon Knights.


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  1. 1943 wurden solche Namen noch nicht als zu trashig empfunden.
  2. Wirklich!

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