Prometheus

Unter den so sehnsüchtig erwarteten Blockbustern des Jahres 2012 ist Ridley Scotts Prometheus wohl ganz oben auf der Liste – davor rangiert vielleicht nur noch Chris Nolans Batman-Finale The Dark Knight Rises – und … hat sich das Warten gelohnt?

Ein Gastbeitrag von Josephine und Ulf

Wenn einer wie Scott zu seinen Wurzeln (Alien, Blade Runner) zurückkehrt, liegt die Latte hoch und die Ansprüche liegen noch höher. Prometheus wurde nun schon eine ganze Weile als das Alien-Prequel angekündigt, das einige der bisher ungeklärten Fragen beantworten wird: Woher kommen die Aliens? Was oder wer verbirgt sich hinter der Weyland-Corporation? Um nur zwei ganz brennende zu nennen.

Scott liefert dazu einen soliden, actionreichen Plot der vor atemberaubender Kulisse spielt: gedreht wurde in Island und im Studio. H.R. Giger lieferte, wie seinerzeit auch für den ersten Film 1979, das Design der Alien-Welt. Einige Szenen erinnern in der Machart ganz stark an den ersten Alien-Film – wenn etwa die Crew nach dem Aufwachen erstmal Frühstücksflocken futtert und dabei genüsslich in der Kantine Zigaretten geraucht werden. Mir persönlich hat das Gefallen, andere wird’s fadisieren (Anmerkung der Redaktion:  langweilen).

Wenn H. R. Giger sich daran macht, Alptraumwelten zu erschaffen, dann ist man in guten Händen. Wie schon im allerersten Alien-Film sehen wir zuerst die grelle, klinisch saubere, trockene und maschinelle Atmosphäre des Forscherschiffes und dann die dunklen, feuchten, organischen Räume des außerirdischen Schiffes. Giger erschafft unsere Erschaffer, nimmt den menschlichen Körper her und verfremdet ihn so, dass man erst beim zweiten Hinschauen, oder besser gesagt beim Abnehmen des Exo-Skelett-Helms die vertrauten Züge erkennt. Ich wusste es doch schon seit jeher: am allergruseligsten ist immer noch der Mensch selbst.

Wenn also der Schleim spritzt, das Blut fließt und der klassische Grusel/Ekelfaktor aus Alien ausreichend vorhanden ist – kann da noch was schief gehen? Irgendwie schon: der Film wurde in 3D gedreht. Zum Glück ist er in ausgesuchten Kinos auch in 2D zu sehen. Was absolut wichtig ist, denn – da halte ich es mit Kritiker-Ikone Mark Kermode – 3D für die Leinwand ist in etwa so sinnig wie das Nachkolorieren von Schwarzweißfilmen: absolut unnötig und keiner braucht’s.

Andererseits aber: Scott hat einen hervorragenden Ensemble-Cast verpflichtet: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Logan Marshall-Green und Guy Pearce.
Fassbenders Figur behält von Anfang bis Ende ihre Macht über den Zuschauer: Was genau geht da eigentlich vor sich in diesem Androiden-Hirn?

Und um was genau geht’s eigentlich in Prometheus? Um nichts weniger und nichts mehr als den Ursprung menschlichen Lebens oder anders formuliert: Woher kommen wir eigentlich? Und so wird auf den Spuren nach dem Ursprung menschlichen Seins eine Expedition in den weiten Weltraum unternommen. Soviel hat uns der Trailer schon verraten: das wird kein Sonntagsspaziergang.

Das Plakat zum Film Prometheus von Ridley Scott zeigt einen steinernen Menschenkopf im Halbschatten. Von oben fällt ein wenig Licht auf die Statue. Winzig klein steht davor eine Gestalt im Raumanzug, die in einem grellen Lichtblitz fast nur als Silhouette zu erkennen ist.

„Prometheus“-Plakat
© Twentieth Century Fox

Ein schon lange anerkanntes Merkmal guter Science Fiction ist, dass da die großen philosophischen Fragen – Wer sind wir? Wohin gehen wir? Woher kommen wir? – im Kleinen verhandelt werden. Prometheus ist da keine Ausnahme. Die Frage nach dem Ursprung menschlichen Lebens, wird hier mal abgeklärt kaltschnäuzig, dann wieder voller Enthusiasmus gestellt. Weil es aber doch ein Blockbuster ist, fallen die möglichen Antworten manchmal ein bisschen kurz aus. Aber wer will schon in einem Film sitzen, der einem von A bis Z alle Fragen wie in der Schule vorbetet? Wo bliebe denn da der Spaß an der Sache?

Die eine zentrale Frage ist aber vollkommen klar: Wo liegen unsere (menschlichen) Ursprünge? Die Antworten, die da gegeben werden dürften Scientologen wie Kreationisten sehr freuen: denn der Keim des menschlichen Lebens stammt nicht von der Erde. Somit wollen die Forscher an Bord der Prometheus ihre/unsere Schöpfer finden. Die Weyland-Corporation, die das ganze finanziert, hat da schon weniger edle Motive. Da geht es schon mehr darum den Tod auszutricksen.

Da hätte man Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) und Elisabeth Shaw (Noomi Rapace) auf der einen Seite: er atheistischer Forscher, sie religiöse Wissenschaftlerin – Skeptiker und Glaubende. Auf der anderen Seite der Androide David, Sprachrohr von Patriarch Peter Weyland und bis zuletzt ein einziges Rätsel. Er wartet zwar Schiff und Crew während die im Kälteschlaf zum Zielplaneten reist, spioniert aber auch ganz voyeuristisch ihre Träume aus.

Gerade durch diese Figur, er ist ja eine vom Menschen geschaffene künstliche Intelligenz, lässt sich die zentrale Frage des Filmplots sehr schön beantworten: Was, wenn der einzige Grund für die Erschaffung des Menschen die Tatsache war, dass man es konnte? Und während Elisabeth Shaw sich, als für Scott typische starke Heldin, zu dieser Erkenntnis durch-kämpft, durch-ängstigt und durch-schreit, begegnet David derselben mit nicht mehr als einem süffisanten Lächeln und geheimnisvollen Worten an den außerirdischen „Erschaffer“, deren Übersetzung uns Zuschauern leider versagt bleibt. Die „Erschaffer“ haben da nämlich nicht nur mal kurz den Menschen erschaffen, sondern eben auch das Wesen, das ihn gar so genüsslich zur Gebärmaschine degradieren und abschlachten wird. Das Alien lauert auf uns.

Prometheus kann für sich allein stehen, ist aber natürlich auch ein genüsslicher Prolog zur Alien-Filmreihe. Und weil Hollywood schon seit einiger Zeit der „Verführung der Fortsetzung“ erlegen ist, werden auch in diesem Film genügend Brotkrumen für einen weiteren Film ausgestreut. Wäre doch schön, wenn man in einem zweiten Pre-Alien Film einen Blick in die Software von David werfen könnte, oder?

PS: 2. Meinung von Ulf

Als mir vor ein paar Monaten diverse Sci-Fi Nerds aus meinem Freundeskreis von einem geplanten Alien-Prequel berichteten war ich schon ein wenig neugierig. Immerhin geht es im Regelfall schief, wenn Jahre später ein bewährtes Franchise wieder aufleben soll. Ich denke da nur an Gurken wie Predators oder The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning zurück. Andererseits: Ridley Scott persönlich soll das Ding schaukeln und nennt sein (Alien-)-Baby dann auch vielversprechend “Prometheus”. Als dann der erste Trailer rumging kam dann aber doch meine Skepsis zurück: Das kann auch furchtbar langweilig und belanglos werden dachte ich mir. Andererseits: Ridley Scott ist nicht bekannt dafür, langweilige Gurken zu produzieren. Ich mochte seine letzten Filme, von Hannibal über Gladiator zu Königreich der Himmel und American Gangster (ja, sogar Robin Hood!) waren das meiner Meinung nach alles sehr gute Filme. Vor allem die Bildersprache fand ich immer schon beeindruckend. Wenn bei Hannibal zum Beispiel am Ende die Polizeiwagen mit Blaulicht über eine Landstraße fahren, ja, das ist genau die Bildersprache die ich mag. Und als sich dann bei einem Tagesausflug nach Bratislava die Gelegenheit bot, Prometheus fast 2 Monate vor dem deutschen Kinostart und noch dazu im Original und in 2D zu schauen, da kann man ja quasi nicht nein sagen.

Und ich fand: Es hat sich gelohnt. Allein schon die ersten zehn Minuten des Filmes sind richtig stark. Und dann sind wir auch schon im Weltall und es baut sich eine richtig starke und dichte Atmosphäre auf. Zur Handlung will ich jetzt nichts sagen, der Film wirkt am Besten wenn man 1.) Nichts weiß und 2.) die Alien Filme NICHT kurz vorher nochmal Revue passieren liess. Und für mich hat der Film gewirkt. Im letzten Drittel wurde mir auch klar, wozu Noomi Rapace von Ridley Scott als Wunschbesetzung für die Rolle der Elisabeth Shaw genannt wurde. Ich mochte Frau Rapace schon in den Stieg Larsson Verfilmungen und auch hier überzeugt sie wieder. Die Bildersprache ist wieder so richtig wuchtig, der Soundtrack hat mich auch so richtig in seinen Bann gezogen und der Film wurde nach und nach immer dichter und unangenehmer. Am Ende kam ich jedenfalls recht begeistert aus dem Kino.

Wenn man Prometheus dann ein wenig wirken lässt und Teile der Handlung und auch Logik im Film diskutiert fallen einem dann zwar schon einige sehr starke Plotholes auf und auch mit der Logik wird es nicht immer so genau genommen. Manche Charaktere handeln zudem auch nicht immer so schlüssig und scheinen sich nur so oder so zu verhalten, weil es das Drehbuch jetzt vorgibt. Aber hey, das ist mir beim Schauen nicht aufgefallen und mich hat der Film von Anfang bis Ende gefacehuggt und auch nicht mehr losgelassen. Und so soll Kino ja auch funktionieren und Prometheus ist in dieser Hinsicht ein Paradebeispiel. Also Leute, reingehen, jetzt oder im August (Holland könnte Erlösung bringen habe ich gehört). Und nicht online schauen oder runterladen. Es lohnt sich.

 


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