Schrotten!

In der sympathischen Komödie von Max Zähle zieht es einen Großstädter zurück zu seinen provinziellen Wurzeln. Dabei entdeckt er, was die Welt schon längst wusste: Man kann den Mann vom Schrottplatz holen, aber nicht den Schrottplatz aus dem Mann.

Plakat von Schrotten!Jeden Morgen steht Versicherungsmakler Mirko (Lucas Gregorowicz) auf, isst ein Ei mit Toast und fährt zur Arbeit. Schon auf dem Weg klebt ihm das Handy am Ohr und im Büro bleibt kaum Zeit, einen Espresso zwischen die Kundengespräche zu pressen. Leider hat er sich bei seinen Vermittlungen in letzter Zeit gehörig verzockt, als er Kunden mit Teilen seiner Provision als quasi-Prämie zu einem Vertragsabschluss lockte. Jetzt steht er mit 100.000 Euro bei seiner Firma in der Kreide. Ausgerechnet in diesem Moment erfährt Mirko vom Tod seines, ihm entfremdeten, Vaters und wird mehr oder weniger freiwillig auf den familiären Schrottplatz verschleppt. Also an den Ort, dem er vor Jahren den Rücken kehrte und den er bereits lange aus seinem Gedächtnis gestrichen hatte. Als er jedoch hört, dass ein Schrottmogul an Vatters Platz Interesse hat, wittert Mirko seine Chance, aus der finanziellen Klemme zu entfliehen. Allerdings hat er die Rechnung ohne seinen Bruder Letscho (Frederick Lau) und den Rest der Schrottplatzsippe gemacht. Deren ruppige Art schließt der Spießer nicht nur schnell wieder in sein Herz. Die Chaoten haben auch noch ihre ganz eigenen Pläne, um den Schrottplatz vor der Übernahme zu retten und dafür nimmt man es mit der Legalität nicht allzu genau.

Zwei Männer in den Dreißigern, einer mit Anzug und Dreitagebart, der andere in Lederjacke.

Mirko (Lucas Gregorowicz) und Letscho (Frederick Lau)
© Port Au Prince Pictures

Schrotten! ist eine sympathische, harmlose Komödie, die fröhlich Motive aus bekannten Filmen mixt. Ein wenig Underdogstory, gepaart mit Elementen des Heist-Films und bekannten Versatzstücken der Provinzlerkomödie à la Sweet Home Alabama. An vielen Stellen erinnert der Film auch an die regionalen Machwerke eines Peter Thorwarth, in denen die Menschen sich noch dreckig machen und Tacheles gesprochen wird. Eine Liebesgeschichte darf dabei natürlich auch nicht fehlen, wenn sie hier auch deutlich kleiner ausfällt als sonst im Genre üblich.

Max Zähles Werk bietet also nicht viel Neues. Genauer gesagt hat man eigentlich alles schon mal gesehen. Den Anzugträger, der sich erinnert wie schön es ist, selbst mal wieder anzupacken, genauso wie den kleinen Mann, der sich gegen die Großindustriellen zur Wehr setzt. Und dennoch ist der Film irgendwie anders. Denn Schrotten! schafft es trotz der bekannten Elemente erfrischend und unterhaltsam zu sein. Woran das liegt ist schwer zu sagen. Es könnte das feuchtfröhliche Nordland sein oder der Schrottplatz als ungewöhnlicher Schauplatz. Es könnte auch der wirklich gelungene Soundtrack sein. Am wahrscheinlichsten sind es aber wohl die sympathischen Charaktere, die man einfach mögen muss. Dazu kommt, dass Frederick Lau sowieso immer eine Wucht ist und da macht Schrotten! keine Ausnahme!

Wenn man also klaut, dann doch bitte so. Begehrte Edelmetalle sind hier Kupfer und nicht Gold und wenn von den guten alten Zeiten gesprochen wird, meint man den Osten, in dem „…der Schrott noch von den Bäumen hing!“ Außerdem sollten romantische Momente eigentlich immer bei einer gemeinsamen eingelegten Gurke erlebt werden!

Drei Männer sitzen dick eingepackt auf der Veranda. Im Hintergrund ein riesiger Schrottberg.

Schrottplatromantik: Mirko (Lucas Gregorowicz), Letscho (Frederick Lau) und Opa (Michael von Rospatt)
© Port Au Prince Pictures

Der große Wurf ist Schrotten! freilich nicht geworden und den regionalen Kultstatus von vergleichbaren Werken wie Bang Boom Bang wird der Film wohl auch im Norden nicht erreichen. Aber es muss ja auch nicht immer gleich nach dem Auslands-Oscar gegriffen oder eine Gefolgschaft inspiriert werden, damit ein Film eine Daseinsberechtigung hat. Wer nicht immer neue Ideen oder unerwartete Wendungen braucht, der kommt hier in jedem Fall auf seine Kosten. Dafür sorgen das Land, die Musik und vor allem die Leute. Am Ende kann man dann mit den Hauptfiguren erfreut „schrotten“ seufzen.

UPDATE: Schrotten fürs Heimkino

Hört ihr ihn, den Lockruf des Schrottplatzes? Fischpott verlost zwei DVDs zum Film, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von VOLL:KONTAKT. Büro für Onlinekommunikation. Um an der Verlosung teilzunehmen müsst ihr nur die folgende Frage beantworten und bis zum 7.11.2016 eine E-Mail mit dem Betreff „Schrotten“ und der Lösung an info@fischpott.com senden:

Wie hoch sind Max’ Schulden bei seiner Firma?

Das Los entscheidet. Wer gewonnen hat, wird von uns über per Mail benachrichtigt. Eine Schrotten!-DVD geht dann an die Postadresse, die Ihr uns nennt. Der Versand erfolgt nur innerhalb von Deutschland.

Teilnehmen darf, wer volljährig ist. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung des Gewinns ebenso. Weitere Fragen zum Gewinnspiel bitte per Kommentar oder über die Mailadresse im Impressum.

Amazon-Link


Kommentare

Schrotten! — 1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.