Magdas Apokalypse

Stellt euch vor, ihr erfahrt heute, dass in naher Zukunft die Welt untergehen wird. Wissenschaftlich bewiesen und unumstößlich. Noch ein Jahr, dann ist es vorbei. Ende, aus – Mickey Mouse. Genau darum geht es in Magdas Apokalypse. Oder auch nicht, denn wie wir direkt auf den ersten 3 Seiten der Graphic Novel erfahren, hat sich die Wissenschaft geirrt. Puhh, Glück gehabt, was? Oder? Wie sich aber allein die Nachricht des kommenden Weltuntergangs auf die Gesellschaft auswirkt, steht auf einem anderen Blatt. Und wie einzelne Menschen dieser Gesellschaft ihr letztes Erdenjahr verbringen auch.

Alles Wichtige verliert an Belang

Die titelgebende Magda befindet sich am Scheideweg vom Mädchen zur Frau. Sie sollte (laut einer Klassenkameradin) einen BH tragen. Morgen ist ihr 13. Geburtstag. Im Laufe der Geschichte kriegt sie zum ersten Mal ihre Tage. Und diese sehr wichtige Zeit im Leben wird völlig unwichtig, da man eben nicht mehr „sein ganzes Leben noch vor sich hat“. In Magdas Apokalypse ist es Aufgabe der Lehrer, den SchülerInnen kollektiv die Nachricht des Tages zu überbringen. Ein massiver Vulkanausbruch wird alles Leben auf der Erde vernichten. Warum soll es uns auch besser ergehen als den Dinosauriern.

Magda bekommt die Folgen dieser Nachricht jedenfalls unmittelbar zu spüren. Ihre Eltern gratulieren ihr nicht zum Geburtstag. Ist ja auch nicht mehr wichtig. Wie kann man nur so egoistisch sein und seinen Geburtstag feiern zu wollen. Dann verlässt der Vater die Familie. Er hat länger eine Geliebte und da er ja nur mehr ein Jahr hat will er dies mit der Person die er liebt verbringen. Magdas Schulfreund Leon fängt an zu rauchen und andere Drogen zu nehmen. Und Magda macht ihre ersten sexuellen Erfahrungen.

Leben am Abgrund unter widrigen Umständen

Auch in der Gesellschaft machen sich die ersten Folgen der Apokalypse breit. In der Schule fehlen die ersten Schüler. Wozu auch lernen, wenn man es eh nie mehr braucht. Der Strom fällt öfter aus, da in den Kraftwerken nicht mehr alle Arbeitsplätze besetzt sind. Auch Lebensmittel werden knapp. In erster Linie geht es in Magdas Apokalypse aber um Magda und wie sie das letzte Jahr erlebt. Wie sie hin- und hergerissen ist in einem reinen Gefühlschaos. Wie sie sich immer mehr der zunehmenden Verrohung ihres Umfeldes anpasst und dabei ihre Familie in Angst und Sorge versetzt.

Ich persönlich finde den Ansatz des Comics toll. Sollte man wirklich in so einer Situation alles tun, was man sonst nicht tut? Weil es moralisch falsch, gesundheitsschädlich oder dumm ist? Sollte man vor lauter Angst, was zu verpassen, quasi nicht richtig gelebt zu haben auf gesellschaftliche Regeln scheißen? Sind diese Regeln teilweise auch ohne das Damoklesschwert über dem Kopf zu hinterfragen? Wie wichtig ist ein gewisser, geerdeter Lebensstil überhaupt?

Magdas Apokalypse stilvoll umgesetzt

Der Zeichenstil von Carole Maurel ist sehr schön. Durchaus von Mangas und modernen Graphic-Novels inspiriert und weniger Ligne claire. Die Farbgebung passt zu den einzelnen Kapiteln, die nach den Jahreszeiten benannt sind und wirkt nicht zu knallig. Hat mir richtig gut gefallen. Autorin Chloé Vollmer-Lo zeigt aber, dass die Story wichtiger sind als die Bilder. Ich würde jedenfalls sagen, dass die Zeichnungen die tolle Geschichte tragen und unterstützen, aber nie überdecken.

Zum Abschluss hab ich noch drei Tipps, falls ihr generell an Themen wie Weltuntergang, Coming-Of-Age, Wert des Lebens etc. Interesse habt. Im Buch Blackout von Marc Elsberg geht es um die Frage, wie sich eine Gesellschaft entwickelt, wenn von jetzt auf gleich der Strom ausfällt. Beklemmend und, wie ich finde, realistisch umgesetzt. Diary of a teenage girl (Comic, aber auch super verfilmt und auf Netflix derzeit) erzählt die Geschichte von Minnie, die im San Francisco der 1970er ihre Sexualität entdeckt und dabei auf unschuldige Art die Grenzen der gesellschaftlichen Moral überschreitet. Und im Manga Ikigami – Der Todesbote wird im modernen Japan jedes Baby geimpft, mit der Folge dass jedes 1000. Kind mit einer Nanokapsel im Blut leben muss. Und diese Kapsel lässt einen zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr sterben. 24 Stunden vor seinem Tod kommt der Ikigami, ein Regierungsbeamter, und überreicht die tragische Nachricht, damit man noch sein Restleben ordnen kann. Zehn Bände, sehr zu empfehlen.

Fazit

Mir hat Magdas Apokalypse wirklich gut gefallen. Mit 192 Seiten kann man sich gut ein bis zwei Stunden mit der Geschichte beschäftigen und der Comic lädt ein, ihn immer mal wieder zu lesen. Dank des sehr schönen Stils und der klaren Erzählweise kommt man auch gut rein und muss sich nicht zu viele Fakten oder Leute merken. Rundum gelungen. Uns wurde ein digitales Testmuster zur Verfügung gestellt.


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