Die Geiseln Staffel 1 (Hostages) – DVD

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Wenn ein DVD Set, das der Anbieter mit »Thriller-Hitserie für Fans von Homeland & 24« bewirbt, seinen Weg in unsere Redaktion findet, kann ich als Paranoia-Beauftragte natürlich nicht nein sagen. Bislang hatte ich von Die Geiseln (Hostages) noch nichts gehört. Dabei stammt die israelische Serie bereits aus dem Jahr 2013 und war in ihrem Heimatland derart erfolgreich, dass bereits eine zweite Staffel entstand. Hierzulande läuft jetzt erst die erste Staffel und das (auch nur?) bei RTL Crime. Sollte das daran liegen, dass der Hit vielleicht doch nicht so ein großer Hit ist? Der Vergleich mit den beiden Erfolgsserien hinkt jedenfalls gewaltig. Dennoch hatte ich gut sechs durchaus angenehme Sofastunden mit den Hostages.

Töte den Premier

Dr. Yael Danon (Ayelet Zurer, unter anderem bekannt als Atomphysikerin Vittoria Vetra in Illuminati) ist eine derart gute Chirurgin, dass sie sogar den israelischen Premierminister operieren darf. Auch wenn es sich nur um einen kleineren Eingriff handelt, sollte dabei natürlich nichts Unvorhergesehenes passieren. Man stelle sich vor, dieser wichtige Patient stürbe während seiner Gallenblasen-OP! Doch genau das fordert Adam Rubin (Jonah Lotan, Nebenrollen in Homeland und 24) von ihr. Mit drei maskierten Kollegen dringt er in ihr Haus ein und nimmt ihre Familie als Geiseln. Für ihr Attentat, das bereits am nächsten Tag stattfinden soll, gibt er ihr ein nicht nachweisbares Gift, das sie ihrem prominenten Patienten verabreichen soll. Und falls sie glaube, sie könne ihrem Schicksal irgendwie entgegenwirken, macht Rubin ihr unmissverständlich klar, unter Dauerüberwachung zu stehen. Es gibt für sie also kein Entrinnen: Der Premier muss sterben, oder er tötet eines ihrer Familienmitglieder.

Szene aus Die Geiseln. Eine Frau mit braunen Haaren vor einer Betonwand.

Ayelet Zurer als Dr. Yael Danon
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Eine typischer Geiselnahme-Thriller?

So weit ist Die Geiseln nicht die ungewöhnlichste aller Geschichten rund um Geiselnahmen. Geiseln werden bekanntlich in Thrillern immer wieder gerne genommen. Dabei sind so manche Vertreter dieses Subgenres auch nicht gerade unclever erzählt: Argo, Die Hard, Inside Man, 96 Hours, 24 Stunden Angst, um nur einige bekannte Vertreter zu nennen. Was macht also Die Geiseln so besonders, das die Serie allein diese Betitelung verdient? In der Tat: nicht allzu viel. Wenngleich die Geschichte sehr wendungsreich daherkommt und damit alles andere als langweilig ist. Zum Schluss der Staffel lässt sich konstatieren, dass so manch Wesentliches doch ganz anders ist, als es anfänglich den Anschein hat. Allerdings sind diese Wendungen zumindest in Teilen durchaus vorhersehbar. Nun ist es schwierig, diese steile These zu belegen, ohne zu viel zu verraten. Immerhin läuft die Serie ja nun gerade im TV und hat dort noch nicht einmal Bergfest gefeiert. Dennoch will ich es wagen.

Filmszene aus die Geiseln: Eine Familie kniet gefesselt und geknebelt in einem Wohnzimmer, umgeben von maskierten Männern.

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Ein bisschen Spoilern soll erlaubt sein

Die erste Folge beginnt mit einer Szene, in der ein schwer bewaffneter Sondereinheitstrupp zu einer Geiselnahme kommt. Ein junger Autodieb hält sein Opfer mit einem Messer in Schach. Der Anführer der Sondereinheit weiß solch eine Situation einzuschätzen: Ein Autodieb besitzt weder den nötigen Überblick noch die Cleverness für eine Geiselnahme. Also legt er sein Sturmgewehr ab und bietet sich dem Ganoven als Ersatzgeisel an. Dumm genug, sich darauf einzulassen, lässt sich der Autodieb die Pistole des Polizisten geben und verlässt mit ihm die Wohnung. Um draußen festzustellen, dass in der Waffe gar keine Munition ist und die Sondereinheit ihn nun also problemlos festnehmen kann.

Jonah Lotan als Adam Rubin.
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Nun ist der ersten Szene eine Vorschau vorangestellt: Eine Familie, gefesselt, geknebelt und umringt von ihren Geiselnehmern. Und deren Anführer ist der der Sondereinheit. Adam Rubin ist also eigentlich ein Guter, der in der Folge zum Bösen mutiert und zum Schluss… Allein die Frage bleibt: Warum?

Der wahre Star der Serie: Mutter Yael

Während die eine Hauptfigur viel zu sympathisch daherkommt, um glaubhaft böse zu wirken, ist der wahre Star dieser Serie Ärztin und Mutter Yael. Die weiß nichts von Rubins Hintergrund als Polizist und erlebt ihn und seinen Trupp als handfeste Bedrohung. So muss sie zum Beispiel mit ansehen, wie er an ihrem Gärtner ein Exempel statuiert. Viel Unterstützung erfährt Yael auch nicht gerade aus den eigenen Reihen. Ganz im Gegenteil stellt im Laufe der Geschichte ihr Ehemann, Schulleiter Eyal, sein fragwürdiges Gemüt unter Beweis. Tochter Noa hat dank nicht geplanter Schwangerschaft ganz andere Probleme und stakst arg hilflos durch die Szenerie. Derweil Sohnemann Assaf nach dem Vater schlägt und zudem mitten in der Pubertät steckt. Entsprechend muss sich Muttern etwas einfallen lassen. Zumindest schafft sie es, die für den Folgetag geplante OP platzen zu lassen. Auch wenn das bedeutet, die ungebeten Gäste noch länger beherbergen zu müssen.

Zehn Folgen à kaum vierzig Minuten

So eine Folge Die Geiseln ist schnell erledigt. Die Länge variiert zwischen gut dreißig und knapp vierzig Minuten und ist dank der, wenn auch eher ruhigen, durchaus kurzweiligen Erzählweise auch erlebt schnell um. Auf zwei DVDs aufgeteilt, lässt sich die ganze Serie unproblematisch an zwei Abenden anschauen. Etwas seltsam ist allerdings die extrem ausführliche Vorschau auf die jeweils nächste Folge. Dabei geht deren Ausführlichkeit derart weit, dass Cliffhanger damit direkt aufgelöst werden. Vielleicht erwartet das israelische Fernsehpublikum ein solches Vorgehen? Ich habe jedenfalls schnell gelernt, diese Vorschauen besser zu überspringen, um mir den Reiz nicht zu nehmen.

Reizvolle Szenerie

Reizvoll habe ich nebenbei auch die für mich ansonsten wenig bekannte israelische Szenerie erlebt. Sei es jegliches bedeutungstragendes Schriftwerk, das dank des Hebräischen für jemanden wie mich nicht lesbar ist. Oder die für mein westeuropäisches Ohr nicht ganz so eingängigen Namen. So habe ich immer wieder Yael und Eyal verwechselt und dachte bei Noa an die Arche. Vielleicht war mir deshalb Adam so sympathisch. Selbst alltägliche Aspekte wie die aufgrund nur zweier Sicherungen instabile Stromversorgung oder die Bauweise des Einfamilienhauses fand ich bemerkenswert. So kann ich schon verstehen, dass man auf die Idee kommt, für den US-amerikanischen Markt eine Adaption zu produzieren. Nur hat diese es leider nicht über die erste Staffel hinaus geschafft. Wer Bekanntschaft mit dem Original machen möchte: DVD und Video on Demand sind ab 10.02.2017 erhältlich.

Fischpott-Disclaimer: Wir haben die DVDs als Rezensionsexemplar von der Universum Film GmbH erhalten.

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Über Britta

Britta Kretschmer ist Online-Redakteurin, Autorin und Ex-Wissenschaftlerin. Britta lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Köln. Das Webgrrl gestaltet Wordpress-Blogs, berät in Sachen Texten für Social Media und veröffentlicht unter www.mehr-welten.de Nachrichten einen Jugendthriller, in dem es um Medizin, Politik und Physik geht. Britta mag Bücher, Filme und Rockmusik und liebt Orang-Utans.


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