Botanicula

Die wunderbare Welt der Pflanzen

Amanita, die Schöpfer des wunderschön-verschrobenen Roboterabenteuers Machinarium haben wieder einmal Neuland betreten. Und sich dabei selbst übertroffen.

Ein Zweig, ein Ahornsame, ein Blätterkelch, ein Pilz und eine Mohnkapsel: Die wohl seltsamste Fünfergruppe, die jemals zusammen Abenteuer erlebt hat. Natürlich sind die Helden von Botanicula mehr als Pflanzenteile, sie sind wundersame Wesen in einer fantastischen Welt. In einer Welt, die sich auf den Ästen und zwischen den Zweigen eines Baums erstreckt.

Der Baum lebt – das wird klar, wenn Spieler_in seine transparenten Äste betrachtet, in denen es grün pulsiert. Auf der Rinde tobt aber auch das Leben. Nicht nur unsere fünf Helden bevölkern das Astwerk als Mischwesen irgendwo zwischen Flora und Mikrofauna: Apfelartige Bienen, grüne Spinnen, einäugige Würmer, krude Igelkrabben, mähende Wollkäfer, fliegende Goldfische, Orgelmännchen – die Liste der bizarren Lebewesen ist lang. Fast jede Begegnung ist einem typischen Point-and-Click-Adventure-Rätsel kombiniert. Dabei hat jeder Charakter aus unserem botaniculischem Quintett andere Fähigkeiten: Fliegen, Wachsen, Heimlich sein. Denn die Rettung der Welt ist kein Zuckerschlecken.

Florale Fantasie

Wie viele fantastische Welten ist auch die Welt von Botanicula bedroht. Langbeinige Schattenspinnen wollen den Baum aufessen und jagen das Fünferteam. Zum Glück hat einer der Protagonisten (ein Blätterfigürchen, das Ähnlichkeit mit einer laufenden Physalis hat) ein leuchtendes Samenkorn gefunden und in seinem Inneren versteckt. Nun ist es mit seinen Mitstreitern auf der Mission, den Baum – ach was, die Welt! – zu retten.

Und diese Welt begeistert: Botanicula schwelgt in seiner zugleich bizarren und wunderschönen Ausstattung. Von durchsichtigen Ästen und schwirrenden Leuchtwesen bis hin zu psychedelischen Pilzen und Flaschengeistern, die in Eicheln wohnen. Dazu kommt noch ein ebenfalls wunderschöner Soundtrack und fünf sehr sympathische Helden – obwohl man nicht einmal weiß, was die eigentlich für Lebewesen sind.

Einfach schön

Die Waldgeister aus Prinzessin Mononoke treffen die Tintenfische aus dem zweiten Stock im Land des kleinen Maulwurfs: Irgendwo dazwischen scheinen die Ideengeber von Botanicula zu liegen. Dabei ist das Spiel vielleicht von tschechischer Animationstradition beeinflusst, aber keinesfalls abgekupfert. Das Ergebnis überzeugt durch seine leicht verrückte, aber immer liebenswerte Welt. Selbst wer kein Fan klassischer Point-and-Click-Adventures ist, sollte sich das Game einmal anschauen. Adventure-Fans sollten zugreifen, aber pronto! Zur Zeit gibt es die limitierte Sonderauflage für knapp 10 Euro plus Poster und Soundtrack-CD. Das lohnt sich.

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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.

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