Cathys Jahresrückblick 2018

2018 ist vorbei. Bumm. Einfach so. Was hat man gemacht? Sich medial von dem ganzen anderen Blödsinn abgelenkt. Somit folgt hier eine kleine nicht hierarchische Stichprobensammlung der Dinge, die mich erfolgreich multisensorisch ablenken konnten in Cathys Jahresrückblick 2018. Für alle, deren Zeit zu kostbar für ziellose Stöberei ist: Simulation Theory, The Meg, Maniac, The Haunting of Hill House, The Witcher 3, Yakuza 6 und Gute Nacht, Punpun.

Ablenkung für die Ohren

Muse ist eine der wenigen Bands, die ich seit Ewigkeiten immer wieder gerne höre. Daher freue ich mich grundsätzlich über jedes neue Album. Simulation Theory hat für mich so wie die letzte Platte Drones Höhen und Tiefen. Doch diesmal entpuppt sich zum Glück keiner der Songs als ‚Skip-Trigger‘. Auf Drones war das für mich ‚Aftermath‘. Eine schmalzige bumm-tschak-tschak- Slow Rock Ballade, die ich persönlich nur schwer in Muses musikalischem Œuvre verorten konnte. Zwar strapaziert Simulation Theory meine Geduld mit Frontalangriffen wie „Get Up and Fight“ oder „Propaganda“, aber „Something Human“, „The Dark Side“ oder „Pressure“ machen das wieder wett.

Ablenkung für Augen und Ohren

Der bemerkenswerteste Film dieses Jahr war für mich The Meg. Wenn man im Flugzeug sitzt und lieber etwas gucken möchte, dass einem aufgrund der Lautstärke und der miesen Kopfhörer nicht sonderlich verdorben werden kann, dann mag es passieren, dass man aus Neugier auch mal auf die Trashtitel klickt. Aber Moment mal? Wieso denn überhaupt ‚Trash‘? Ist der Trash-Haifilm-Sektor nicht mit dutzenden dummen Titeln auf dem ‚Sci-Fi-Channel‘ weitestgehend abgegrast? Wäre ein Megabudget-Megalodonfilm nicht die eine Chance, es zur Abwechslung mal anders und moderner anzupacken? Vielleicht mit guten Charakteren, ein bisschen Realismus und intelligenten Wendungen? Oder vielleicht mit scharfem Humor und Satire?

Um das, was eh schon alle wissen kurz zu machen: Die Charaktere sind auf einem Niveau, dass Dialogzeilen wie „I‘m gonna make it bleed“ erlaubt und man ist sich auch nicht zu fein, eine erwachsene Frau ganz flatterig werden zu lassen, wenn sie Stathams Superheldensixpack zu Augen bekommt (Echt jetzt??). Naturgesetze werden ignoriert, Haibiologie an sich sowieso – und zwar total. Explosionen dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen. Ist ja schießlich ein ‚Actionfilm‘. Es war schwer, aber ich habe mir das ganze Desaster angesehen (die Kotztüte griffbereit – aber soweit ist es dann soch nicht gekommen).

Ablenkung in Serie für Augen, Ohren und ein bisschen fürs Hirn

Abgesehen von der wie immer nicht enttäuschenden neuen Staffel von Better Call Saul gab es dieses Jahr im Seriensektor noch andere Schmuckstücke. Zum Beispiel Maniac. In dieser US Adaption einer skandinavischen Serie kämpfen sich Emma Stone und Jonah Hill als emotional labile und psychisch kränkelnde Teilnehmer einer sehr fragwürdigen Medikamentenstudie durch die Wirren ihrer inneren Ängste. Klingt lustig? Ist es zum Glück auch! Der Anfang kommt allerdings etwas zäh und schwerfällig daher. Die David Lynchige Halb-Achtiziger-Halb-Sci-Fi Welt macht es nicht leichter, einen Einstieg zu finden. Zu sehr wird einem das ‚Alternativsein‘ vor den Latz geknallt. Doch nach ein bisschen Schwungholen rollt das Ganze dann doch geschmeidig und vor allem humorig und hinterlässt ein gutes Gefühl.

Weniger satirisch oder zum Lachen ist The The Haunting of Hill House. Diesmal eine Romanadaption, umgesetzt in zehn Folgen. Hierbei handelt es sich um unangenehmen Spukhaushorror von Anfang bis Ende, verwoben zu einer durchaus interessanten Geschichte rund um Familie Crain. Obwohl die Crains nur eine kurze Zeit in Hill House verbringen, beeinflusst die Horrorvilla dennoch fortan die Lebenswege aller Familienmitglieder. Jede Folge begleitet die nun erwachsenen Crain Kinder dabei die Erlebnisse von vor 26 Jahren zu verarbeiten und vor allem die Geheimnisse einer entscheidenden Nacht zu lüften.

Dialoge und Charakterentwicklung kommen nicht zu kurz. Das Sounddesign ist exzellent und die Jumpscares größtenteils gerechtfertigt. Ich hatte zwar meine Zweifel, ob eine Horrorserie im aktuellen Horror-Überfluss nicht redundant und voller Katzenjumpscares daherschlurfen könnte, doch The Haunting of Hill House schafft es problemlos, das Publikum von Folge zu Folge zu mitzuziehen und interessant zu bleiben.

Kleine Entwarnung für Zartbesaitete: Obwohl etwas Blut fließt, ist die Handlung nahezu brutalitätsfrei. Folter und Gewalt sind nicht die Mittel der Wahl in diesem Horrorwerk. Wer also von Horror aufgrund der häufig prominenten Gewalt Abstand nimmt, kann dieser Serie vielleicht ausnahmsweise doch eine Chance geben. Wer aber nach Gruselfilmen grundsätzlich Angst hat, alleine aufs Klo zu gehen, dem ist mit Hill House kein Gefallen getan.

Ablenkung für Augen, Ohren, Hirn und Hände

Im Bereich Videospiel wurde meine Zeit fast ausschlieslich von Geralt beansprucht. The Witcher 3 ist zwar nicht neu, aber 2018 war mein persönliches Witcher-Jahr. Zu dem viel ausgezeichneten Spielemeisterwerk bleibt nichts zu sagen, da alle außer mir schon längst durch sind.

Ein Mann mit weißen Haaren und Katzenaugen: Geralt der Hexer in The Witcher 3.
Der Hexer: Geralt von Riva

Vor meiner endlosen Witcher Odyssee konnte ich noch in Yakuza 6 die Saga des Drachen von Dojima zu Ende führen. Yakuza 6 spielt sich wie alle Yakuzas und hat nicht enttäuscht. Die überzogene Gangsterstory mit einer guten Dosis Herzblut wiegt wie so oft Yakuzaehre gegen Männerstolz ab und nimmt sich wie gewohnt nicht 100% ernst. Zum großen Finale ist in Yakuza 6 die comichafte Gangsterwelt Japans endlich aufgepeppt mit dem lang erwarteten Auftritt von ‚Beat‘ Takeshi Kitano in einer nicht unbedeutenden Nebenrolle. Endlich! Die Yakuza Saga wäre ansonsten nicht komplett gewesen. Wischen wir uns also ein Tränchen von der Wange, sagen „Auf Wiedersehen, es war schön mit euch“ und freuen uns auf ein Reboot der Serie mit neuen Helden.

Ablenkung für Augen und Hirn

Vor lauter Witchern kommt man kaum zum Lesen, doch auch in dem Bereich habe ich lange Überfälliges nachgeholt: Nach jahrelangem Sammeln habe ich Inio Asanos Gute Nacht, Punpun beendet. Ein Kleinod der Comicwelt, ein Meisterwerk des Coming of Age Genres. Seit Naoki Urasawas 20th Century Boys hat mich kein Manga oder Comic mehr derart gefesselt. Der meiner Meinung nach geniale Inio Asano hat in Punpun künstlerische Freiheiten genießen dürfen, die er mit seinen ersten Werken von Verlagsseite aus nicht hatte. Dementsprechend unkonventionell und bitterböse satirisch, aber auch lebensnah und herzerwärmend, in jedem Fall erbarmungslos realistisch wird die Geschichte des Erwachsenwerdens des kleinen Punpun Punyama erzählt, einem gesichtslosen Vögelchen und modernen Pikaro, umzingelt von zuviel Realität. 2019 wird das Jahr, in dem alle 13 Punpun Bände noch einmal gelesen werden.

Und somit ist mein Jahresrückblick 2018 nun auch beendet. Was in diesem welken Jahr noch gerade so erschienen ist, aber sehnsüchtig erwartet war ist Red Dead Redemption 2 sowie die neue Staffel von Black Mirror. Meinen Kommentar dazu gibt es dann aber erst im Jahresrückblick 2019.


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