TV-Serie Beowulf

aus der Rubrik: Judith Vogt verreißt Wikinger-Filme/-Serien.

Ist ja schon gut. Ich gebe mich geschlagen. Ich werde einfach aufhören, mich freiwillig für Wikinger-Rezensionen zu melden. Meine Frühmittelalterzeit ist vorbei.

HBOs Rome und Deadwood haben mich vor einigen Jahren für historische Serien begeistert, eine Weile konnte mich Vikings an den Bildschirm fesseln und auch The Musketeers haben es mir bekanntermaßen angetan. Ich will gar nicht sagen „Seitdem waren alle historischen Serien Mist“, denn vielleicht liegt es ja gar nicht an euch, liebe Serien. Vielleicht liegt es an mir.

Ich kann ihn nicht mehr sehen, diesen Grün-Braun-Grau-Schleier über den Bildern. Diese Lumpen und Kettenhemden. Die flackernden Feuer, die Felle und die zerrupften Frisuren. Vielleicht liegt es wirklich an mir.

Der Film Beowulf & Grendel (nein, nicht der seltsame 3D-animierte mit Angelina Jolie als „die Muddi von dem Teil“, sondern der mit Gerald Butler in Island) hat mir vor einigen Jahren wirklich gut gefallen, und als ich die Serie Beowulf googlete, fand ich, dass sich eine britische Serie mit William Hurt gar nicht so mies anhört und dachte, versuch ich’s noch mal mit Wikingern. William Hurt hat jedoch die Angewohnheit, in miesen Genre-Verfilmungen den väterlichen Mentor zu geben und dann zu sterben (Dune-TV-Mehrteiler, I’m looking at you!), und so scheidet er auch in Beowulf ziemlich offscreenig direkt am Anfang aus dem Leben und taucht danach als väterlicher Mentor in Rückblenden auf. Vielleicht wird er auch wiederbelebt, ganz sicher bin ich mir da nicht, denn – es tut mir leid – ich habe das Blu-ray-Set nicht durchgehalten. Ich habe schon in der Hälfte der ersten Folge begonnen, die Play Station auf 1,5fache Geschwindigkeit zu stellen, damit ich nur ¾ der Lebenszeit dafür brauche.

Also, ich entschuldige mich hiermit förmlich dafür, dass ich die Serie nicht fair oder gar objektiv bewerten kann. Aber fangen wir ganz von vorn an: Auf der Hülle der Blu-ray schreibt der Digital Spy: „Ein actionreiches Abenteuer im Stil von Game of Thrones & Der Herr der Ringe“. Kommt euch so beliebig vor wie die zahlreichen „Great! – George R.R. Martin“ oder „Sitzt im Fantasy-Himmel zur Rechten Tolkiens – Klaus-Dieter Niegehört“, die auf Fantasybüchern so drauf stehen? Ja, mir auch. Abgebildet sind schmucke Männer und eine Frau mit wilden Frisuren, Waffen und Grün-Braun-Grau-Schleier, im Hintergrund ein gollumeskes Monster, von Beowulf-Kennern unter uns sofort als Grendel identifiziert. Auf der Rückseite hält Kieran Bew, der Hauptdarsteller ein zappliges Schwert (das ist bei uns der familieninterne Terminus für ein überfrachtetes, ornamentbeladenes Pseudo-Schwert, auch genannt SLO, sword-like object).

Aber nun gut, never judge a series by its cover or its sword-like objects, hoffte ich und legte die erste Blu-ray von vieren ein. Ein Intro folgte, das so hemmungslos von Game of Thrones abschaut, dass es schon peinlich ist. Im Takt epischer Musik schrauben sich wikingerische Verzierungen in die Höhe – was cool sein könnte, abgeguckt hin oder her. Ist es aber leider nicht, es ist einfach ein bisschen zu schlecht kopiert. Die Serie beginnt mit dem jungen Beowulf, dessen Vater von Trollen getötet wird und der von Thane Hrothgar (William Hurt) gerettet und adoptiert wird. Cut – ein paar Jahre später kehrt Beowulf als kerniger erwachsener Faramir-Klon in sein Heimatdorf zurück und findet heraus, dass sein Ziehvater tot ist. Er hat einen Sidekick dabei, der nur dazu da ist, Sprüche zu klopfen, die jeder Rollenspieler am Tisch schon mal besser hervorgebracht hat, und betrunken die Mutter der indischen Schmiedin zu heiraten. Beowulf merkt währenddessen, dass er zur persona non grata erklärt wurde: Sein Ziehbruder (nicht stilsicher zerwühlt, sondern eher mit einer Frisur, als hätte ein Hipstercoiffeur versucht, die Frisuren aus Vikings nachzustellen) trachtet ihm erst nach dem Leben, dann vertragen sie sich aber doch, dann stirbt jemand, weil ein Hautwandler im Dorf ist, Beowulf wird des Mordes verdächtigt und muss das Gegenteil beweisen und so weiter und so fort. Eine Horde Beduinen-Nomaden sind auch noch unterwegs und wollen erproben, wie es nach dem Tod Hrothgars denn nun mit dessen weiblicher Nachfolgerin, seiner Witwe, aussieht, währenddessen schlagen Menschen sich mit zappligen Schwertern, und Detektiv Beowulf ist auf der Spur des Hautwandlers. Ihr merkt schon: Da ist ein unausgegorener Plot, der zu viele Wikinger-Anleihen hat, um ihn komplett aus dem zeitlichen Kontext und den eigenen Erwartungen an diesen zu lösen, und zu viele Fantasy-Elemente, um das Historische noch plausibel zu finden. Vielleicht bin ich auch zu pingelig.

Natürlich ist die Beowulf-Saga Fantasy. Sie hat ein Monster namens Grendel. Wie gesagt, vielleicht habe ich das Brett vorm Kopf und kann nicht akzeptieren, dass das da einfach völlig von realer Geschichte abgekoppelt ist, aber irgendwie frage ich mich halt, warum muss man die Beowulf-Saga verfilmen, wenn man sich nicht mal in groben Details an die Vorlage halten kann? *wütend Faust gen Himmel reckt*

Als Bonus gibt’s noch ‘ne Stunde Interviews mit Cast und Crew. Ich habe mal auf der IMDB geschaut: Es gibt auch Leute, die die Serie gut finden. Ein paar. Wenige. Also, Beowulf, Liebling – es liegt nicht an dir, dass es nicht geklappt hat mit uns beiden. Es liegt an mir!

Fischpott-Disclaimer: Wir haben die Blu-ray-Box als Rezensionsexemplar von S&L Medianetworx GmbH erhalten.

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