Die Wunder unseres Sonnensystems und Wunder des Universums (Doppel-DVD)

13,7 Milliarden Jahre soll es alt sein, das Universum in seiner gesamten Pracht. Rund 9 Milliarden Jahre brauchte es von Anbeginn, bis es das entstehen ließ, was wir unser Sonnensystem nennen. In seinem Zentrum ein gelber Zwerg, der uns die Welt bedeutet, im großen Ganzen aber doch eher nur einer von verdammt vielen, ziemlich durchschnittlichen Sternen ist. Mit seinen Dokumentationen Die Wunder unseres Sonnensystems und Wunder des Universums kam der britische Physiker Brian Cox von der University of Manchester 2010 und 2011 den Mysterien des Weltalls höchst erfolgreich auf die Spur: Beide Mini-Serien erreichten bei ihren Erstausstrahlungen Spitzenwerte für die BBC. Grund genug, beide nun als Doppel-DVD noch einmal zu veröffentlichen. Grund genug für mich, sie mir im Rahmen eines ultimativen Binge-Watchings anzusehen und zu konstatieren: Ein bisschen hat die Art der Betitelung als Wunder für mich was von den zehn Gründen, warum Sie dieses Produkt kaufen sollten – beim siebten musste ich weinen. Doch auch wenn ich so meine Probleme mit reißerischen Titeleien habe, werden Universum und Sonnensystem für mich immer Welten voller Wunder bleiben. Für tieferes Verstehen ist mein Hirn einfach zu klein.

Die sieben Wunder unseres Sonnensystems

Die deutsche Version der Wonders of the Solar System unterscheidet sich gegenüber der originalen Serie in einigen Details. So ist sie zum Beispiel anders strukturiert. Statt fünf Teile gibt es derer gar sieben:

  1. Die Supermacht Sonne
  2. Saturn – Herr der Ringe
  3. Das Weltraumwetter
  4. Titan – Der Gasmond
  5. Venus – Der Vulkanplanet
  6. Asteroiden – Auf Leben oder Tod
  7. Extraterrestrisches Leben

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist die Rückstufung der Bedeutsamkeit des eigentlichen Erzählers Brian Cox. Auch wenn er nachwievor in wesentlichen Szenen zu sehen ist, sind es die hinzugefügten deutschen Protagonisten, die der deutschen Überarbeitung ihre Gesichter verleihen und damit das Ganze für uns greifbarer machen. Allen voran »Astro-Alex« Alexander Gerst, der 2010 seinen Weltraum-Ausflug noch vor sich hatte. Thomas Reiter hingegen wusste seinerzeit schon von dem Erlebnis zu berichten, die Erde aus der Sicht des Weltalls zu betrachten. Beide kommentieren die Wunder unseres Sonnensystems ebenso wie Klimaforscher Mojib Latif oder die selbsternannte (noch nicht) erste deutsche Weltraum Touristin Sonja Rohde mit der heutzutage so typischen Technik des chroma keying. Sprich: Sie wurden nachträglich vor einem passenden oder aus dem Filmmaterial stammenden Hintergrund gesetzt und strahlen dabei ihre Begeisterung für das jeweilige Wunder aus.

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Sonnenaufgang ist nicht gleich Sonnenaufgang

Der grundsätzlichen Idee bleibt die deutsche Überarbeitung aber dennoch treu. So besucht Brian Cox verschiedene Orte unseres Planeten, um sich den fünf/sieben Themen zu nähern. Nehmen wir zum Beispiel das für uns doch sicherlich bedeutsamste Wunder unseres Sonnensystems, die Sonne an sich. Aus der Sicht von Uranus ist sie nicht viel mehr als so ziemlich jeder andere Stern am Himmel: ein leuchtender Fleck. Vom Mars aus gesehen hat so ein Sonnenaufgang aber tatsächlich schon den uns bekannten Charakter. Nur dass die Sonne ein bisschen kleiner ist. Würde man hingegen seinen Urlaub auf dem Merkur verbringen wollen, müsste man dort ein ganzes Erdenjahr bis zum nächsten Sonnenaufgang warten. Was man allerdings noch nicht mal mit dem höchsten Sonnenschutzfaktor überleben würde.

Um sich nun das in unserem Sonnensystem einzigartige und leider so seltene Spektakel einer totalen Sonnenfinsternis anschauen zu können, reiste Brian Cox im Sommer 2009 in den Norden Indiens. Die damalige Total Eclipse war mit über sechseinhalb Minuten die längste dieses Jahrhunderts. Erst im Juni 2132 wird eine länger können – doch leider wird das keiner von uns mehr erleben. Nun bin ich ja selbst 1999 und 2001 zu zwei Sonnenfinsternissen gereist, um mich an diesem faszinierenden Naturschauspiel zu berauschen. Dabei waren mir zwei wesentliche Aspekte gar nicht klar, die mir nun Mr. Cox verdeutlicht hat. So ist die Sonnenfinsternis für uns Erdlinge gar nicht so einzigartig, wie ich dachte. Auch vom Mars aus lassen sich Sonnenfinsternisse beobachten. Nur sind sie eben nicht total. Allein die totale Finsternis ist ausschließlich von der Erde aus zu erleben. Und dabei beruht alles nur auf dem Zufall, dass die Sonne vierhundertmal so groß und vierhundertmal so weit von der Erde entfernt ist wie der Mond. Deshalb kann der Mond die Sonne so perfekt abdecken.

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Wo Hoffnung ist, ist auch Leben

Der letzte der sieben Teile beschäftigt sich mit der uns alle doch so quälenden Frage, ob es vielleicht doch einen Hauch der Chance auf extraterrestrisches Leben in unserem Sonnensystem gibt. Mojib Latif äußerst sich diesbezüglich sehr skeptisch, hält bestenfalls unterentwickeltes Mikrobenleben für möglich. Alle anderen setzen ihre Hoffnungen auf die offenbar vorhandenen Höhlensysteme des Mars. Ein bisschen schielen sie auch auf einen der vielen Jupiter-Monde mit dem schönen Namen Europa.

Für den Mars spricht der Umstand, den Astrobiologin Marilyn Vogel knapp umschreibt mit: »Wo Gips ist, gibts auch Wasser.« Denn Gips kann nur mithilfe von Wasser entstehen. Tatsächlich gibts Gips auf dem Mars. Das bedeutet, dass es dort irgendwann mal warm und feucht gewesen sein muss. Und das wissen wir alle: Wo Wasser ist, ist auch Leben. Heutzutage kann dies bestenfalls in den Höhlensystemen des Mars vorhanden sein. In welcher Form auch immer. Denkbar wäre eine recht eigentümliche Lebensform, wie sie auch in unseren Höhlensystemen vorkommt. Statt von Licht beziehen diese Mikroben ihre Energie aus Gestein und Schwefelwasserstoff und scheiden Schwefelsäure aus. Andere in Höhlen ansässige Mikroben produzieren Metan. Wenngleich man sich keinen dieser Gesellen als Mitbewohner wünscht, bieten diese Lebensformen doch einen Hinweis darauf, dass Leben so viel mehr sein kann, als erdoberflächlich bekannt. Der Mars jedenfalls hatte wahrscheinlich einst eine Atmosphäre, die Sonnenwinden zum Opfer fiel. In seinen untermarsianischen Welten vermuten Wissenschaftler noch heute Wasser in nicht gefrorenem Zustand. Zudem konnten sie gewisse Konzentrationen von Metan nachweisen, die aus Marslöchern aufsteigen. Es spricht also einiges dafür, dass es doch Leben auf dem Mars gibt. Und vielleicht ist es sogar grün. Wahrscheinlich fliegt es nur nicht in Untertassen umher.

Für Leben auf Europa hingegen spricht die Tatsache, dass sich dieser Eismond in einer exzentrischen Bahn um Jupiter bewegt. Das bedeutet, dass er Jupiter mal näher kommt und mal weiter entfernt ist und damit mal zusammengestaucht wird und sich mal ausdehnen kann. Dadurch entsteht Wärme, und die sorgt dafür, dass die Eisschicht auf einem Meer schwimmt, das mehr Wasser bereitstellt, als es Wasser auf der Erde gibt. Doch auch hier sind Piloten fliegender Untertassen doch eher unwahrscheinlich.

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Wunder des Universums

Weniger an den deutschen Markt angepasst kommt die zweite BBC-Doku-Serie dieser DVD-Box daher. Keine deutsche Raumfahrt-Prominenz, keine Neustrukturierung der originalen vier Folgen:

  1. Spuren der Zeit
  2. Sternenstaub – Stoff des Lebens
  3. Die Schwerkraft
  4. Licht – Strahlender Bote

In seinen Grundprinzipien folgen die Wunder des Universums denen des Sonnensystems: Brian Cox geht an Orte auf unserem Planeten, um Zusammenhänge des großen Universums zu erklären. Und weil das nun nochmal so viel größer und älter ist als unser kleines Zuhause, ist es gleich nochmal so viel schwieriger, die Zusammenhänge von Zeit und Raum zu verstehen. Dabei gab es schon lange vor unserer Zeit Kulturen, die sich damit beschäftigt haben. Die Ruinen von Chanquillo, einer Tempelanlage an der Westküste Perus, gelten als der erste Beleg für die Zeitmessung. Eine unbekannte Kultur erbaute dort vor rund 2300 Jahren unter anderem dreizehn Türme mit einem Abstand von je fünf Metern. Archäologe Ivan Ghezzi entdeckte, dass die Türme den Horizont markieren und den wechselnden Sonnenstand wie mit einem Lineal messen. Dadurch lässt sich das genaue Datum bestimmen. Chanquillo ist also ein Kalender.

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Alles ist vergänglich

Eine Kernaussage des ersten Teils zu den Spuren der Zeit spricht von der Vergänglichkeit des Universums: Es breitet sich ständig aus und strebt dabei auf sein Ende zu. Spätestens an dieser Stelle bin ich leider raus. Andererseits finde ich das aber auch nicht weiter tragisch: Physiker und Philosophen können sich nicht wirklich erklären, warum wir Ereignisse nicht auch chronologisch rückwärts beobachten können. Auf atomarer Ebene scheint das jedenfalls nicht nur möglich, sondern sogar üblich zu sein. Dem gegenüber steht aber der Zeitpfeil, der von der Vergangenheit in die Zukunft weist und offenbar nicht nur ein Konzept unseres begrenzten menschlichen Hirns ist. Allerdings scheint manchmal meine Zeit stillzustehen. Bedeutet das etwa, dass sich da etwas in meinem Zeitpfeil verschoben hat?

Der Zeitpfeil besagt jedenfalls, dass sich alles zu Unordnung und Zerfall hin bewegt. Sprich: alles altert. Nun, wenn ich morgens in den Spiegel schaue, muss ich dieser These leider zustimmen. Aber warum gilt der Umstand, dass Sanddünen selten aus sich heraus die Form von Sandburgen einnehmen, hingegen aber Muster bilden, als Beleg für die Vergänglichkeit des Universums? Ich denke, das muss ich nicht verstehen. Interessant ist es trotzdem.

Mein Fazit

Die beiden BBC-Dokumentation sind – unabhängig davon, ob ich alles verstehe – einfach toll gemacht. Ob nun am Computer geniert oder von Weltraum-Kameras aufgenommen, das Bildmaterial wirkt höchst beeindruckend. Und auch wenn die dazugehörigen Erklärungen für mich nicht immer nachvollziehbar waren: Wie das so oft der Fall ist, erweckt ein wenig intellektuelle Überforderung erst so richtig das Interesse. So habe ich bei meinen Recherchen für diese Rezension zum Beispiel erst die wunderbare und extrem schön gemachte Website für Kinder des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt entdeckt. Ganz mein Niveau! Die Begeisterung für alles, was da draußen ist oder sein könnte, befeuert die vorliegende Doppel-DVD aber mal mindestens genauso.

Fischpott Disclaimer: Wir haben von polyband ein Exemplar der Doppel-DVD zum Zwecke dieser Rezension erhalten.

Die Doppel-DVD erscheint am 25.11.2016 im Handel.

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