Die Reise der Pinguine 2 – Der Weg des Lebens (DVD)

Die Reise der Pinguine 2 CoverOberflächlich betrachtet scheint drollig ein Wort zu sein, das eigens für Pinguine erfunden wurde. Zu ulkig die Art der Frackträger, sich an Land vorwärts zu bewegen. Doch bereits Teil 1 der Pinguinreise belegte, welch Überlebenskünstler gerade an Land diese majestätischen Wasservögel sind. Die große Frage war nun, was Die Reise der Pinguine 2 dem 2006 mit dem Oskar für den Besten Dokumentarfilm prämierten Vorgänger hinzuzufügen hat. Um es vorwegzunehmen: nicht allzu viel. Das Sequel nimmt eher etwas weg, und das ist auch gut so.

Wir erinnern uns:

Die Reise der Pinguine 1 – der Plot

Von der Brutpflege der Kaiserpinguine erzählte Teil 1. Einen antarktischen Winter lang wechseln sich die Eltern bei der Aufzucht ihres Nachwuchses ab. Dazu finden sie sich als Paare in einer riesigen Kolonie zusammen. Der Brutplatz: ein möglichst geschützter Ort inmitten des antarktischen Eises, weit vom Meer entfernt. Abwechselnd bleibt immer einer zurück, das Ei zu brüten und nach dem Schlüpfen auf das Junge aufzupassen. Dabei den lebensfeindlichen Wetterkapriolen zu trotzen. Währenddessen das andere Elternteil den extrem weiten Landweg zurücklegt, um zum Meer zu gelangen. Dort gilt es, so viel Nahrung aufzunehmen, dass es für den weiten Rückweg und das Junge reicht. Später wandern aber auch beide Eltern zum Meer. Das Junge schiebt dann in einer Art Kindergarten kollektiven Hunger und muss sich vor Fressfeinden wie anderen Vögeln selbst schützen.

Die Reise der Pinguine 2 – der Plot

Auch der zweite Teil der Pinguinreise erzählt von der Brutpflege. Wieder sind wir in der Antarktis und erleben die Aufzucht des Nachwuchses eines Kaiserpinguinpaares. Das Vorgehen hat sich dabei in den letzten zwölf Jahren nicht geändert. Noch immer gilt es, Wege von bis zu 100 Kilometern (oder auch mehr) an Land zurückzulegen, um an Nahrung zu kommen. Derweil der Partner erst das Ei auf seinen Füßen brütet und in der Folge das Küken in einer Hautfalte vor der Kälte schützt. Und wenn sich der Kalorienbedarf des Sprösslings ins Unermessliche steigert, muss auch hier das Kleine alleine im Kindergarten zurückbleiben. Auch die lebensfeindlichen Bedingungen des antarktischen Winters sind weitgehend gleichgeblieben. Zumindest stürmt und tobt es derart, dass sich noch immer die Frage stellt, warum zum Teufel es ausgerechnet dieser Brutplatz sein muss. Kann es näher am Meer tatsächlich noch schlimmer sein?

Die Reise der Pinguine 2, Szene

Bye-bye sprechende Tiere, Willkommen Rückblenden

Nun ist es eine Weile her, da ich den ersten Teil gesehen habe. In Erinnerung geblieben ist neben dem Plot und seinen extrem schönen Bildern die unsägliche Vertonung. Sprechende Tiere gab es, wie ich jetzt erst erfahren habe, aber nur in der deutschen Fassung. Im Original erzählte Morgan Freeman die Geschichte der wandernden Pinguine. Schätzungsweise ungefähr so, wie nun in der deutschen Fassung des zweiten Teils der Tatort-Ermittler Udo Wachtveitl den Sprecher gibt: angemessen und gut. Das allein rechtfertigt schon das Sequel. Zumindest hierzulande.

Auch in Hinblick auf die Erzählrichtung gibt es Neues. War die Richtung im ersten Teil noch einfach voranschreitend, arbeitet Die Reise der Pinguine 2 mit Rückblenden. Zu Beginn des Films kommt ein Pinguin-Mann von einer seiner Touren zurück zum Brutplatz und ruft nach seiner Familie. Eine ganze Reihe von Rückblenden zeigt in der Folge, was Teil 1 chronologisch erzählt hatte: die Entstehungsgeschichte seines Jungen, die vielen Touren der Eltern zuvor. Sprich: denselben Überlebenskampf wie im ersten Teil.

Spannende Details

In Hinblick auf die erzählten Details kann mich natürlich meine fehlende Erinnerung trügen. Vielleicht kamen auch folgende bereits in Teil 1 zur Sprache. Für mich jedenfalls neu zum Beispiel der Paarungstanz der frisch Verliebten. Bevor sie zur Tat schreiten und die Grundlage für einen extrem beschwerlichen Winter schaffen, synchronisieren die Paare sich im Tanz. Die Komposition der Nah- und Großaufnahmen macht deutlich, wie sich die Tiere dabei abchecken und auf den anderen einzugrooven suchen. Mich würde nicht wundern, wenn sich physiologisch nachweisen ließe, dass ihre Herzen daraufhin im Gleichtakt schlagen.

Auch neu für mich die schlichte Tatsache, dass Kaiserpinguine bis zu 50 Jahre alt werden können. Wenngleich nicht viele dieses stattliche Alter erreichen, ist es dennoch möglich. Das behauptete Alter des Protagonisten ist jedenfalls 40. Die erzählte Vaterschaft voraussichtlich seine letzte.

Schön auch die neugewonnene Erkenntnis, dass die erste Mahlzeit des Kükens bereits seit vier Monaten im Bauch des Vaters auf diesen Moment gewartet hat. (Lecker! – Stück Brot dabei?) Dies ist aber nicht der Grund, weshalb nur ungefähr 50 Prozent der Küken das Erwachsenenalter erreichen.

Definitiv mehr Meer in Teil 2

Angemessen erscheint auf alle Fälle, dass Die Reise der Pinguine 2 mehr von dem wahren Habitat dieser Wasservögel zeigt. Wenn sich die Tiere nach 100 oder mehr Kilometern Watschelmarsch ins antarktische Meer stürzen, verwandeln sie sich von drollig zu majestätisch, von plump zu artistisch. Neu für mich hier: Bis zu zwanzig Minuten können Kaiserpinguine tauchen. Dafür leeren sie ihre Lungen und lassen ihr Herz kaum noch schlagen. Ihrer Jagd auf Krill, Fischen und Tintenfischen in über 500 Metern Tiefe folgen die Kameras allerdings nicht. Auch zeigt der Film nicht, dass Kaiserpinguine tatsächlich in Gruppen jagen.

Zuerst verlassen von ihren Müttern, dann auch von ihrem Vätern, folgen die Jungen der aktuellen Generation später erstmals älteren Tieren auf dem langen Weg zum Meer. Irgendetwas scheint sie dorthin zu rufen. Dort angekommen, scheinen sie nur nicht zu wissen, was dieser Ruf von ihnen wollte. Mehrere Tage braucht es, bis sich der erste von ihnen in die Fluten stürzt. Als im Sozialverband Aufgewachsene folgt der Rest der Truppe dann auf dem Fuß. Zurückkehren werden sie alle, sofern sie bis zu ihrer Geschlechtsreife von ungefähr fünf Jahren noch leben. Und damit schließt sich nach 80 Minuten Gesamtlänge des Films der Kreis.

Fazit

Es hätte dieses Sequel nicht wirklich gebraucht. Dennoch hat es seine Existenzberechtigung. Immerhin bietet Die Reise der Pinguine 2 nahezu dieselbe Geschichte wie Teil 1 – und verzichtet dabei auf die kindliche bis kindische Synchronisation. Und das ist schon mal viel wert.

Erscheinungsdatum als DVD, Blu-Ray, 4K Ultra HD Blu-Ray und Video on Demand: 09.03.2018
Copyright: © Universum Film GmbH
Fischpott-Disclaimer: Wir haben eine DVD als Rezensionsexemplar von der S&L Medianetworx GmbH erhalten, das wir nach Ansicht wie gewünscht zurückgeschickt haben.

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Über Britta

Britta Kretschmer ist Online-Redakteurin, Autorin und Ex-Wissenschaftlerin. Britta lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Köln. Das Webgrrl gestaltet Wordpress-Blogs, berät in Sachen Texten für Social Media und veröffentlicht unter www.mehr-welten.de Nachrichten einen Jugendthriller, in dem es um Medizin, Politik und Physik geht. Britta mag Bücher, Filme und Rockmusik und liebt Orang-Utans.

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