Snow White and the Huntsman

Starke Frauen, Schlachtgetümmel, Schneewittchen! Hätte mich Anfang 2012 jemand gefragt, welche von beiden kommenden Schneewittchen-Verfilmungen die visuell ansprechendere sein wird, hätte ich auf Mirror Mirror von Tarsem Singh gesetzt. Weit gefehlt! Snow White and the Huntsman von Rupert Sanders hat tolle Effekte, grandiose Landschaften und hervorragende Kostümierungen. Dass dabei noch die Story stimmt, ist ein erfreulicher Bonus. Denn trotz der schnarchlangweiligen Prämisse, Schneewittchen als düster-epische Fantasygeschichte zu erzählen, unterhält der Film mit der hellhäutigen Prinzessin und dem verlotterten Jägersmann.

Schwarz wie Ebenholz …

ist das Herz der bösen Königin Ravenna. Sie ist die Stiefmutter der Heldin und auch wenn meine ersten Gedanken waren „Ravenna wie die Stadt? Immerhin nicht Wanne-Eickel.“ ergibt ihr Name Sinn: Auf deutsch wurde die Stadt früher „Raben“ genannt. Schwarze Magie und Raben, das passt. Charlize Theron spielt eine Hexe, die dem Land und ihren Untertanen das Leben aussaugt, nachdem sie die Macht im Königreich ergriffen hat. Ihre angedeutete tragische Vorgeschichte verleiht ihr die Charaktertiefe und Glaubwürdigkeit, die eine Bösewichtin heute einfach braucht.

Weiß wie Schnee …

ist Kristen Stewart manchmal in der Titelrolle. Agiert die Theron an der Grenze zum Overacting, kratzt Stewart immer mal wieder an der Underacting-Schwelle. Trotzdem ist sie eine fast ideale Identifikationsfigur, die Stärke und Mut beweist – eine Rolle, die so fast immer Männern vorbehalten ist. Die Filmkritikerin Annalee Newitz geht sogar so weit, Stewart als Keanu Reeves ihrer Generation zu bezeichnen.

Rot wie Blut …

ist das Leben – und das könnte mehr sein in Snow White and the Huntsman. Chris Hemsworth als Huntsman veredelt den Pathos des Films mit einem gebrochenen Charakter, der die nötige ironische Distanz aufbringt. Die rauen Gesellen der Zwergenbande erfüllen eine ähnliche Rolle und hätten auch schon früher im Film auftauchen können. Die Sets des Films sind um so eindrucksvoller, je düsterer sie sind. Das zerfallende Dorf mit zerlumpten, ausgehungerten Bauern wirkt viel lebendiger als eine verwunschene Lichtung mit putzigen CGI-Tieren und Fabelwesen.

Der schönste Fantasy-Film im ganzen Land …

ist Snow White and the Huntsman nicht. Aber der Beste in der ersten Jahreshälfte 2012 locker. Wer viel Pathos, manchmal an der Grenze zum Kitsch, aushalten kann und ordentliche Fantasy mit starken weiblichen Charakteren und bildgewaltigen Szenen sehen will, ist gut bedient. Bei einigen fiesen Holperern in Plot und Drehbuch müssen die Besucher allerdings schon beide Augen zudrücken. Cineasten können sich bei dem Film einen Riesenspaß machen und die Anleihen an anderen Genre-Filmen zählen. Beim Kinobesuch zu zweit sind wir locker auf 40 gekommen.


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