Dark House

Wenn sich ein Film Dark House nennt habe ich eine gewisse Erwartungshaltung. Ich erwarte nämlich viele Nachtaufnahmen, ein dunkles Haus – welches möglichst unheimlich in Szene gesetzt wird – und eine Horde Teenager, die sich, aus welchem Grund auch immer, genau in dieses Haus verirrt. Das Cover der Blu-Ray verspricht dann on Top auch noch einen axtschwingenden Irren (gespielt von Tobin „Jigsaw“ Bell) und der Film wurde von Regisseur Victor „Jeepers Creepers“ Salva gedreht. Was kann schon schiefgehen? Schaun wir mal.

Ein Gastbeitrag von Ulf.

Das Cover von Dark House zeigt einen älteren langhaarigen Mann (Tobin Bell), der eine schwere blutige Axt erhoben hat. Im Hintergrund ein heruntergekommenes Herrenhaus.Nick Di Santo besucht mal wieder seine Mutter in der lokalen Irrenanstalt, es ist sein 23. Geburtstag und er würde gern die entscheidende Frage seines Lebens beantwortet bekommen: Wer ist sein Vater? Leider will Mudda nicht so richtig mit der Sprache raus, also geht man mit Kumpel Ryan (den Nick aber meist Ryo nennt) erst einmal einen saufen. Hier erfährt der Zuschauer auch, dass Nick einen ganz besonderen Skill hat: Er kann bei einigen Menschen mittels Berührung vorhersehen, wie diese sterben werden. Nick zuckt dabei meist zusammen, spürt starke Schmerzen und sieht den Tod sehr konkret vor Augen, zum Beispiel bei einem Soldaten der durch eine Granate zerfetzt wird. An diesem Geburtstag lernt er übrigens auch seine Freundin Eve kennen und lieben.

Zeitsprung: 8 Monate sind vergangen, Eve ist hochschwanger und Nicks Mutter verstorben. Immerhin erbt Nick ein Haus und zwar nicht irgendein Haus, nein, das Haus, das ihn seit seiner Kindheit regelrecht verfolgt. Immerhin hat er es immer wieder in unterschiedlichen Stilen gezeichnet. Ehrensache, dass sich Ryo und Eve ihm anschließen um das Haus aufzusuchen, könnte es doch einen Hinweis auf Nicks Vater ausspu(c)ken. Unterwegs gabelt man noch ein paar Informationen in einer nahe gelegenen Kleinstadt sowie drei junge Leute von der Landvermessung auf und erfährt von einer recht hanebüchen klingenden urbanen Legende: Es gab nämlich mal eine Flut, dabei wurde ein ganzer Ort hinweggespült und die Häuser allesamt zerstört. Allesamt? Nein, ein Haus ist angeblich entkommen und seitdem irgendwo da draußen.

Eine junge Frau und zwei junge Männer stehen nebeneinander. Sie schauen leicht verwundert nach rechts, doch was sie sehen wird nicht abgebildet. Im Hintergrund hängen Fotografien von alten Häusern, eine Landkarte und ein Schild "River's End the town that was".

Ryan (Anthony Rey Perez), Nick Di Santo (Luke Kleintank) und Eve (Alex McKenna).

Äh, da draußen? So wie: Es treibt sich da irgendwo rum und keiner weiß wo? Richtig, dieses Haus scheint quasi der Jason/Michael Myers/Freddy Krüger des Films zu sein. Ist ja mal was neues, ein Haus, das auf der Suche nach neuen Opfern über Leichen geht. Die weitere Handlung kurz zusammengefasst: Man findet das Haus, der seltsame Seth (Tobin Bell) bewohnt es und hetzt nach kurzer Zeit eine unbesiegbare Armee an humpelnden Axtmördern auf Nick und seine Freunde. Nick hat dabei immer wieder Visionen und wir fragen uns immer wieder warum seine hochschwangere Freundin unbedingt vor der Entbindung auf dieses Abenteuer mit musste. Außerdem fallen uns auf, dass die beteiligten Leute nicht ohne Grund Namen wie Seth, Sam(ael), Lillith oder Eve haben. Irgendwas ist hier faul und das riecht nach mehr als nur ein paar wahnsinnigen Hinterwäldlern.

Gut, es gibt einen Plottwist (mal wieder) und die zweite Hälfte des Films spielt in der Tat in und um ein dunkles Haus zur nächtlichen Stunde. Brutale Axtangriffe gibt es auch und teilweise kommt sogar so etwas wie Atmosphäre auf. Leider ist der Film aber größtenteils nicht nur extrem dubios (was nicht schlecht sein muss) sondern auch extrem uninteressant. Am Ende wird zwar alles erklärt und der Ansatz hat mir auch gut gefallen, aber der Weg dahin war belanglos, nervig und seltsam. Technisch sicher sauber inszeniert und auch vom Sound her sehr wuchtig abgestimmt, ein Haus das teilweise an das Herrenhaus aus Resident Evil (unbedingt spielen: Das HD-Remaster dieses Klassikers) erinnert und wirklich sehr bizarr-unangenehm auftretende Axtschwinger. Die Schauspieler agieren teilweise aber jenseits der Grenze zum Knallchargentum, man kann förmlich spüren, wie der Regisseur phantomimisch neben der Kamera Anweisungen gibt und die Darsteller diese zeitverzögert umsetzen, was in der Runde dann doch für einige Lacher gesorgt hat. Außerdem versucht der Film zu viele Elemente auf einmal unterzubringen: Haunted House, Slasher-Film und Okkult-Thriller in einem und das auf Kosten der Spannung.

Neun dunkle Gestalten im dunklen, verregneten Wald. Ihre Gesichter sind von langen Haaren verdeckt. Sie tragen lange Mäntel und haben Äxte dabei.

Die unbesiegbare Armee der humpelnden Axtmörder.

Mehr gewollt als gekonnt, die ganzen Ideen klangen beim Brainstorming im Büro sicher alle ganz cool. Bei uns kam der Film dann auch nur mäßig an, sicher nicht langweilig aber wir hätten an dem Abend lieber etwas anderes gesehen und werden den Film auch nach ein paar Tagen komplett verdrängt haben. Und kurz zur Altersfreigabe: Wieso der Film ab 18 ist wurde zumindest mir nicht klar, den hätte man auch knapp ab 16 durchlassen können, so schlimm oder gar verstörend war der nicht. Aber wir sind sicherlich, wie schon in anderen Reviews erwähnt, abgehärtet und abgestumpft gegenüber normaler Splatter/Horror-Kost.

Wer will, greift ab dem 9. März 2015 (Verleih) oder dem 25. (Verkauf) zur Blu-Ray oder DVD, für Horror-Einsteiger ist Dark House sicher ein ganz brauchbarer Film zu Halloween (oder Ostern oder Pfingsten). Geschaut haben wir wie immer die englische Tonspur, wer will kann deutsche oder (besser!) englische Untertitel zuschalten.

Auf der Blu-ray ist deutscher und englischer Ton als DTS-HD Master Audio 5.1, Untertitel Deutsch und Englisch, Bildformat 2,35:1 (1080p24) und der Film hat eine Laufzeit von 102 Minuten.

Disclaimer: Fischpott hat ein Rezensionsexemplar der Blu-ray Disc erhalten.


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