The Young Pope

Für gewisse Berufe ist ein etwas gesetzteres Alter klar von Vorteil. Beispielsweise bei Politikern, Regisseuren oder auch Päpsten.
Was wäre aber, wenn der Oberhaupt der katholischen Kirche mal nicht schon auf Sichtweite des Licht am Ende des Tunnels wäre?
Genau das ist die Prämisse, die der italienische Filmemacher Paolo Sorrentino für seine erste internationale Fernsehserie gewählt hat.

The pope smokes dope

Der neue Papst – Lenny Bellardo – ist jung, gutaussehend und Kettenraucher, außerdem stammt er aus Amerika. Als Pius XIII nimmt er zu Beginn der Serie die Zügel des Vatikans in seine Hände und so richtig weiß niemand, wie und warum ausgerechnet er jetzt der Chefkoch in der Küche des katholischen Glaubens geworden ist.
Wer jetzt denkt, dass The Young Pope eine Serie darüber ist, wie eine junger, dynamischer Papst die Kirche umkrempelt und ein Stück weit liberaler macht, befindet sich auf dem Holzweg. Zwar bringt Papst Pius XIII frischen Wind in die verkrusteten Strukturen des Vatikans, aber oft weht dieser Wind aus einer anderen Richtung als erwartet.
Jude Law verkörpert Pius XIII nicht als Feelgood-Papst, sondern als zerrissenen und zweifelnden Charakter, der manchmal warmherzig und zu Wundern aufgelegt ist, manchmal kaltherzig und berechnend wirkt.
Dabei bewegt er sich in einer Geschichte irgendwo zwischen augenzwinkernden Humor und Intrigen, wie man sie aus House of Cards kennt. Der Vergleich liegt auf der Hand, denn obwohl Lenny Bellardo nicht ganz so gewissenlos rüber kommt wie Frank Underwood leben beiden Serie von einem Charakter, dem man trotz seiner Unzulänglichkeiten auf seltsam falsche Art ins Herz schließt.
Natürlich ist The Young Pope keine One-Man-Show des brillant aufspielenden Jude Law, denn auch der Rest des Casts, allen voran Diane Keaton und der wundervoll bewarzte Silvio Orlando können auf ganzer Linie überzeugen.

Jude Law und Diane Keaton in The Young Pope.

Den Papst in der Tasche

The Young Pope ist keine schnelle Serie mit schnellen Schnitten und schnellen Dialogen.
Die Geschichte nimmt nur langsam ihren Lauf und Sorrentino verweilt auch gerne einen Augenblick, um mit Hilfe der Kamera Gemälde zu zaubern, die gleichsam atemberaubend wie fesselnd sind.
Die ganze Optik und die Ästhetik der Serie sind ein Genuss und die Kostüme, die Landschaften, die Gebäude, all das wird vom Regisseur dermaßen schön in Szene gesetzt, dass der falsche Vatikan (im echten durfte natürlich nicht gedreht werden) im Laufe der Staffel seine eigene, irgendwie klaustrophobische Magie entwickelt.

Ein Papst für jeden?

Die Serie ist ein wenig wie ihr Protagonist, faszinierend aber schwer zu greifen und ich kann mir durchaus vorstellen, dass mancher sie zu langatmig finden wird. Wenn man sich aber ein wenig auf den jungen Papst einlässt und Geduld beweist, wird man mit einem ästhetisch hochwertigen und spannenden Sehvergnügen belohnt, das nach und nach seinen Charme und seinen satirischen Witz entfaltet. Ich für meinen Teil möchte jetzt gerne wissen, wie es mit Lenny weitergeht.
Darauf erst mal eine Kippe.

Der Papst spielt Billard und raucht dabei; Szene aus The Young Pope

Fischpott Disclaimer: Wir haben von der Polyband Medien GmbH ein Rezensionsexemplar erhalten.


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