The War Is Not Funny, Sir! (The Wipers Times, UK 2013)

Wir schießen auch mit Worten

warisnotfunnysir

Ein Gastbeitrag von Ulf.

The War Is Not Funny, Sir! Da ist mal was dran, Krieg ist nicht lustig, soso. Was natürlich nicht heißt, dass man sich über Krieg nicht lustig machen darf. Das dachte sich jedenfalls Captain Fred Roberts (Ben Chaplin) Anfang 1916, als er mit seiner Einheit in der zerbombten belgischen Stadt Ypres (unter Deutschen auch als Ypern bekannt) eine intakte Druckerpresse, Typ Arab, findet. Also beschließt man kurzerhand, die Gelegenheit zu nutzen, eine satirische Zeitung für britische Soldaten an der Front herauszugeben. Und da die Briten das Wort „Ypres“ quasi wie „Wipers“ aussprechen, hat man auch direkt einen Titel für das Blatt.

Unterstützung findet Roberts da unter anderem von Lieutnant Jack Pearson (Julian Rindt-Tutt) und so wird die Wipers Times zu einer zwar unregelmäßig erscheinenden, aber doch beständigen Institution für einen Teil der britischen Armee, sehr zum Missfallen des Generalstabes, der natürlich vorrangig die sarkastisch-bittere Breitseite der Schreiber abbekommt. So kommt es dann auch ziemlich am Anfang des Filmes vor, dass ein Offizier bei bei General Mitfort (Michael Palin) antanzt und sich über den Verfall der Sitten innerhalb der untergebenen Soldaten aufregt und dies mit dem Satz „The war is not funny, Sir!“ unterstreicht. Sieht der General allerdings ein wenig anders und so darf das Blatt bis zum Ende des Krieges mehr oder weniger ungestört weitererscheinen.

Ein älterer Mann mit Schnurrbart und pomadiertem Haar in einer Militäruniform sitzt an einem Tisch. Er hebt ein Whiskyglas.

Michael Palin als General Mitfort

Der Film erzählt dabei abwechselnd in realistischen Bildern und in überzogenen sketchartigen Passagen die wahre Geschichte der Wipers Time nach. Gerade die Sketche haben mir dabei recht gut gefallen, sind es doch teilweise echt bitterböse Abhandlungen wie die fiktive Werbung für ein Taxiunternehmen, welches Soldaten von der Front weg befördert – erkennbar am Roten Kreuz an der Fahrzeugseite oder einer besonderen Drahtschere mit eingebautem Regenschirm. Auch die Eröffnung einer provisorischen Kneipe wird kurzerhand als „Thirst Aid“ tituliert. Allerdings – und das ist schon ein Problem – besteht der Film aus unzähligen zotigen Wortspielen und Witzen, denen wir abhängig von der Laufzeit des Films immer schwerer folgen konnten. Erschwerend hinzu kamen die ausschließlich auf Deutsch vorhandenen Untertitel, welche die Wortwitze gleich mit übersetzt haben. Die Schauspieler machen dabei nichts falsch, ja, sie brillieren in ihren Rollen sogar. Julian Rindt-Tutt kenne ich noch aus Green Wing (tolle Serie!), Ben Chaplin hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm, sollte ich mal ändern und Michael Palin, ja, ist halt Michael Palin und das hier auch nur in sehr wenigen, kurzen Auftritten (und dennoch riesig auf dem Cover).

Mehrere englische Soldaten des ersten Weltkrieges laufen geduckt durch gegnerisches Feuer.

So bleibt ein wie ich finde schwer verdaulicher Film, der zwar gut gespielt, aber eben auch sehr anstrengend zu schauen ist. Dies mag bei der Zielgruppe vielleicht noch funktionieren, aber der typische deutsche Filmgucker – der den Film als Monty Python-artige Kriegskomödie und natürlich in der synchronisierten Fassung schauen wird – wird hier kaum Verständnis für diese Art von Humor aufbringen. Aber kommen wir doch mal auf das Thema Zielgruppe zu sprechen: Ich persönlich sehe mich durchaus in dieser Zielgruppe. Ich mag britische Comedy-Serien und -filme und das auch durchaus jenseits des Mainstreams. Als Mainstream würde ich hier mal die üblichen Verdächtigen titulieren: Shaun Of The Dead, Black Books, The Office, The IT-Crowd oder Spaced. Und jenseits vom Mainstream dann halt Sachen wie Jam!, Hunderby, Attack The Block oder Toast Of London und Mighty Boosh. Also grundsätzlich eher spezielle Kost aus dem Vereinigten Königreichs. Wer sich da einigermaßen wiederfindet, kann auch The Wipers Times eine Chance geben. Auch wer auf eher anspruchsvolle Filme mit altmodischem Touch und vor allem komplexen Dialogen steht und mit einem gewissen Kunstfilm-Anspruch keine Probleme hat, kann ja mal reinschauen. Alle anderen bleiben diesmal besser draußen.

Wir haben freundlicherweise ein Testmuster der deutschen DVD erhalten. Sprachen sind Deutsch und Englisch, Untertitel leider nur Deutsch. Bild und Ton sind sehr gut, mit an Bord sind auch noch gut 40 Minuten Bonusmaterial, das ich nach dem Film allerdings nicht mehr gesichtet habe.

Amazon-Links


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.