The Finest Hours

Wenn auf dem Cover direkt das Disney-Logo und der Satz „Basierend auf einer wahren Geschichte“ hervorstechen hat man schon eine kleine Vorahnung, wohin die Reise gehen wird. Vorurteil: Es wird dramatisch, aber nicht zu sehr, es gibt eine Liebesgeschichte (am besten noch kombiniert mit Schwangerschaft), Helden, die ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben sich regelrecht aufopfern, diese spezielle schwere Musik (gern mit Blechbläsern unterlegt) und dann natürlich ein Happy End. Wenn es um ein Schiff geht auch noch eine illustre Crew aus, ja sagen wir mal, Typen.

Ein Gastbeitrag von Ulf.

das cover von the finest hours zeigt männer beim besteigen eines rettungsbootes im sturmThe Finest Hours geht in genau diese Richtung. Einige unserer Vorurteile haben sich zwar nicht bestätigt (keine Schwangerschaft, auch kein extremer Klischee-Russe mit Wollmütze in der Crew), aber einige dann doch. Warum der Film dennoch ganz gut war, versuche ich im Review zu klären. Was uns beim Schauen erstmal überrascht hat, war, dass der Film in den 1950er Jahren, genauer gesagt im Februar 1952, spielt. Das war uns nach den Trailern so nicht bewusst und beeinflusst die ganze Dramatik ja doch entscheidend (ein verlorener Kompass auf See ist halt nicht einfach via App auf dem Smartphone zu ersetzen, GPS gab es auch noch nicht und so weiter). Aber mal von Anfang an. The Final Hours ist die Geschichte von Bernie Webber (Chris Pine), der an der Ostküste New Englands in der Küstenwache tätig ist. Als ein extremer Sturm das Cape God mit voller Wucht trifft, geraten direkt zwei Öltanker in Seenot und werden dabei durch die Wucht der Wellen halbiert. Einer dieser Öltanker ist die SS Peddleton. Auf diesem versuchen die Männer um den überlebenden ranghöchsten Offizier Ray Sybert (Casey Affleck) mit einem gewagten Manöver ihre Überlebenschancen signifikant zu erhöhen (von 0% auf 1% quasi).

Aber zuerst müssen wir natürlich Zeuge werden, wie Bernie seine große Liebe Miriam (Holliday Grainger) kennenlernt. Bernie ist dabei wirklich sehr schüchtern, so dass Miriam ihm quasi den Heiratsantrag macht und im Laufe des Films auch Bernies Boss Daniel Cluff (Eric Bana) um die Erlaubnis, ihn zu heiraten, bittet (was nur eine Formalie ist, also völlig unnötig, aber Bernie steht halt auf Regeln und Vorschriften). Egal, es gibt also eine Liebesgeschichte und somit Miriam als Gegenpol zu den Ereignissen auf See, quasi die geerdete Seite des Films. Nachdem die Situation auf der SS Peddleton quasi ausweglos scheint, schickt Daniel Cluff Bernie und drei weitere Männer los, nach dem Schiff zu schauen, was einem Selbstmordkommando gleichkommt. Parallel wird immer wieder ein Vorfall vor einigen Jahren erwähnt, bei dem Bernie es nicht geschafft hat, ein Schiff beziehungsweise dessen Insassen zu retten und auch dieser Vorfall wird in die Haupthandlung eingewoben. Ist halt bei solchen Filmen immer so: Man muss doch ein wenig warten, bis es endlich zum Knall kommt und wir den ganzen Männern beim Überleben zuschauen dürfen. Immerhin, Casey Afflecks Bruder Ben hat in Pearl Harbour glaube ich deutlich länger warten müssen, bis es endlich knallt.

Der Film ist dabei durchweg spannend und intensiv inszeniert. Auf der SS Pendleton gibt es natürlich diverse Dramen, so will ein Teil der Crew die Rettungsboote benutzen (blöde Idee, da diese durch den Sturm direkt am Schiff zerschellen würden) und nur durch die besonnene und eher ruhig-analytische Art von Ray Sybert gelingt es den Seeleuten, durch Zusammenhalt und Überlebenswillen ihren extrem gewagten Plan umzusetzen. Derweil ist Bernie mit seinen drei Freiwilligen ebenfalls mitten im Sturm und versucht, inzwischen ohne Kompass, da der über Bord ging, das Unmögliche möglich zu machen. Haupthindernis auf seiner Mission ist dabei das sogenannte „Bar“, kurz für Barriere – eine Art Sandbarriere, welche den Wellengang an der Küste beruhigen soll und deshalb dafür sorgt, dass direkt an der Bar die Wellen extrem hoch und gefährlich sind, vor allem bei Sturm. Und genau darüber müssen Bernie und seine Crew in dem durchaus als Nussschale durchgehenden Rettungsboot drüber.

Der eigentliche Hauptdarsteller ist dabei sicherlich der Sturm selbst. Was hier an Wellen, Wind, ja, Naturgewalten aufgefahren wird ist schon faszinierend, dazu kommt der wirklich sehr wuchtig und räumlich abgemischte Sound in DTS-HD 7.1 (passende Anlage vorausgesetzt). Da ist es schon klar, dass der Film schon irgendwie gut ausgehen wird (und das auch tut), darum geht es hier wahrscheinlich auch gar nicht. In der Crew auf der SS Peddleton spielen übrigens auch noch bekannte Gesichter wie Graham McTavish (u.a. Der Hobbit und – wusste ich gar nicht – diverse Videospiele) und John Ortiz (den ich mal als typischen „New Yorker“ titulieren würde, hab den gefühlt schon oft mit Trenchcoat und Starbucks-Becher in Filmen gesehen) sowie Abraham Benrubi (ein Aufschrei von der Couch: „Das ist doch Kubiac aus Parker Lewis, wie cool!“) mit.

Komme ich mal zum Schluss: The Fines Hours ist unterhaltsames Katastrophen-Überlebenskino mit einigen fürs Genre typischen Zutaten, die Schauspieler passen gut zu ihren Rollen und technisch ist der Film 1a. Spannung kommt nicht immer auf, dafür ist es sehr mitten-drin-statt-nur-dabei und weiß zu unterhalten. Der Anfang ist etwas langgezogen, aber das passt schon. Demnächst kommt übrigens mit Deepwater Horizon ein durchaus ähnlich thematisierter Film mit Mark Wahlberg in die Kinos (statt Schiff dort Ölplattform), der von den ersten Trailern nochmal eine ganze Ecke krasser und intensiver rüberkommt (und auch auf wahren Ereignissen basiert, logo) und auf den ich mich auch schon sehr freue. Wer also darauf ein wenig vorglühen will kann sich sehr gut The Finest Hours reinziehen.

Geschaut haben wir die Blu-Ray wie immer auf Englisch, es gibt englische Untertitel für Hörgeschädigte (die sich mit Lautbeschreibungen sehr zurückhalten), Bild und vor allem Ton sind sehr gut. Uns wurde ein Testmuster zur Verfügung gestellt.

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