The Girl with All the Gifts

Spiel nicht mit den Zombiekindern

The Girl with All the Gifts ist mehr als ein britisch-US-amerikanischer Zombiefilm: Die Literaturverfilmung ist gleichzeitig eine Neuerzählung des Mythos der Pandora. Fabian und Ulf haben den Film gesehen.

Melanie (Sennia Nanua) ist ein begabtes Mädchen. Sie kennt das Periodensystem der Elemente auswendig und liebt ihre Lehrerin Helen Justineau (Gemma Arterton) über alles. Jeden Morgen werden Melanie und ihre Klassenkameraden in ihren Zellen von Soldaten geweckt, unter vorgehaltenen Waffen in Rollstühlen fixiert und in den Klassenraum gefahren. Ganz klar: Mit diesen Kindern stimmt etwas nicht. Es dauert auch nicht lange, bis das Publikum erfährt, was genau mit diesen Kindern hier nicht stimmt. Sie sind von einem Pilz befallen, der, ähnlich wie im Videospiel The Last of Us, eine zombiefizierende Wirkung hat.1 Riechen die Kinder Menschenfleisch, ergreift ein kannibalischer Hunger von ihnen Besitz. Justinaeu und die anderen Menschen in der Militärbasis Hotel Echo tragen ein Blockergel auf ihre Haut auf, um den Hunger der Kinder nicht zu wecken.

Ein Mädchen in einem roten Overall mit blutverschmiertem Mund.

Melanie (Sennia Nanua)
© SquareOne/Universum

Day of the Fungal Dead

Justinaeu ist die einzige Person in Hotel Echo, die die Kinder wie Menschen behandelt und ihnen auch schon einmal griechische Mythen vorliest, wenn es der Stundenplan erlaubt. Dagegen sind die infizierten Kinder für die leitende Wissenschaftlerin Caroline Caldwell (Glenn Close) nur Rohmaterial für einen Impfstoff, für den Offizier Eddie Parks (Paddy Considine) sind sie Monster. Relativ bald wird auch klar, was sich in der Welt außerhalb von Hotel Echo abspielt. Die mit dem Pilz infizierten Erwachsenen haben sich in Zombies verwandelt. Stilecht benutzen die Überlebenden keineswegs das Z-Wort sondern nennen sie Hungries. Die Hungries überrennen Hotel Echo, Justinaeu, Caldwell, Parks und ein paar Soldaten können mit Melanie entkommen.

Nach den genre-typischen Verlusten – bei denen Regisseur Colm McCarthy trotzdem das kleine Kunststück schafft, dass sie einem zu Herzen gehen – schafft es die kleine Gruppe, sich in das teilweise von der Natur zurückeroberte London durchzuschlagen. Während Caldwell immer noch einen Impfstoff aus Melanie gewinnen möchte und Parks das Militärhauptquartier erreichen will, sieht die hochbegabte Melanie eine Alternative.

Szene aus the girl with all the gifts: Bewaffnete Menschen bewegen sich durch von Pflanzen überwucherte Straßen.

Die Überlebenden haben sich nach London durchgeschlagen.
© SquareOne/Universum

Hurrah, die Welt geht unter

The Girl with All the Gifts ist endlich mal wieder ein origineller und cleverer Zombiefilm. Im Gegensatz zur schwarzen Komödie Cooties mit Elijah Wood nimmt der Film das Topos „Zombie-Kinder“ ernst und macht einen hochspannenden Survivaltrailer mit apokalyptisch-utopischen Tönen daraus. Aus der tief im Klischee verankerten Konstellation Zombies-Wissenschaft-Militär holen McCarthy und Autor M. R. Carey mit der Fragestellung „Was ist menschlich?“ und dem Hinzufügen der Komponente Pädagogik jede Menge heraus.

Auch die äußeren Werte stimmen. Die Aufnahmen verlassener, überwucherter Straßenzüge, die stellenweise in der Geisterstadt Prypjat bei Tschernobyl entstanden sind, überzeugen. Auch die Hauptdarstellerin Sennia Nanua spielt ihre Rolle als hochbegabtes Mädchen mit Zombie-Schüben richtig gut. Nur manchmal wirken einzelne Szenen wie eine TV-Produktion, was wohl einfach dem Budget zuzurechnen ist. Davon abgesehen: The Girl with All the Gifts ist wirklich sehenswert.

2. Meinung von Ulf

Auch mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen. Das Buch Die Berufene wurde mir schon mehrfach empfohlen und nachdem ich mit einer Leserin ebenjenem den Inhalt des Films durchgesprochen habe kann ich einigermaßen sicher sagen: Der Film wird dem Buch durchaus gerecht. Ein sehr direktes Dawn of the Dead-Zitat gibt es auch noch (Ihr wisst schon, die Szene, die auch schon in Shaun of the Dead herhalten musste, Stichwort: „Get his head up!“), das ganze Setting ist superklasse umgesetzt und Sennia Nanua eine mehr als nur überzeugende Hauptdarstellerin. Nur das CGI-Blut hat mir nicht gefallen, da hätte ich mir eher weniger, dafür eher handgemachte Effekte gewünscht. Zumal wir beim Gucken kurz dachten: Die werden in so 10 Jahren sicher besser. Nur: Das sagen wir doch schon seit mehr als 10 Jahren und … nein, werden sie nicht.

Dafür ist die deutsche Veröffentlichung uncut, es gibt deutschen und englischen Ton (wir haben Original-Englisch geschaut) und bei den Extras ist eine ganz sehenswerte Making-of-Featurette dabei. Zombiefans werden den Film inzwischen eh gesehen haben, der Rest kann auch gern mal reinschauen.

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  1. Und angelehnt ist an Ophiocordyceps unilateralis, den berüchtigten Ameisen-Zombie-Pilz.

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