Soundgarden Live in Berlin

Am 31.05.2012 in der Berliner Zitadelle

Seit 2010 ist die Band Soundgarden wieder zusammen. Eines der Urgesteine der Seattle-Szene hatte sich 1997 aufgelöst und damit das Ende der Grunge-Ära endgültig besiegelt. Selbst rockaffine Leser mögen nun überrascht sein, denn die Wiedervereinigung wurde alles andere als weit beworben. Bis auf einige Live-Auftritte, vor allem in den USA, und einem Best-of-Album ist die Truppe um Frontmann Chris Cornell – unter anderem auch bekannt durch Audioslave und als Sänger des Bond Titelsongs „You know my name“ – nicht weiter in Erscheinung getreten. Nun gaben sie sich aber für das deutschlandweit einzige Konzert die Ehre, dem zumindest noch einige Festival-Auftritte folgen. Bei all dem verwundert es nicht, dass es bei der Ankunft in der Zitadelle Spandau, nicht unbedingt eine der größten Locations der Hauptstadt, noch Karten an der Abendkasse gab.

Egal, schließlich kam man ja um eine Band zu sehen und nicht um sich Zuschauermassen anzuschauen. Die Zitadelle selbst liefert einen netten Background und bietet mit ihrem einigermaßen weitläufigen Gelände, auf dem auch Getränke- und Fressbuden Platz finden, sogar ein bisschen sowas wie Festivalfeeling. Die Größe führt einem aber gleich wieder vor Augen, dass Soundgarden nicht mehr der Top-Act sind, der sie noch Mitte der 90er waren. Dazu kommt, dass man mit Ende Zwanzig bereits zum jüngeren Teil des Publikums zählt und die Meisten die Band noch aus ihrer aktiven Zeit kennen.

Eine positive Randnotiz ist in dieser Hinsicht, dass es wohl kaum ein Konzert gab, bei dem höflicher miteinander umgesprungen wurde. Bei jedem Rempler, und die ließen sich auch in einer nicht ausverkauften Zitadelle kaum vermeiden, wurde sich höflich entschuldigt und allgemein schien es allen wichtig zu sein, sich einfach nur zu amüsieren. Da konnte auch das saumäßige Wetter in der Open-Air Anlage die Stimmung nicht trüben. Das mag vielleicht nicht mehr Rock’n’Roll sein, in gewisser Weise angenehm war es trotzdem.

Zurück in Goldenen Grunge-Zeiten

Mit allgemein positiven Gemüt begann nun also die Vorband „The Gaslight Anthem“ und gleich wurde man angenehm überrascht. Generell ist die Arbeit einer Vorband eine schwierige und oftmals undankbare Angelegenheit. Meistens werden sie nur als Hindernis auf dem Weg zum Hauptact gesehen. Das war hier sicher auch nicht viel anders, aber zumindest lässt sich wohl das größte Kompliment für eine Vorband anwenden: Man würde sie sich auch mal alleine live ansehen.

Dennoch war natürlich jeder froh, als sich endlich Soundgarden auf die Bühne begab und sofort loslegten. Einen kleinen Wermutstropfen gab es bei der Ankündigung, dass wegen der Nachbarschaft die Lautstärke nicht ganz aufgedreht wird, aber das ließ sich durch entsprechende Nähe zur Boxen-Batterie schnell wieder ausgleichen. Danach ließ die Band kaum Wünsche offen. Alle Klassiker wie „Jesus Christ Pose“, „Rusty Cage“, „Spoonman“ und „Pretty Noose“ kamen in einer tadellosen Qualität. Die Herren mögen lange nicht zusammen gespielt haben, aber keiner von ihnen hat sein Handwerk verlernt. Kein Wunder natürlich, wenn Matt Cameron an den Drums von „Pearl Jam“ kräftig im Training blieb und Chris Cornell mal mehr, mal weniger glücklich, konstanten musikalischen Output generierte.

Gerade die unverwechselbare Stimme des Frontmans verriet, im Übrigen genauso wie sein Aussehen, in keinster Weise sein fortgeschrittenes Alter. Spätestens bei „Black Hole Sun“ begann dann auch der Letzte im Publikum das schlechte Wetter schlichtweg zu ignorieren und genoss die musikalische Zeitreise in die goldene Zeit des Grunge, obwohl tatsächlich auch neues Material gespielt wurde. Die neuen Titel konnten dabei allesamt überzeugen und machen Lust auf eine neue Platte der Combo.

Hell yeah

Als einziges muss bemängelt werden, dass man der Band die lange Trennung anmerkte. So richtig konnte sich noch kein Wir-Gefühl, wie es bei Pearl-Jam-Konzerten so präsent ist, unter den Bandmitgliedern einstellen. Für die gesamte Dauer des Konzerts blieb jeder für sich. Außerdem kann man die knapp 100 Minuten Spielzeit, inklusive nur einer Zugabe, zwar nicht als zu wenig aber auch nicht als besonders viel bezeichnen.

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Lohnte es sich also 50€ für eine Band auszugeben, die gerade dabei ist an alte Zeiten anzuknüpfen? Die Antwort kann nur aus voller Inbrunst heißen: HELL YEAH! Zuerst mal, weil sich der Ticketpreis – traurigerweise – auf heutzutage normalem Preisniveau bewegt. Außerdem haben es die alten Herren immer noch voll drauf und das mitzuerleben lohnt sich!

Noch in diesem Jahr soll ein neues Album auf dem Markt kommen und mit „Live to Rise“ ist auch schon eine vielversprechende Single auf dem Soundtrack zum Film „The Avengers“ veröffentlicht worden. Da kann man vermuten, dass sich 2013 auch wieder eine Tour anschließt, die diesmal möglicherweise auch etwas flächendeckender ausfällt und besser beworben wird. Vielleicht wird dann auch eine neue Generation von Fans auf Soundgarden aufmerksam … dann könnten auch Konzerte in größeren Hallen wieder ausverkauft sein.
TG


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