The Running Man
Ist es eine gesellschaftskritische Literaturverfilmung? Ein Remake mit Benefits? Oder einfach ein cozy Feelgood-Moment für alle Gen-Xer, deren Bedürfnis nach Nostalgie durch Stranger Things nicht ausreichend befriedigtwurde?
Ein Gastbeitrag von Nadja Noël
Bekannt ist den meisten Stephen Kings Roman The Running Man1 (im Deutschen Menschenjagd) wohl in der stark veränderten Filmversion mit Arnold Schwarzenegger von 1987. Nun hat sich Edgar Wright dem Stoff angenommen und tatsächlich einmal das Buch verfilmt, anstatt sich nur irgendwie lose daran zu orientieren.
Der Plot ist weiterhin recht geradlinig: Wir schreiben das Jahr 2025. Ben Richards (Glen Powell) versucht, Geld zu beschaffen um die Medikamente für seine kranke Tochter zu bezahlen. So stolpert er eher versehentlich in eine Gameshow, deren Kandidat*innen einen Monat lang um ihr Leben rennen müssen – quer durch die USA, verfolgt von den professionellen „Huntern“ und den Fans der Show. Ben ist ein guter, hart arbeitender Mann mit einem leichten Agressionsproblem und eignet sich damit perfekt für das große TV-Spektakel. Jeder Tag, den er überlebt und jeder Hunter, den er tötet, bedeuten eine Bonuszahlung für seine Familie.

© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.
Weniger geradlinig ist alles andere: Noch vor dem Vorspann werden wir in die Handlung geschmissen. Irgendein Typ, vermutlich Ben, steht mit einem Kind auf dem Arm in einem schrammeligen Büro und versucht, seinen alten Job zurückzubekommen. Das gelingt natürlich nicht, trotz Mitleid heischen und Gewalt androhen, und entsprechend angespannt ist das anschließende Gespräch zwischen Ben und seiner Frau Sheila (Jayme Lawson). Die Dialoge dieser Szenen könnten so direkt aus dem Schwarzenegger-Film von 1987 stammen.
Erst dann, wenn man schon nicht mehr damit rechnet, beginnt die Eröffnungssequenz des Films, in der Ben zu Sly Stones Song Underdog durch die Straßen Co-Op Citys nach Hause läuft und und so in die Welt des Films einführt. Dabei fällt auf, dass auch die Autos, die Architektur und die Kostüme aus einem Film der 1980er stammen könnten. Für diesen Look gibt es direkt mal zehn begeisterte Bonuspunkte. Aber warum diese Szenenfolge? Völlig unklar.
Vom ersten Moment an werden so zugleich die größte Schwäche und eine der großen Stärken dieses Films offenbar: Chaotische Schnitte und anstrengende Szenenwechsel auf der einen Seite, eine stimmige Mischung aus 1980er-Zukunftsvision und einer dystopischen Version von 2025 auf der anderen.
Und so geht es dann etwa zwei Stunden lang weiter: Von feinsinnig lustig zu klaustrophobisch, von banal blutig zu schmalzig romantisch rast der Film von Szene zu Szene, so hektisch und nervös wie sein Protagonist. Manche Szenen sind so verwirrend geschnitten, dass wir sie mittendrin kurz durchdiskutieren mussten. Die Musik fällt entweder gar nicht auf (was ja gut ist), oder klingt, als hätte Regisseur Edgar Wright irgendwie die Lieblingslieder seiner Eltern unterbringen wollen. Die Figuren sind mal eine Reminiszenz an kitschiges Action-Kino der 1980er und mal ganz klar Kinder des neuen Jahrtausends. Ben und Sheila sind eher Pappkameraden als authentische Figuren, dafür sind aber die anderen Figuren interessant. Und auch das Casting überzeugt durchgehend; besonders gut gefallen hat mir Josh Brolin als Medinmogul Dan Killian. Am Ende des Film hatte ich mich über vieles geärgert, war aber auch sofort bereit, ihn noch einmal zu schauen. Wer kann heutzutage nicht ein bisschen gemütliche Nostalgie gebrauchen? Zumal es für King-Fans auch noch jede Menge Easter Eggs zu entdecken gäbe.2

© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.
Die Extras auf der DVD sind leider eher ökonomisch als reichlich. Zunächst gibt es den Regie-Kommentar mit Edgar Wright, Glen Powell und Drehbuchautor Michael Bacall. Und wenn man etwas mehr Material für das obligatorische Making-Of dreht, kann man es in drei thematisch leicht unterschiedliche Teile hacken und hat dann direkt … vier Extras insgesamt! Total praktisch!
Ich persönlich hätte gern ein paar Deleted Scenes gesehen, die vielleicht Ordnung in das Chaos des Films bringen, aber die fetten Jahre sind einfach vorbei. Damit kann man sich abfinden. Was mich dagegen wirklich geärgert hat: Der viel zu leise Ton, sowohl bei der deutschen als auch bei der englischen Tonspur. (Den englischen Ton gäbe es auch als Dolby Atmos, das konnten wir aber leider nicht testen.)
Fischpott Disclaimer: Wir haben von Leonine Studios ein Rezensionsexemplar erhalten.
1Zu deutsch Menschenjagd, veröffentlicht 1982 unter dem Pseudonym Richard Bachman
2Grüße aus Derry!

Kommentare
The Running Man — Keine Kommentare
HTML tags allowed in your comment: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>