Marvel‘s Spider-Man

Does whatever a spider can

Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft ist wieder da. Fabian hat für Fischpott Marvel‘s Spider-Man auf der Playstation 4 gespielt.

Schwingen, Schurken hauen, zur spät zu Arbeit kommen: Das Leben von Spider-Man kommt uns oft sehr vertraut vor. Und in so ziemlich jeder Sekunde von Marvel‘s Spider-Man erkennen wir es wieder. Verbrechen verhindern und dabei Sprüche klopfen? Check. In letzter Sekunde vom Spinnensinn gerettet werden? Check. Eine komplizierte Beziehung mit MJ führen? Check. Die Liste ließe sich ziemlich unendlich fortsetzen, aber sicher möchte das niemand lesen.

Spins a web, any size

Schauen wir uns stattdessen die Story an. Minimale Spoiler folgen. Gleich zu Beginn von Marvel‘s Spider-Man geht es dem Kingpin an den Kragen. Wilson Fisk landet im Kittchen und es folgt keineswegs eine Phase der Ruhe und des Friedens, sondern eine Welle des Verbrechens. Anscheinend hat Fisk für Ruhe unter den Banden gesorgt und die Gangster der Stadt wittern jetzt ihre Chance.1 So sorgt auch etwas später eine Gruppe, die die Dämonen genannt wird, und die vielleicht eher ein Kult oder eine Terrororganisation als eine Gangsterbande ist, für massive Unruhe in der Stadt. So massiv, dass Bürgermeister Osborn die Söldnertruppe Silver Sables unter Führung von Silva Sablinova anheuert, um in New York für Ordnung zu sogen.

Catches thieves just like flies

Bürgermeister Osborn? Genau, der bekannte Schurke Norman Osborn ist in dieser Version von Spider-Mans New York der Bürgermeister der Stadt. Auch hier und da unterscheidet sich der Hintergrund ein bisschen vom bekannten Spider-Setting. So ist Otto Octavius (noch?) nicht Doc Ock, sondern ein eifriger und freundlicher Wissenschaftler, für den Peter Parker als Laborassistent arbeitet. MJ ist in Marvel‘s Spider-Man Peters Ex-Freundin und Osborn scheint auch noch nicht als Green Goblin aktiv zu sein. Auch wenn das auf den ersten Blick erhebliche Abweichungen vom Spider-Kanon zu sein scheinen, ich wette, dass das mindestens in einer Comic-Timeline des Marvel-Multiversums schon so oder ähnlich abgelaufen ist. Trotz der Änderungen erkennt man alles wieder, so ist Tante Mae Peters gesamte Familie, J. Jonah Jameson ist immer noch kein Freund von Spider-Man2 und die Schurkengalerie hat einige bekannte Gesichter ins Spiel eingebracht.

Take a look overhead

Die Story passt also schon einmal. Ebenso stimmt das Spielgefühl auf schon fast spektakuläre Weise. Das Schwingen an Fäden durch die Häuserschluchten des fantastisch aussehenden New Yorks fühlt sich sehr spidermäßig an. Die Kämpfe sind bewegungsintensiv und laufen mit viel Ausweichen und Kombos unglaublich dynamisch ab. Manchmal muss Spidey heimlich durch Luftschächte krabbeln und Schurken schnell und unauffällig einspinnen, auch das verstärkt das Spidey-Feeling. Wenn wir als Peter Parker in Octavius‘ Labor oder Tante Maes Obdachlosenasyl aktiv sind, erkennen wir den liebenswert verpeilten Alter Ego des Superhelden mit der großen Klappe sofort wieder.

Action is his reward

Dabei hat sich das Gameplay natürlich an aktuelle Gegebenheiten angepasst. Es gibt viele Möglichkeiten, die freundliche Spimme zu optimieren. Durch das Upleveln,3 das neue Fertigkeiten freischaltet. Oder auch neue Anzüge mit verschiedenen Spezialkräften und neue Gadgets, die Peter bauen kann, wenn wir für verschiedene Aufgaben erhaltene Marken ausgeben. Dabei greift das Design-Team das Konzept von Spider-Man als Wissenschafts-Held auf und lässt uns unablässig neue Gadgets bauen. Auch Mini-Games, in denen wir Chromatographien zusammenbasteln oder Schaltkreise zusammenbauen bauen auf diesem Topos auf. Nett sind hier die über die Stadt verteilten Forschungsstationen, bei denen wir auch schon einmal die Feinstoffbelastung messen oder kranke Fische im Fluss impfen müssen. Spider-Man ist halt wirklich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft und ein unverbesserlicher Nice Guy.4

Look out!

Aber auch das neueste AAA-Spidey-Game hat ein paar Schwachstellen – allerdings liegt hier das Problem größtenteils beim Games-Journalisten. So verfügt Spidey über wirklich wenig Trefferpunkte. Ein, zwei Treffer und die Spinne geht zu Boden. Verfolgungsjagden erweisen sich zum Teil als nervige Geschicklichkeitsspiele, die ein bisschen zu oft neu gestartet werden können. Scheitern ist bei Marvel’s Spider-Man übrigens keine Aktion, wird man von den Schurken überwältigt, wird der Abschnitt neu gestartet oder der Zufalls-Event5 hat einfach nicht stattgefunden. Für Dauerzocker – gerade solche mit fast schon Spider-Man‘schen Reflexen dürfte das allerdings weniger ein Problem sein. Die wollen aber vielleicht mehr Spidey: Nach knapp 22 Stunden Spielzeit auch schon 62 Prozent von Marvel‘s Spider-Man durchgespielt. Wer wochenlanges Dauerzocken erwartet, liegt hier eher falsch.

Here comes the Spider-Man

Aber im großen und ganzen stimmt bei Marvel‘s Spider-Man sehr, sehr viel: Eine unterhaltsame Story, gutes Gameplay, die Umsetzung des Spider-Man-Universums, ein kleines bisschen soziale Botschaft und Zeitgeschehen, interessante Charaktere; wie im erprobten Marvel Cinematic Universe scheint Marvel in den letzten Jahren einfach ein goldenes Händchen bei der Transformation in andere Medien zu haben.

Disclaimer: Wir haben ein Rezensionsexemplar von der Firma ToLL Relations erhalten.

  1. Dass die Gleichung „organisiertes Verbrechen = Ordnung“ vielleicht ein bisschen ein bedenkliches Menschenbild transportiert, wird nicht weiter thematisiert.
  2. Und taucht als wütender Radiomoderator mit Anti-Spidey-Agenda immer wieder in kurzen akustischen Einspielern auf.
  3. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob Upleveln wirklich zu Superhelden passt, aber das ist eine andere Geschichte.
  4. Oder eine Gut-Spinne, wie Wutbürger Jameson sagen würde.
  5. Bei dem mit zunehmendem Level immer größere Schurkenmengen irgendwo einbrechen oder Drogen verkaufen wollen.

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