Return to Silent Hill
Rezension von Ralf Sandfuchs
14 Jahre hat es gedauert, bis die Produzenten des Franchise es nach dem mittelmäßig vergurkten Silent Hill: Revelation wieder gewagt haben, der ascheverregneten Stadt des Titels einen weiteren Besuch abzustatten. Immerhin konnte man mit Christophe Gans den Regisseur zurückgewinnen, der zwanzig Jahre zuvor den wirklich gelungenen ersten Teil in die Kinos brachte (und immer noch für seinen grandiosen Pakt der Wölfe nicht genug gelobt werden kann). Doch reicht das für eine gelungene Rückkehr nach Silent Hill?
Versteht man den Film überhaupt ohne die Spiele?
Ein wichtiger Disclaimer am Anfang dieser Rezension: Ich bin kein Computer-Spieler, und meine einzigen Berührungspunkte mit diesem Universum waren bislang die ersten beiden Filme der Reihe, also Silent Hill und Silent Hill: Revelation. Von daher werde ich mich bei eventuellen Vergleichen nur auf diese beziehen (können), schön zusammengefasst vom Kollegen David hier.
Return to Silent Hill ist eine Adaption des Videospiels Silent Hill 2 aus dem Hause KONAMI, erschienen 2001für die Playstation 2. Dieser Teil der Reihe gilt unter Fans bis heute als Highlight der Serie, die inzwischen acht Haupttitel und etwa zehn Ableger, Remakes und Spin-Offs umfasst.
Die Wahl gerade dieses Spiels als Vorlage ist durchaus interessant. Zum einen wagt sich Christophe Gans damit an den „Heiligen Gral“ in den Augen vieler Fans, zum anderen filmt er ein Sequel, das keine Verbindung zu den bisherigen Filmen des Franchise aufweist (außer, dass die Stadt Silent Hill hier auftaucht).
Im folgenden Abschnitt lassen sich aufgrund der Natur des Films einige Spoiler leider nicht vermeiden, aber ich werde versuchen, sie auf ein Minimum zu beschränken.

Arthur Sutherland (Jeremy Irvine) erreicht die untergegangene Stadt Silent Hill.
Was erleben wir bei der Rückkehr nach Silent Hill?
Der Künstler James Sunderland (Jeremy Irvine) ist auf dem Weg in die Stadt Silent Hill und überfährt dabei beinahe Mary Crane (Hannah Emily Anderson), die dadurch ihren Bus verpasst, der sie aus der Stadt bringen sollte. Die beiden beginnen ein Gespräch, an dessen Ende sich die ersten Anfänge einer Liebesgeschichte zeigen, die Mary nach Silent Hill zurückbringt.
Im nächsten Moment schreckt James aus einem alkoholgeschwängerten Alptraum hoch, offensichtlich Jahre später. Wie man im Laufe der nächsten Minuten erfährt, ist seine Beziehung in die Brüche gegangen, er hat Silent Hill verlassen und sich seiner Sucht hingegeben … zumindest solange, bis ihn ein Brief von Mary erreicht, in dem sie ihn bittet, zu ihr zu kommen, nach Silent Hill.
Doch als er die Stadt erreicht, hat diese sich in ein bizarres, grausiges Abbild des Ortes verwandelt, den er von früher kannte. Rauchschwaden rauben ihm den Atem, Asche fällt vom Himmel, und in den menschenleeren Straßen begegnet er Kreaturen, wie er sie noch nie zu Gesicht bekommen hat.
James erfährt, dass eine seltsame Krankheit fast die gesamte Bevölkerung dahingerafft hat. Unter den wenigen Menschen, die er noch antrifft, befindet sich auch Maria (erneut Hannah Emily Anderson), die Mary extrem ähnlich sieht. Gemeinsam begeben die beiden sich zum Brookhaven Hospital, wo James seine verlorene Mary vermutet. Doch im Krankenhaus erwacht James plötzlich wie aus einem weiteren Traum, und eine Psychiaterin namens „M“ erklärt ihm, dass er sein Zimmer hier nie verlassen habe, seit er nach Marys Tod hier eingeliefert wurde.

Bizarre Wesen bewegen sich durch den Ascheregen über der Stadt.
Und wie war der Film?
Der Einstieg in die Handlung verläuft zunächst einmal hektisch und verwirrend. Solange man die Geschichte nicht kennt, ist an dieser Stelle und auch im weiteren Verlauf der Handlung nicht immer klar, wie die einzelnen Zeitebenen und auch Handlungsorte, zwischen denen das Drehbuch wild hin und her springt, miteinander zusammenhängen. Auch fragt man sich immer wieder unwillkürlich, was nun Realität oder Einbildung, was Flashback und was aktuelle Handlung ist. Der ganze Film wird aus der Sicht von James erzählt, doch mit der Zeit wird immer deutlicher, dass dieser kein besonders verlässlicher Erzähler ist. Weder die Handlung im aktuellen Silent Hill, noch die offenbar vorher stattfindenden Geschehnisse, nicht einmal der Rückblick auf den Tod Marys sind klar als Realität oder Einbildung erkennbar. James‘ verzerrte Wahrnehmung bestimmt somit oft genug die Sichtweise der Zuschauenden und lässt viele Dinge für Interpretationen offen. Selbst das Ende des Films ist somit nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.
Ansonsten erleben wir viele Bilder wieder, die auch schon in den vorangehenden Filmen aufgetaucht sind, so zum Beispiel die sogenannten „Lying Figures“, die sich zuckend über die Straßen bewegen und Säureblut verspritzen, und natürlich „Pyramid Head“.
Besonders auffällig ist hingegen die sogenannte „Spider Lady“, ein übermenschengroßes Spinnenwesen, das James verfolgt und extra für diesen Film entwickelt wurde. Leider versagt bei ihr jedoch die Tricktechnik, sodass dieses Wesen zwar an ähnliche Kreaturen aus John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt erinnert, jedoch in seiner im Computer geschaffenen Künstlichkeit nicht ansatzweise an deren greifbare Qualität herankommt.
Trotzdem kann der Film im Allgemeinen optisch durchaus überzeugen und erschafft auch viele atmosphärische Bilder. Ob er diese allerdings für die Erschaffung eines gewissen Gruselfaktors benutzt, darüber kann man trefflich streiten. Bisweilen muss man dem Film in seinem Ablauf eine gewisse Trägheit vorwerfen.
Wenn man (nur) die bisherigen Filme der Reihe als Grundlage heranzieht, so verwundert es doch, dass für eine komplett anders gestrickte Geschichte hier oft die gleichen Kulissen und Kreaturen herangezogen werden. Dies macht letztendlich doch eher den Eindruck eines gewollten Fan-Services als den eines natürlich entstandenen Drehbuchs.

Pyramid Head gibt sich auch hier wieder die Ehre.
Fazit
Eigentlich erwartungsgemäß wurde das Werk schon vor dem Kinostart von der Gaming-Community und auch vielen Teilen der Kritik regelrecht zerfetzt. Man rechnete von vornherein damit, dass der neue Film dem geliebten Spiel niemals das Wasser reichen könne. Dem Drehbuch wurde eine Verfälschung der Geschichte vorgeworfen, und so gut wie jede Änderung, die an der Vorlage vorgenommen worden war, wurde als überflüssig, völlig kontraproduktiv oder direkt als falsch betrachtet.
Trotzdem war Return to Silent Hill in einigen Teilen der Welt (so zum Beispiel auch in Deutschland) durchaus ein kleiner Erfolg. Insgesamt wurde er jedoch wegen der eher mittelprächtigen Einspielergebnisse – gemessen an den hohen Erwartungen – öfter als Flop bezeichnet.
Aus den genannten Gründen kann und möchte ich mich nicht an der Diskussion über die Werkstreue und die vergleichende Qualität nicht beteiligen, da ich das zugrundeliegende Spiel nicht kenne. Der Eindruck, der sich bei mir jedoch einstellte, war, dass dieser Film besser funktioniert hätte, wenn er auf die bekannten Bilder und Tropen verzichtet und sich stattdessen auf eigene Elemente verlassen hätte.
Die Figur des James Sunderland erlebt eine durchaus interessante Reise durch seine eigenen Vorstellungswelten und Erinnerungen, wobei diese die Zuschauenden immer wieder fragend zurücklässt, da sie sich selbst erklären müssen, was sie nun gerade wirklich gesehen und erlebt haben. Viele Szenen lassen sich psychologisch deuten und sind somit nicht einfach nur typische Horrorbilder. Bedauerlich ist dabei nur, dass allzu oft die Auflösung der gezeigten Rätsel fehlt, sodass bisweilen schwer zu erfassen ist, wie man einzelne Situationen im Sinne des Regisseurs verstehen soll. Von daher bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck zurück.
Trotzdem würde ich Horror-Fans, die etwas langsamer erzählte Filme mit verschiedenen Ebenen und viel Spielraum für eigene psychologische Deutungen mögen, durchaus empfehlen, Return to Silent Hill eine Chance zu geben.
Wer jedoch eine werksgetreue Adaption des Originals erwartet, der wird sicherlich enttäuscht werden.
Return to Silent Hill ist am 19. Juni 2026 als 4K Blu-ray, Blu-ray und DVD erschienen.
Disclaimer: Wir haben ein Rezensionsexemplar der Blu-ray von der Firma LEONINE Distribution GmbH erhalten.
