Hidden Figures

Das Unmögliche leben

Mit dem Film Hidden Figures, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Margot Lee Shetterly, wird den bis dato unbekannten NASA-Mathematikerinnen Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson Tribut gezollt.

Ein Gastbeitrag von Ava Weis, Autorin, Fotografin und Einhorn aus Wuppertal.

hiddenfigures_poster1961. Russland hat es geschafft Menschen ins All zu befördern, Amerika hinkt mit zig gescheiterten Versuchen hinterher und die Regierung gibt sich ihrer Paranoia ob der knipsenden Satelliten hin. Eine Lösung muss her, wenn’s geht gestern, und eine Mathematik gerechnet werden, die noch nicht existiert.

Da der für diese Art von Kalkulationen angedachte IBM-Rechner durch Lieferschwierigkeiten nicht ankommt, braucht es einen Menschen mit entsprechender Begabung. Katherine Goble (Taraji P. Henson) ist dieser Mensch. Bereits in der Schule erstaunte die Afro-Amerikanerin ihre Lehrkräfte und Eltern mit ihren überragenden Fähigkeiten, jede erdenkliche Gleichung zu bewältigen, nun sitzt sie als Rechenexpertin in einem Kellerraum der NASA mit dem Schild „Colored Computers“.
Ihre Freundin und Vorgesetzte Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) schafft es, sie in die „Space Task Group“ zu vermitteln, wo sie als erste „Farbige“ mit ihrem sturen Chef Al Harrison (Kevin Costner) und dem überheblichen Kollegen Paul Stafford (Jim Parsons) zusammen arbeiten muss. Harrison bemerkt bald schon ihr außergewöhnliches Talent, Stafford hingegen sieht sie als Konkurrentin und versucht, sie los zu werden.

Szene aus Hidden Figures: Eine Frau in einem altmodischen Blümchenkleid lehnt auf einer Leiter und zeichnet mathematische Graphen auf eine Tafel.

Taraji P. Henson als Katherine Johnson in Hidden Figures ©2017 Twentieth Century Fox

Zeitgleich wird Mary Jackson (Janelle Monáe), die Dritte im Bunde, zum Bau der geplanten Rakete herangezogen, wo sie schmerzlich erkennt, dass sie zwar eine hervorragende Ingenieurin wäre, ihr Mann jedoch das kleinste Hindernis ist, da sie sich ein Studium per Gericht frei boxen müsste.
Dorothy hingegen übernimmt heimlich die Einrichtung des angekommenen Rechners samt Schulung ihres Teams. Während Katherine nicht nur gegen Windmühlen, sondern auch die Zeit ankämpft, will Dorothy so die Arbeitsplätze zahlreicher Frauen sichern und ihre überfällige Beförderung beschleunigen. Doch der fest zementierte Rassismus der Gesellschaft scheint eine kaum zu meisternde Hürde.

Theodore Melfi (bekannt durch St. Vincent) ist mit Hidden Figures ein Feelgood-Drama der besonderen Art gelungen. Ohne ins Kitschige abzudriften, zeichnet er die Willenskraft und den Mut dreier Frauen nach, die viel zu lange unbekannt geblieben sind. Wenn man den unausweichlichen Patriotismus mal gepflegt ignoriert, ist dieser Film ein eigentlich überfälliges Stück Geschichtskunde. Denkt man an die NASA, sieht man einen Haufen weißer Männer mittleren Alters. Dass Frauen, und dazu auch noch Schwarze, maßgeblich dazu beigetragen haben, dass der ganze Laden nicht vor die Wand gefahren wurde, gehört nicht zu den „Fun Facts“, sondern in den Schul-Lehrplan. Besonders in der heutigen Zeit, in der rassistische Politiker*innen massenweise gewählt werden, Feminismus immer noch verschrien ist und die Naturwissenschaften weiterhin männlich dominiert werden. Wir sind nämlich gar nicht wirklich weit davon entfernt, all die Hindernisse wieder aufzubauen, die einst überwunden wurden.

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Octavia Spencer, Taraji P. Henson und Janelle Monáe ©2017 Twentieth Century Fox

Disclaimer: Wir haben eine Einladung zur Pressevorführung erhalten und angenommen.


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