John Carter

Ein Yankee am Hof der Marsprinzessin

Filmplakat von John Carter - Zwischen Zwei WeltenJohn Carter (Taylor Kitsch) ist ein echter Kerl. Der Kavalleriecaptain steht er zu seinem Wort, kämpft wie ein Derwisch und ist stur wie ein Esel. Für so einen Helden reicht die Erde nicht mehr, da muss der Wüstenplanet Barsoom ran. Barsoom – von uneingeweihten Erdlingen Mars genannt – ist ein sterbender Planet, der von kriegslüsternen Außerirdischen bevölkert wird. Barbarische grüne Riesenmarsianer ziehen in Horden über den Planeten und zivilisierte rote Marsmenschen leben in zwei tödlich verfeindeten Städten.
Carter reist durch die Technologie der mächtigen außerirdischen Therns zum roten Planeten. Er wird von den Tharks, grünen Riesen mit vier Armen, versklavt/adoptiert und entdeckt dabei, dass er auf dem Mars nicht nur riesige Sprünge machen sondern auch mächtige Schläge austeilen kann. Liegt wohl an der Schwerkraft. Als es über dem Lager der Tharks zu einem Kampf zwischen zwei Luftschiffen kommt rettet Carter die Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins). Sie kommt aus der Stadt Helium, die vom Herrscher der Stadt Zodanga bedroht wird. Der verfügt nämlich über eine neuartige Waffe, mit der er den Krieg zu gewinnen droht. Carter muss sich zwischen der Heimkehr zur Erde und der Liebe zur Marsprinzessin entscheiden.

Reverse Superman im Marskrieg

Alles beruht auf der Romanvorlage von Edgar Rice Burroughs. A Princess of Mars erschien 1912 und präsentierte eine einfache Geschichte: Ein US-Amerikaner erlebt fantastische Große-Jungs-Abenteuer unter Wilden. Ähnlich wie in Burroughs Büchern um Tarzan dreht sich die Handlung um die Initiation in eine fremde Spezies und die Rettung einer weißen (oder im Fall der Marsprinzessin roten) Frau. Dass dabei die nackten Marsbewohner die Phantasie der Leser noch auf ganz anderes Terrain lenken hat wohl maßgeblich zum Erfolg der Romane beigetragen. Burroughs hat insgesamt elf Barsoom-Bücher geschrieben.
100 Jahre nach Carters Debüt hat Disney das Filmprojekt verwirklicht. Natürlich sind die menschenähnlichen roten Marsianer nicht nackt (wobei selbst die Männer bauchfreie Rüstungen tragen) und natürlich kann die Prinzessin im 21. Jahrhundert nicht nur kämpfen, sie ist sogar Akademikerin und hat eine neue Energiequelle entdeckt. Bösewichter sind die strippenziehenden bleichen Therns, deren Anführer Matai Shang (Mark Strong) den Krieg auf dem Mars anheizt und den Planeten in den Abgrund steuert. Zum Glück erlangt Carter auf dem Mars Superkräfte und wird für die Marsianer zum Unbesiegbaren, zum Superman.

Simple Story, reiche Bilder

Viele Filmszenen sind einfach bombastisch. Wenn ganze Horden vierarmiger Marsmenschen durch die Wüste hetzen, schwebende Schiffe in den Luftkampf übergehen oder 3D-Kamerafahrten Marslandschaften zeigen – das ist wirklich großes Kino. Die Story ist, wie in der Vorlage, schlicht und entwickelt sich trotz Rückblenden und Rahmenhandlung geradlinig. Dabei fällt vor allem gegen Ende auf, wie viel Handlung in die letzten Minuten gequetscht wird. Der Film nimmt so ziemlich alle Klischees mit – eine Hochzeit wird buchstäblich in der letzten Sekunde vereitelt, Bösewichter haben Gesichtstattoos oder abgebrochene Hauer, die verfeindeten Marsfraktionen haben blaue oder rote Uniformen – trotzdem ist der Kitschfaktor nicht zu schlimm.

Woola aus John Carter, illustriert von Christiane Strauss

Woola, der Molch-Hund vom Mars. © Christiane Strauss

Der Blutfaktor wird trotz einiger Schwertkampfszenen niedrig gehalten, wohl um eine disneygemäße Jugendfreigabe zu ermöglichen. Natürlich gibt es auch ein niedliches Tier, dass den Helden begleitet – eine Mischung aus Riesenmolch und Hund. Während die brutalen CGI-erzeugten Tharks eine gewisse Faszination erzeugen, sind die roten Marsmenschen blass und wirken wie eine Zusammenkunft von Star Wars-Komparsen und Fantasy-Liverollenspielern mit Dialogen aus schlechteren Xena-Folgen. Trotz aller Stromlinienförmigkeit von Handlung und Charakteren ist John Carter – Zwischen zwei Welten eine lange aber unterhaltsame Kinoreise. Wer keine innovative Handlung braucht und viel Action mit Alien-Klopperei mag, ist hier gut bedient.
FM
Gesehen wurde die Originalversion in 3D.

Links

John Carter in der IMDb
A Princess of Mars im Projekt Gutenberg

Nebenbemerkungen

Artwork und Design erinnern an Band 4 der Valerian-und-Veronique-Reihe von Pierre Christin und Jean-Claude Meziere. Wäre nicht das erste Mal, dass Hollywood den französischen SF-Comic als Inspiration benutzt. Hier ein paar Bilder …
Grüne und brutale Außerirdische wie die grünen Marsianer sind nicht selten. Fischpott-Autor Fabian hat nicht nur John Carter gesehen, sondern auch eine informative Liste grüner Aliens gebloggt.

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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.

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