American Assassin (USA 2017)

Mit American Assassin legt Regisseur Michael Cuesta (u.a. für einige Folgen der Homeland-TV-Serie bekannt) einen Action-Thriller mit deutlichen Bezug zur derzeitigen weltpolitischen Lage vor. Hauptdarsteller Dylan O’Brian (Maze Runner) schlüpft in die Rolle des US-amerikanischen Agenten Mitch Rapp. Mitch verbringt am Anfang des Filmes noch recht unbeschwert seinen Urlaub auf Ibiza, macht Freundin Katrina (Charlotte Vega) einen Heiratsantrag und besorgt Drinks an der Bar. Und in dem Moment wird auch klar, dass Subtilität nicht gerade die Stärke von American Assassin ist. Während Katrina noch im Hintergrund auf den wohlverdienten Alkohol wartet, peitschen auf einmal Schüsse über den Strand. Ein paar nicht ganz so freundliche Dschihadisten von nebenan eröffnen das Feuer auf die Touristen und am Ende ist Katrina tot und Mitch schwer verletzt und eines Teils seiner Seele beraubt.

Unangehmen Bezug zu aktuellen Ereignissen?

Das Attentat direkt in den ersten Minuten weckt dabei Erinnerungen an den Anschlag vom 27.06.2015 in Port El-Kantaoui in Tunesien. Dort ermordete ein Täter 38 Menschen. Ob es jetzt schlau ist, in einem Film wie American Assassin eine solche Tragödie als Action-Set-Piece zu verbraten ist jetzt eine andere Sache, aber zumindest der eine oder andere auf meinem Sofa fand den Anfang sehr unangenehm. Mitch beginnt dann in Amerika mit hartem körperlichen Training und bessert seine Arabisch- sowie Korankenntnisse auf. Dann noch einen schicken, wilden Bart wachsen lassen und schon schleust man sich irgendwie in eine Terrorzelle in Libyen ein. Natürlich nur, um sich an den Arschgeigen zu rächen, die seine Frau erschossen haben. Die werden dann aber von einem Einsatz amerikanischer Spezialkräfte ausgeschaltet und Mitch in Gewahrsam genommen. Seine Alternativen lauten: Gefängnis oder Mitmachen bei einer supergeheimen Einsatzgruppe der CIA.

Ein bärtiger Mann mit Sonnenbrille an einem Hafen, um ihn herum viele verschleierte Frauen.

Undercover als Dschihadist in Libyen: Mitch Rapp

Leichte Entscheidung und schlechte Entscheidungen

Die Entscheidung fällt natürlich recht leicht. Unter der harten Führung von Stan Hurley (Michael Keaton in einer gewohnt gut gespielten Rolle) wird Mitch zum American Assassin ausgebildet und auf seinen ersten Einsatz geschickt. Als problematisch stellt sich dabei im gesamten Film der emotionale Zustand von Mitch heraus. Der neigt zu spontanen Ausbrüchen, verweigert Befehle und trifft dabei nicht immer die besten Entscheidungen. Seine große Bewährungsprobe ist dann ein Einsatz, bei dem es um den Handel mit aus Russland erbeutetem Plutonium-239 geht. Dieses Plutonium wird zum Bau von nuklearen Waffen benötigt und der Iran hat offenbar großes Interesse an dem Zeug. Zusammen mit einem Team (u.a. eine junge Agentin mit iranischen Wurzeln namens Annika, gespielt von Shiva Negar) geht es erst nach Istanbul und später nach Rom, um den Deal zu verhindern.

Shiva Negar, Michael Keaton, Neg Adamson und Dylan O’Brien in American Assassin

Schöne Schauplätze voller Action

Überhaupt zeigt uns American Assassin diverse schön abgefilmte Schauplätze. Es gibt Ibiza, Istanbul, Rom und kurz auch Warschau.  Die Ausbildung zum Agenten findet stilecht irgendwo im Wald statt, wo praktischerweise Stan eine Datscha hat. Bei den Außenaufnahmen überzeugt der Film dann auch mit schönen Farben und einer guten Dynamik. Krasser Gegensatz dazu die Innenaufnahmen, die sind teilweise grob aufgelöst und voller Rauschen im Hintergrund. Auch die Farbgebung ist teilweise ziemlich strange, überstrahlt und verwaschen.  Dafür ist der Ton schön räumlich abgemischt und kommt teilweise recht wuchtig daher.

Das ist auch das Stichwort für die Action-Szenen. American Assassin legt viel Wert auf möglichst real wirkendes Geballer und Gekämpfe. Die Leute halten die Gewehre einigermaßen akkurat, die Gunfights und die Nahkämpfe sind entsprechend schmerzhaft inszeniert und ein paar recht harte Folterszenen gibt es auch. Dabei wirken die Bösewichter auch gar nicht zu plump (nicht etwa wie bei London has fallen). Dennoch ist American Assassin leider kein guter Film. Die Handlung ist teilweise sehr sprunghaft und voller Lücken und vor allem auch recht dumm. Mitgefühl hatte ich für die Protagonisten auch eher selten und am Ende gibt es dann noch sehr schlechte CGI-Effekte. Zugutehalten muss man, dass hier ein gewisses Oldschool-Gefühl zelebriert wird, so mit 16 hätte ich den Film wahrscheinlich abgefeiert.

American Assassin: Nur bedingt zu empfehlen

So bleibt leider nur ein durchschnittlicher Action-Thriller mit soliden Schauspielern und einer ordentlichen Härte. Geschaut haben wir auf Englisch, es gibt leider nur deutsche Untertitel. Als Extras sind ein paar nette Featurettes am Start. American Assassin ist übrigens der erste Roman einer sehr langen Reihe von Vince Flynn (der 2013 verstorben ist), ob die Romane besser sind, kann ich leider nicht sagen.

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