Synchronicity

Wenig Geld, trotzdem Kult. In den Untiefen der zigtausend Direct-to-DVD Filme muss man oft tief wühlen, bis man auf echte Perlen stößt. Dabei finden sich oft gerade im Low-Budget-Bereich die vielleicht kreativsten und interessantesten Filme. Ist der 2015 erschienene Synchronicity einer davon?

David: Jetzt fang hier aber bloß nicht an, irgendwas gegen Michael fucking Ironside zu sagen. Ich warne dich, Mauruschat, nichts gegen Ironside!

The Bossman: Oh. Vielleicht sollte ich das nicht schreiben, aber: Ich konnte Ironside noch nie leiden. 😛

David: Ach, Fabian, das zwischen uns hätte so schön werden können…

Das obere Gespräch, mal als kurzen Kontext, führte ich im November vergangenen Jahres mit unser aller geschätztem Fischpott-Obermufti unter der Review zu Turbo Kid. Bis heute kann ich Cheffe da nicht nachvollziehen. Immerhin reden wir hier von Schauspiellegende Michael Ironside, hallo, Total Recall, Starship Troopers, The Machinist, Highlander 2 (okay, ungünstiges Beispiel)… Ironside is a man’s man, die Art Typ, die aus solider Birke geschnitzt sind, deren Stimmen in Suboktaven grummeln, die wir bis dahin nie für möglich gehalten haben. Selbst der größte Rotzfilm (ähm … Highlander 2, zum Beispiel) wird durch Ironsides ruhige Badass-Attitüde aufgewertet.

What a waste of a perfectly good Ironside

synchronicityDummerweise gibt es dann Filme wie Synchronicity, die nicht mal mehr ein Ironside retten kann. Gut, der Film ist ein Low Budget- Direct to DVD-Streifen, aber das muss ja erstmal nix heißen – war Turbo Kid ja auch und egal was euch gewisse Mauruschanten auf dieser Seite so erzählen wollen, der Film war klasse. Und auch die Zeichen für Synchronicity standen im Vorfeld ziemlich gut: Angepriesen als Mischung aus Cyberpunk und Sci-Fi-Noir, begeitet von einem „mitreißenden Retro-Future Soundtrack“, so die DVD-Box. Und der Autor/Regisseur in Personalunion ist Jacob Gentry, einer der drei Regisseure des innovativen und durchaus empfehlenswerten Horror-Thrillers The Signal Und dann noch Michael Ironside, der einen Typen mit dem Namen Klaus Meisner spielt. Klaus Meisner! Was soll da noch schiefgehen?

Der Physiker Jim Beale (Chad McKnight) und sein Team haben ein Ziel: Sie wollen ein Wurmloch erzeugen, das es ihnen ermöglicht, durch die Zeit zu reisen. Bei einem ersten Testlauf unter den wachsamen Augen von Investor Klaus Meisner (Michael Ironside) scheint alles schiefzugehen. Doch entdeckt Jim kurz darauf eine mysteriöse Blume, die aus der Zukunft zu stammen scheint. Gleichzeitig tritt die Femme Fatale Abby (Brianne Davis) auf den Plan, die ebenfalls im Besitz einer solchen Blume ist. Jim ist misstrauisch: Hat sich Abby mit Meisner zusammengetan, um seine Erfindung zu missbrauchen? Für ihn gibt es nur eine Lösung: Er steigt selbst in das Wurmloch und reist durch die Zeit … mit fatalen Konsequenzen.

Satz mit X …

Synchronicity ist ein sehr blauer Film. Das ist jetzt kein schlecht versteckter Kommentar über den vermutlichen Zustand der Filmcrew; beinahe jede Szene in diesem 101-Minüter sind überaus blaustichig – wohl um den futuristischen Charakter des Filmes und der Handlung zu unterstreichen. Das sieht dann auch gar nicht mal so unschick aus, doch auf Dauer wirkt dieser visuelle Dauerfilter genauso wie der uninspirierte Synth-Soundtrack und die hölzernen Monologe eben sehr monoton und ermüdend.

Gut, bei diesem Film handelt es sich um einen Zeitreise-Plot, vorab kann man also grundsätzlich von zwei Dingen ausgehen: Am Ende wartet mindestens ein im Bestfall überraschender, im schlimmsten Fall „überraschender“ Twist auf uns – und die Handlung wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht allzu viel Sinn ergeben. Das ist nur natürlich und nicht allzu schlimm – wenn der Film nicht grade Primer heißt und nur mit erklärendem Diagramm verstanden werden kann, stößt man in einem Zeitreise-Plot eben zwangsläufig früher oder später auf diverse Paradoxons. Diese aufzuschlüsseln war nie meine größte Stärke (es gab immerhin mal eine Phase meines Lebens, da fand ich sogar die Ashton Kutcher-Gurke The Butterfly Effect gut), insofern ist das nicht der Aspekt, der Synchronicity das Genick bricht.

Man nehme zwei Liter Klischee

Nein, es sind die vollkommen uninteressanten Charaktere, die klischeebeladene Handlung und die unsäglichen Dialoge, die Synchronicity so verdammt vergessbar machen. Im Gegensatz zu Jacob Gentrys Vorgängerfilm The Signal gibt es hier nicht eine sonderlich charismatische oder in irgendeiner Form interessante Figur. Jeder ist nur da, um relativ emotionslos die nächsten Plot Points zu erklären oder auf irgendetwas zu reagieren. Und bei allen (recht vorhersehbaren) Twists und Haken, die die Handlung schlagen will, kommt nie wirklich Spannung auf, weil die Probleme unseres Protagonisten nie wirklich handfest werden. Stattdessen muss uns permanent erzählt werden, dass er verzweifelt ist.

Chad McKnight scheint kein allzu schlechter Schauspieler zu sein, aber er bekommt nie die Gelegenheit, seinem Charakter irgendeine Farbe zu geben. Stattdessen darf er sich durch grauenhafte Dialogzeilen wie diese quälen:

„So, this is the way it’s gonna be.“
„It’s he way it has to be.“
„The way it is.“

Auch Michael Ironside schlafwandelt sich durch seine wenigen Szenen und am Ende hätte man statt seines Charakters auch einfach eine leere Pulle Waschmittel ins Bild hätte setzen können, es hätte keinen Unterschied gemacht.

Gute Zeitreise-Filme sind möglich

Klar, Synchronicity ist ein Low-Budget-Film und das merkt man auch. Aber das muss ja nicht automatisch schlecht sein. Tatsächlich sind vor knapp einem Jahr zwei ganz ähnlicher Low-Budget-Filme herausgekommen, die sich deutlich spannender und interessanter mit der Zeitreise-Thematik auseinandersetzen: Predestination mit Ethan Hawke und Coherence. Der Markt für innovative Low-Budget-Science Fiction Filme ist da und das Konzept für Synchronicity ist ja auch nun mal echt nicht uninteressant. Aber im Vergleich zu seinen Vorbildern weiß dieser Film der Thematik nichts neues oder kreatives abzugewinnen.

Synchronicity ist weit davon entfernt, kriminell schlecht zu sein. Aber in seiner lieb- und freudlosen, unkreativen Umsetzung erinnert er eher an die letztjährige SciFi-Horror-Gurke Infini als an den deutlich spannenderen und innovativeren Predestination. Und wenn nicht einmal mehr Michael Ironside deinen Film aufwerten kann, dann ist sowieso nicht mehr viel zu retten. Und in einem Jahr wird Synchronicity nicht in der Liste geheimer Kultfilme eingehen, sondern allenfalls in die Grabbelkiste bei Saturn. Schade drum.

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