Brothers

Nichts Neues im Westen: Erfolgsfilme aus der bunten weiten Welt werden in Hollywood adaptiert, einem amerikanischem Publikum schmackhaft gemacht und mit dem multiplen Originalbudget neu rausgehauen. Wie Brothers, das Remake des dänischen Films Brødre.

Das Kriegsdrama um eine Soldatenfamilie hat mehr Stars als manch ein US-General. Außer der vor kurzem golden ge(g)lobten Natalie Portman sind auch Tobey Maguire, Jake Gyllenhaal und Kinoveteran Sam Shepard mit dabei. Tommy Cahill (Gyllenhaal) hat seine Haftstrafe wegen Banküberfall verbüßt und wird von seinem Bruder Sam (Maguire) aus dem Gefängnis abgeholt. Der Marine Captain Sam führt ein wahres Musterleben mit schöner Ehefrau Grace (Portman) und zwei Töchtern, muss aber bald zurück in den Kriegseinsatz nach Afghanistan. Dort stürzt sein Hubschrauber ab, Sam wird vermisst und schließlich für tot erklärt. Grace und Tommy, in Trauer vereint, helfen sich gegenseitig. Tommy wächst dabei langsam in eine Art Ersatzvaterrolle hinein und lernt, Verantwortung zu übernehmen. Dabei gewinnt er sogar den Respekt seines eigenen Vaters Hank (Shepard), der selbst Soldat in Vietnam war. Grace lernt dank Tommys Unterstützung mit der Trauer umzugehen und beide kommen sich nahe. Da ändert ein Anruf der Armee alles: Sam ist nicht tot, er war in Gefangenschaft der Taliban und ist nun wieder frei. Zurück kommt allerdings ein gebrochener Mann voller Wut, der große Schuld auf sich geladen hat. Es sieht aus, als ob er den Platz in seiner Familie nicht mehr ausfüllen kann.

Das Familiendrama im Schatten des Afghanistankrieges lebt von seinen Schauspielern. Die ehemalige nette Spinne aus der Nachbarschaft Maguire beeindruckt mit der Wandlung vom etwas steifen, korrekten Familienvater zum entwurzelten Mann voller ohnmächtiger Wut. Portman überzeugt als Mutter und Soldatenfrau, die zuerst als vermeintliche Witwe dem Versager-Schwager näher kommt und dann mit einem vom Krieg zerrütteten Ehemann zurechtkommen muss. Allein Gyllenhaal ist etwas zu geschniegelt, der Zuschauer nimmt ihm den kriminellen Hallodri nicht zur Gänze ab. Auch insgesamt ist der Cast gelungen. Seien es die beiden kleinen Töchter oder die tölpelhaften Handwerker, die Tommy zur Küchen-Renovierung in Graces Haus holt. Gerade in deren Darstellung schimmern manchmal kleine Ecken und Kanten der Charaktere durch, die wohl aus dem dänischen Original stammen und ein bisschen wie belebende Fremdkörperchen im amerikanischen Film wirken. Dagegen sind die Taliban, denen Sam in die Hände fällt, auf den ersten Blick klischeehaft böse. Ihre einzige Rolle besteht darin, die Marines zu foltern und zu brechen. Aber Regisseur Jim Sheridan will kein realistisches Bild der „kriegsähnlichen“ Zustände am Hindukusch. Er will zeigen, welche Lasten Kriegsheimkehrer zu tragen haben. Durch kleine Akzente werden die Taliban nicht als homogener Block bärtiger Islamisten gezeigt sondern es werden ihnen durchaus auch verschiedene Motive zugestanden. Insgesamt ein sehenswerter Film, bei dem es absolut unverständlich ist, warum die deutschen Kinobesucher immer noch darauf warten mussten. Schließlich war der US-amerikanische Filmstart schon im Dezember 2009. Deutscher Kinostart ist der 27. Januar.

FM


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.