Offline – Interview mit Jennifer Pankratz von Piranha Bytes

Der Film Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel spielt zum Teil in der realen Welt – zum Teil in der digitalen Welt des fiktiven MMORPGs Schlacht um Utgard. Die Filmeffekte stammen von Piranha Bytes, der Spieleschmiede, die mit Gothic und Risen zwei moderne RPG-Klassiker erfunden hat. Fischpott-Redakteur Fabian hat der Piranha-Game Designerin Jennifer Pankratz ein paar Fragen zum Projekt gestellt. Zum Interview mit Offline-Regisseur Florian Schnell geht es hier.

Die Szenen im Film stammen ja aus eurem Spiel Risen 3 – musstet ihr noch Dinge dazuprogrammieren oder war schon alles ingame vorhanden?

Den größten Anteil an der Umsetzung bei Piranha Bytes hatte unsere Cutscene-Spezialistin Claudia Kien. Für Offline wurde die hauseigene Engine und Assets aus Risen 3 verwendet. Mithilfe unseres Sequenzers, der auch zur Erstellung der Zwischensequenzen des Spiels verwendet wurde, wurden auch die Szenen für Offline erstellt. Diese wurden am Ende des Projekts als Bildsequenz rausgerendert und vom Editor des Films zusammen mit den Aufnahmen aus der realen Welt geschnitten.
Für einige Szenen des Films wurden die Videospielfiguren jedoch einzeln benötigt, damit sie in die Szenen der realen Welt eingefügt werden konnten. Dafür wurde eigens ein Green Screen Studio im Spiel nachgebaut.
Viele der Assets wurden aus Risen 3 übernommen und gewährleisten so einen hohen Wiedererkennungswert. Andere, wie diverse Locations, beispielsweise die Kampfarena am Ende des Films, wurden umgebaut. Für einige der verwendeten Charaktere änderten wir Texturen und ihre Körperzusammenstellung, um eine möglichst große Ähnlichkeit zwischen Schauspieler und Videospielfigur zu erzeugen. Es musste sicher gestellt werden, dass der Zuschauer bei dem Wechsel zwischen Szenen der realen Welt und der Videospielwelt immer den Zusammenhang zwischen ihnen herstellen kann. Für den Troll Gotrax wurde ein Schattenkrieger aus Risen 3 genommen, dessen Skelett-Kopf umgefärbt wurde. Seine Kleidung wurde durch eine menschliche Rüstung ersetzt, die ebenfalls umgefärbt wurde und so einen Bezug zur Schauspielerin Mala Emde herstellt, die sich für den Film die Haare hat blau färben lassen.

Ein Mädchen mit blauen Haaren balanciert über einen Baumstamm im Wald.

Foto: Rat Pack Film/Piranha Bytes

Der Film wird auch als transmediales Projekt bezeichnet – finden wir die Teile der Story von Offline dann auch in anderen Medien weiter? Oder vielleicht als Easter Egg im nächsten Spiel?

Dass wir Offline als transmediales Projekt bezeichnen, bezieht sich vor allem auf die Tatsache, dass es in Deutschland bislang noch nie eine derartige Zusammenarbeit zwischen einer Filmproduktion und einem deutschen Computerspieleentwickler gab. Offline leistet zuzusagen Pionierarbeit in dem Bereich.
Eigentlich sind sich die Film- und Gamingbranche ja gar nicht so unähnlich. Dennoch gibt es bislang nur sehr wenige Schnittmengen, obwohl wir in Sachen Knowhow und Umsetzung sicherlich öfter voneinander profitieren könnten.
Die Idee, Hand in Hand an einem Projekt zu arbeiten und sowohl Techniken als auch Ideen für die Umsetzung miteinander zu teilen, ist eine tolle Sache, die sowohl Florian als auch uns eine Menge gebracht hat.
So haben wir für unser aktuelles Projekt Elex einiges über Regiearbeit gelernt und bleiben auch weiterhin privat in Kontakt.

Wie war der Kontakt zum Regisseur Florian Schnell? Wie ist er zu Piranha Bytes gekommen?

Florian kam mit Benjamin Munz, einem Producer von Ratpack, zu uns und sie erzählten uns von der Idee. Da wir in einer Projektphase steckten, in der wir dieses doch ungewöhnliche Experiment zeitlich stemmen konnten, fanden wir die Idee total spannend und haben spontan ja gesagt.
Florian ist dann häufig bei uns vor Ort gewesen und hat Regiearbeit für die Offline-Computerspielszenen geleistet. Da die Zusammenarbeit sehr entspannt und lustig war, haben wir ihn gleich auf die nächste Party eingeladen und sehen uns seitdem regelmäßig.

Der Holzfäller als Game-Charakterklasse.

Foto: Rat Pack Film/Piranha Bytes

Findet Ihr als Spieleschmiede die Darstellung der Gamer in Offline gut getroffen? Findet Ihr Euch selbst wieder?

Offline macht es einem an vielen Stellen leicht sich darin wiederzuerkennen. Der Hauptcharakter Jan, gespielt von Moritz Jahn, lebt in seinem Computerspiel auf und ist richtig gut darin. Er ist ein Held dort.
Im wahren Leben fällt es ihm sogar schwer normal mit einem Mädchen zu sprechen. Gerade für junge Leute sind die Thematiken, mit denen Offline spielt aktuell und der Film hat im Gegensatz zu den vielen moralischen Fragen, die Computerspiele sonst in den Medien häufig aufwerfen eine schöne Message. So gab es bei diversen Filmfestivals bereits Rückmeldungen von Eltern, die nach dem Film das Gefühl haben, ihre Kinder besser zu verstehen.
Darüber hinaus macht Computerspielen Spaß und man kann auch prima beides, das wahre Leben und sein Hobby, miteinander verbinden. Das machen wir eigentlich seit jeher.
Wir sind in einer Zeit groß geworden, in denen Computerspiele unser Leben bereichert und geprägt haben. Letztlich haben wir unser Hobby sogar zum Beruf gemacht und verdienen nun unser Geld damit.
Und obwohl wir selbst den ganzen Tag an einem Computerspiel arbeiten, zocken wir abends trotzdem gerne noch. Aber wir haben mittlerweile auch Familien und unternehmen auch mal andere Dinge.

Habt Ihr Blut geleckt? Könnt Ihr Euch vorstellen, in Zukunft etwas in Richtung animierte Filme zu machen?

Offline war ein tolles Projekt und die Zusammenarbeit hat sehr viel Spaß gemacht. Unser Projektleiter Björn Pankratz hat sogar eine kleine Gastrolle in dem Film spielen dürfen und wir hatten bei der Produktion viel Spaß.
Daher können wir uns so etwas gut noch einmal vorstellen und vielleicht nehmen sich andere ja ein Beispiel. Also Florian, wenn du einen zweiten Teil planst, sag Bescheid. 🙂

Björn Pankratz von Pinha Bytes als Raidleiter in Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel
Foto: Rat Pack Film/Piranha Bytes

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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.


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