Jahresrückblick 2018: Fabian I

2018 war ein weiteres Jahr, in dem die Nerdkultur-Medienmaschinerie auf Hochtouren lief. Mehr Superheldenfilme, mehr AAA-Games, mehr Comics, mehr Reboots, mehr Sequels, mehr Remakes, mehr … alles. In diesem kuscheligen kleinen Kulturblog haben wir trotz über 80 Texten in diesem Jahr nur einen Bruchteil dieses Medien-Tsunamis gesichtet. Viele Meister- und Machwerke haben wir nicht geschafft oder links liegen gelassen. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle die Aufmerksamkeit auf das eine oder andere Schätzchen lenken, das mit 2018 aufgefallen ist.

besucht

Der erste Tipp geht an den am weitesten entfernten Ort: Das Bananenmuseum auf La Palma. Wer kleine, verschrobene Heimatmuseen schätzt, ist hier genau richtig. Im malerisch mitten in einer Bananenplantage gelegenen Museum finden Besucher*innen eine kleine Ausstellung mit ein paar Daten und Fakten über den Bananenanbau auf der Kanareninsel. Noch viel kleiner, aber ungleich informativer ist das Museum Soul of Africa in Essen. Hier erfährt man anhand unzähliger Exponate unglaublich viel über Voodoo-Kultur in Westafrika.

2018 habe ich zum ersten Mal eine Kuschelparty besucht, ein Erlebnis, das ein bisschen seltsam ist, es aber eigentlich nicht sein sollte. Auch wenn es nach Hippiescheiß klingt: Berührungen sollten schließlich ganz normal sein. Kuschelig-familiär ging es beim Literaturcamp Bonn zu, mit der DSGVO-Selbsthilfegruppen, Ukulele-Einstimmungskurs und Bloggen mit dem Gutenberg-Editor. Ob es eine gute Idee war, am selben Abend noch auf das Festival der schlechten Laune in Wuppertal mit Reiz, Hysterese, Hammerhead und Egotronic zu gehen? Vielleicht nicht unbedingt. Aber erstaunlicherweise war es doch ein großes Vergnügen, mit dem sich ein bisschen der thematische Kreis dieses Blogs schließt – war der Besuch eines Konzertes mit Egotronic doch Thema des allerersten Fischpott-Artikels.

Ebenfalls ein großer Spaß war der Besuch der Slayvention, des „Klassentreffens“ der Fangemeinde des Rollenspiels Dungeonslayers und seiner zahlreichen Nachkommen. So konnte ich zum ersten Mal in die Welt von Dmitry Glukhovskys Metro 2033 eintauchen und mich mit einer Planeslayers-Runde in alte Planescape-Zeiten zurückversetzt fühlen. Das andere Nerdhighlight 2018 war die Comiciade in Aachen. Hier habe ich unter anderem Batman-Koryphäe und Fischpott-Autor Lars Banhold bei seinem Vortrag über den dunklen Rächer zugehört, das eine oder andere Werk von The Mighty Millborough erstanden und über die fantastische Kunst von Christian Klement gestaunt.

Nie wieder Horrorclowns!

In der Wuppertaler Theaterlandschaft konnte ich die Aufführung von Three Tales von Beryl Korot und Steve Reich besuchen, das sich als faszinierendes Multimedia-Werk erwiesen hat. Im Konzert mit filmischer Begleitung thematisieren Korot und Reich den Absturz der Hindenburg, die Atombombenversuche auf dem Bikini-Atoll und das Klonen des Schafes Dolly. Mein anderer Theaterbesuch 2018 ging in Die Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil von Glanzstoff – Akademie der inklusiven Künste. Wunderschöne clowneske Kostüme und Spielfreude des Ensembles haben bestens unterhalten.

Karten und Tickets.

Aber 2018 habe ich auch den einen oder anderen Besuch nicht geschafft. So hatte ich keine Zeit für die Next Level Conference und Phobos IX, das Festival for Dark Ambient, Electronic and Industrial Music in der Wuppertaler Sophienkirche verpasst. Ebenfalls nicht geschafft habe ich es zum Kunst-trifft-Geschichte-Minifestival „800 Jahre Bergisches Land“ – was allerdings vor allem daran lag, dass ich versucht habe, mit einem engagierten Mitstreiter das Ding sebst auf die Beine zu stellen und wir die erhoffte Förderung nicht erhalten haben. Was schade war, denn Veranstaltungsort und die eine oder andere Wuppertaler Kulturinstitution war schon mit im Boot.

gehört

Für deutsche Filme oder Serien habe ich meistens nur ein mildes Lächeln übrig. Nur selten kommen solche Werke an internationale Produktionen heran. Ganz anders dagegen ist es mit deutschen Hörspielen, für die ich mich meistens ziemlich begeistern kann. In diesem Jahr war Caiman Club von Edgar Linscheid und Stuart Kummer der Knaller. Eine bitterböse Politgroteske um einen skrupellosen Berliner Lobbyisten, in der man die eine oder andere reale politische Gegebenheit wiederfindet. Ein Meisterwerk. Das Hörspiel zu Der Dunkle Wald von Cixin Liu war ebenfalls großartig gemacht, aber nachdem ich vorher das Buch gelesen hatte, kam mir das Hörspiel zu stark gekürzt vor. Zum Glück gab es 2018 auch jeweils ein neues Hörspiel mit DDR-Detektiv Doberschütz und Sowjet-Schnüffler Marlov.

Aus dem Reich der Techno-Dämonen

Musikalisch habe ich mir 2018 natürlich Possessor, das neue Album von Gost angehört. Darksynth wie aus dem hektisch pulsierenden Cyberherz von Tharkold, der Welt der Techno-Dämonen im multidimensionalen Rollenspiel TORG. Ebenfalls hart, aber zugleich als eine mystische Reise hat sich Queen Of Time herausgestellt. Mit dem Album haben Amorphis 2018 zum Glück wieder auf ihre epische Musikschiene zurückgefunden. Ganz anders, nämlich soft und erstaunlicherweise ein bisschen melancholisch klangen Laing mit ihrem neuen Album Fotogena. Wenn schon Deutschpop im Radio laufen muss, dann bitte Laing. Oder Dota, formerly known as Dota und die Stadtpiraten aka Kleingeldprinzessin, die 2018 ihr neues Album Freiheit veröffentlicht hat. Nachdenkliche, aber nicht verschwurbelte, tanzbare Musik.

So weit zu Besuchtem und Gehörtem im Jahr 2018 – bald geht es weiter mit Gelesenem, Gesehenem und Gespieltem.


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