Men in Black 3

10 Jahre sind eine lange Zeit, besonders in der Filmwelt. Wenn dann in Hollywood kreative Hirnwüste herrscht, wird tief in die Mottenkiste gegriffen, das erstbeste Hit-Franchise der 90er herausgezogen und versequelt (auf das Wort hätte ich gerne das Copyright): Die Men in Black sind 10 Jahre nach ihrem letzten Auftritt zurück auf der Großleinwand.

Alarm in der MiB-Station: Alien Boris “The Animal” (Jemaine Clement) bricht aus einem Hochsicherheitsgefängnis auf dem Mond aus. Der bärbeißige und überaus stachelige Planetenvernichter hat noch eine Rechnung mit Agent K (Tommy Lee Jones) offen und reist in der Zeit zurück, um ihn zu töten. Zur Rettung seines Partners macht Agent J (Will Smith) einen Zeitsprung in das Jahr 1969, wo er auf den jungen Agent K (nun gespielt von Josh Brolin) trifft. Gemeinsam mit ihm und einem rätselhaften Alien namens Griffin (Michael Stuhlbarg) versuchen sie alles, um Boris zu stoppen; eine Mission, die sich als besonders heikel herausstellt, denn versagt das Team, steht nicht nur Ks Leben sondern (mal wieder) der Fortbestand der gesamten Menschheit auf dem Spiel.

Eine Tüte 90er bitte

mib3Erinnern wir uns: Barry Sonnenfelds Men in Black war ein Überraschungshit, eine temporeiche, für einen Hollywood-Film überraschend zynisch und eklig geratene Komödie voller skurriler Einfälle und witziger Sprüche. Einen nicht geringen Anteil an dem Erfolg hatte das harmonische, gagreiche Zusammenspiel zwischen Will Smith und Tommy Lee Jones. Zudem bot die Idee, einen Film über Geheimagenten, die die Erde vor dem Abschaum des Universums beschützen, massig Raum für abstruse Alien-Designs, coole Verfolgungsjagden und einen ganzen Haufen Schleim. Teil 2 (2002) warf alles über den Haufen und verstand in bester Hollywood-Studiomanier nicht im Ansatz, was den ersten Film so gut und beliebt gemacht hatte; stattdessen versagte Men in Black 2 auf allen Ebenen und blieb eine unfassbar einfallslose Kopie des Vorgängers, in dem „Höher, schneller, weiter“ eben nicht besser bedeutete.

Die Frage „Warum dann ein dritter Teil – und das auch noch nach 10 Jahren?“ kann man angesichts kreativen Ausverkaufzeit wie der, in der sich Hollywood aktuell befindet, streichen. Viel interessanter ist ja doch, ob Men in Black 3 die Fortsetzung ist, die Numero 2 hätte sein sollen. Antwort: Definitiv – auch wenn Men in Black 3 nicht mit dem Original mithalten kann. Passend zum Zeitreiseplot fühlt man sich in den ersten Minuten des Films direkt in die 90er zurückversetzt: Will Smith sieht aus, als wäre er nicht einen Tag gealtert, und tritt zum Auftakt direkt ein paar Alien-Ärsche. Der Soundtrack ist altbekannt, das Feeling stimmt. Gut, Tommy Lee Jones sieht faltiger als je zuvor aus, aber da auch im Film einige Jährchen ins Land gezogen sind, ist das voll vertretbar.

Lahmer Anfang, spaßiger Film

Das Problem an der ganzen Sache: Die ersten 20 bis 30 Minuten sind ein ziemlicher Ausfall. Wir bekommen ein paar vorhersehbare, generische Action-Sequenzen, unterlegt von ein paar lahmen One-Linern von Smith und einem nahezu emotionslosen Tommy Lee Jones, der sichtbar keinen Bock hat. Sonnenfeld versucht das zu kaschieren, indem er Jones beziehungsweise K eine Depression auf den Hals schreibt, aber nicht mal das kauft man dem eigentlich so großartigen Schauspieler ab. Aus der Interaktion zwischen J und K war schon im letzten Teil die Luft raus, hier scheint es tatsächlich noch schlimmer, nahezu der gesamte Anfang des Films ist belanglos wie selten zuvor. Aber es wird besser.

Und zwar genau ab dem Moment, wo J den Zeitsprung unternimmt und in das Jahr 1969 zurückreist. Das ist der frische Dreh, den das Franchise gebraucht hat: Das gesamte 60er Jahre Setting wurde perfekt in die MiB-Welt übertragen, strahlt gleichzeitig jedoch auch ein gewisses Mad Men-Flair aus. Die müde Perfomance von Tommy Lee Jones wird ersetzt durch einen grandios aufspielenden Josh Brolin, der Jones in Aussehen, Stimme und Sprechweise perfekt zu imitieren weiß und mit deutlich mehr Spielfreude als letzterer antritt. Ab da scheint der Film endlich zu fluppen, plötzlich zünden Will Smiths Sprüche, die Story ist – naja, nicht wirklich einfallsreich, aber zumindest unterhaltsam und mit der einen oder anderen Wendung ausgestattet. Es gibt die klassischen „Fish out of water“-Situationen, diese werden aber ganz gut ausgespielt (besonders hervorzuheben ist hier ein richtig witziges Andy Warhol/Bill Hader-„Cameo“). Wie so viele Zeitreise-Plots leidet auch dieser unter heftigen Logiklücken und Handlungslöchern, über die man jedoch großzügig hinwegsehen kann.

Ein ganz persönliches Fest für mich war es, Jemaine Clement, meinen Liebling aus der grandiosen Comedy-Serie „Flight of the Conchords“, als Bösewicht Boris zu sehen. Leider wird Jemaines komödiantisches Potential nie vollständig ausgenutzt und er bleibt sträflich unterfordert, sorgt aber trotzdem für eine klasse Performance und einige sehr gute Lacher. Boris als Figur kann jedoch trotz bedrohlicher Züge nicht im Ansatz mit dem herrlich abgedrehten Kakerlaken-Wesen aus Teil 1 mithalten. Michael Stuhlbarg (A serious man) überzeugt als quirliges, aber liebenswertes Alien mit einer besonderen Gabe, der dem Film zudem eine leicht melancholische Note verleiht, die glücklicherweise nie unpassend Überhand nimmt. Schließlich ist Men in Black 3 immer noch eine abgedrehte Alien-Komödie – weit von dem Original entfernt und lange nicht perfekt, aber immerhin deutlich besser als Teil 2. Unterhaltend ist er allemal. Darüber darf man heutzutage in Hollywood froh sein.
DG


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