28 Years Later: The Bone Temple
Das ging flott – nach nur einem halben Jahr kommt mit 28 Years Later: The Bone Temple die Fortsetzung von 28 Years Later ins Kino. Regie führt diesmal Nia DaCosta, bekannt unter anderem für ihr Candyman-Remake.
Raue Sitten herrschen auf der Insel. Nicht nur, dass die britischen Wälder voller Zombies/Infizierter sind, die unvorsichtige Wandernde zerfleischen. Auch Sir Jimmy (Jack O’Connel) und seine Gläubigen, die Jimmys, ziehen mordlustig durch die Lande. Spike (Alfie Williams), Protagonist des Vorgängerfilms, ist ihnen in die Hände gefallen und in die Bande aufgenommen worden. Mit blonder Jimmy-Perücke muss er mit ansehen, wie seine neuen Freund*innen Unschuldige foltern und abschlachten.
Kommt ein Zombie zum Arzt …
Währenddessen folgt der Film zugleich Dr. Kelson (Ralph Fiennes) aus dem ersten Teil. Der hat sich vorgenommen, den neuen örtlichen Alpha-Zombie Samson (Chi Lewis-Parry) näher kennenzulernen. Was wie ein extrem selbstmörderischer Plan klingt, wird vom guten Doktor mutig und empathisch in die Hand genommen. Langsam scheint es, als ob sich unter Samsons harter Schale aus Wut und enorm viel Muskeln vielleicht doch noch eine Spur Mensch befindet.

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Natürlich führt DaCosta beide Handlungsstränge zusammen und konfrontiert den satanischen Psycho-Narzissten Jimmy mit dem naturwissenschaftlichen Zombieflüsterer Kelson. Eine Begegnung, die spektakulär im titelgebenden Bone Temple enden wird. Zum Filmende ist zwar eine Geschichte abgeschlossen, aber das infizierte isolierte Großbritannien birgt trotzdem noch Potential für weitere Storys.
You put on a good show
Nachdem Danny Boyle 2025 gezeigt hat, dass er aus dem alten 28-Zeiteinheiten-Horror-Franchise noch eine gelungene Fortsetzung zaubern konnte, schafft es seine Nachfolgerin DaCosta ebenfalls, eine packende Geschichte aus dieser kaputten Welt zu holen. Sie inszeniert das Drehbuch – immer noch von Alex Garland – mit genau der richtigen Mischung aus Brutalität und Einfühlsamkeit, die auch schon 28 Days Later geprägt hat. Zwischendurch kommt es auch manchmal zu Lachern, etwa wenn Jimmy und seine Apostel darüber diskutieren, woran man den Teufel auf Erden erkennt.

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Unterstützt wird Regie dabei vom begabten Cast. Fiennes überzeugt als Mann mit Prinzipien in einer chaotischen Welt, der zudem ein Gespür für Rock ’n‘ Roll hat. Der hünenhafte Lewis-Parry zeigt, dass er nicht nur seine Muskeln spielen lassen kann und O’Connel verkörpert den charismatischen Psychopathen, der zwischen Wahnvorstellungen und Lügen gefangen ist. Angesichts der drei Erwachsenen gerät Williams in seiner Rolle als Spike in die zweite Reihe – was angesichts seiner tragenden Rolle in 28 Years Later schon etwas schade ist. Trotzdem bleibt Spike das verbindende Element der beiden Antagonisten Kelson und Jimmy und wird zur Schlüsselfigur in ihrem Konflikt.
Blonde Bestien
Wenn 28 Days Later ein Kommentar zu Brexit und fragiler Männlichkeit war, schimmert hier auch so einiges an Sozialkritik durch. Die Jimmys mit ihren blonden Perücken erinnern an den BBC-Moderator Jimmy Savile, der zu Lebzeiten immens beliebt war, nach dessen Tod aber zahlreiche vertuschte Missbrauchsfälle ans Licht kamen. So hat Scotland Yard ihn als schlimmsten Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes bezeichnet. Und bei einem blonden charismatischen Anführer und Sexualverbrecher an der Spitze einer gewaltbereiten Sekte fällt es schwer, nicht auch an Donald Trump zu denken.
Dennoch ist 28 Years Later: The Bone Temple keine politische Anklage gegen bekannte und weniger bekannte echte Schurken sondern eine Reflexion über die Natur des Bösen. Das Ergebnis ist eine sehenswerte Story mit Herz, blutigen Effekten und hervorragendem Cast.
