The Shape of Water

Das Flüstern des Wassers

In The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers von Regisseur Guillermo del Toro verschmelzen Märchen und Horrorfilm, Romanze und Komödie miteinander.

Die Menschen ham scheint’s ne Art Verwandschaft mit solch’n Wasserviechern, weil alle Lebewese’n früher mal aus’mWasser gekomm sind un sich bloß’n bisschen verändern brauchen um wieder zurückzukönn.
– H. P. Lovecraft, Schatten über Innsmouth

Es ist schon seltsam, dass die schuppigen Fischleute aus alten Horrorstorys, von Lovecrafts Tiefen Wesen bis zum Schrecken vom Amazonas immer wieder nur eins im Sinn zu haben scheinen: Sex mit Menschen. In diesem Licht erscheint die Prämisse von del Toros neuem Film, The Shape of Water, dann eigentlich ganz normal. Nämlich dass eine Frau und ein Fischmonster füreinander geschaffen sind.

© 2017 Twentieth Century Fox

Der Fischmann ihrer Träume

Die frühen Sechziger. Die stumme Putzfrau Elisa (bezaubernd: Sally Hawkins) arbeitet in einer Forschungseinrichtung des US-Militärs. Jede Nacht putzt sie dort Gänge und Klos, unterhält sich dabei mit ihrer Kollegin Zelda (sassy: Octavia Spencer), tagsüber schläft sie aus und unternimmt mit ihrem Nachbarn Giles (liebensweert: Richard Jenkins) Ausflüge zum nächsten Kuchenladen. Ihre Routine aus Morgenritualen (Rauchen, Eier kochen, Masturbation in der Badewanne) und Job mit Mob gerät ins Schlingern, als ein Mann in ihr Leben tritt. Richard Strickland (fies: Michael Shannon) hat stets seinen Elektroschlagstock in der Hand und eine Schachtel Bonbons in der Jackentasche. Sein Job in der Forschungseinrichtung ist die Überwachung eines Objektes, dass er eigenhändig aus dem Amazonasgebiet mitgebracht hat.

Dieses Objekt, so erzählt Strickland, war der Gott eines Amazonasstammes, der von einer Ölgesellschaft vertrieben wurde. Ein lebendiger Gott, der gottesfürchtigen Amerikanern wie eine Blasphemie erscheinen muss. Vereint er doch die menschliche Gestalt mit Schuppen, Schwimmhäuten und der Fähigkeit sowohl Luft als auch Wasser zu atmen. Genau, die Wissenschaftler untersuchen ein Geschöpf, das dem Film Der Schrecken vom Amazonas von 1954 entsprungen zu sein scheint. Nur, dass der amphibische Mensch (Doug Jones) weitaus eleganter und sogar ein bisschen sexy ist.

© 2017 Twentieth Century Fox

Wenn die Liebe ins Wasser fällt

Zunächst schirmen die Wissenschaftler – unter ihnen Bob (melancholisch: Michael Stuhlbarg) – das Personal von ihrem Forschungsobjekt ab. Nach einem Zwischenfall, der Strickland zwei Finger kostet wird ihnen klar, dass auch um das Becken des Kiemenmanns sauber gemacht werden sollte. So kommt Elisa mit dem Wesen in Kontakt. Bald findet sie heraus, dass es hartgekochte Eier, Musik und nach einiger Zeit auch Elisa liebt. Als sich die Forscher dazu entschließen, die Forschung mit einer Vivisektion zu beenden, muss sie handeln. Das amphibische Wesen muss befreit werden.

So weit die Handlung – oder vielmehr die erste Hälfte – von The Shape of Water. Der Film dreht sich vor allem um die erwachende Liebe von Elisa, wobei das Monster eigentlich eine Leerstelle bleibt. Bis zum Ende ist nicht ganz klar, ob es ein schlaues Tier, ein Mensch mit Kiemen oder eben doch ein Wassergott ist. Aber um so vielschichtiger sind die menschlichen Protagonist*innen des Films. Allen voran Sally Hawkins, der man die lebensfreudige Außenseiterin sofort abnimmt. Und Michael Shannon, der selbst als sadistischer Macho nachvollziehbar bleibt. So hat man schnell den Eindruck, dass ihm selbst ebenfalls unangenehme Schweinehunde im Nacken sitzen. Auch Jenkins, den man vielleicht noch als Vater Fisher aus Six Feet Under kennt, spielt den angesichts der Fototechnik arbeitslosen, alternden und homosexuellen Werbe-Illustrator mit wahrer Spielfreude.

Prinzessin und Froschmann

Zum hervorragenden Cast kommt dann noch die Ausstattung. Del Toros Team trifft das Temporalkolorit der Sechziger genau und verleiht den Szenen durch die von Dunkelheit und Grüntönen dominierte Farbgebung einen ganz besonderen Zauber. Dadurch erhält The Shape of Water um so mehr eine märchenhafte Qualität. So erinnert der Film ein wenig an E.T., nur dass wir es hier mit einer Version für Erwachsene zu tun haben. Denn ein bisschen sexy ist die Geschichte mit dem Fischmann schon. Und wo ein Märchen vielleicht schon nach der Befreiung abblenden würde, zeigt The Shape of Water noch das gemeinsame Leben von Prinzessin und Froschmann nach dem ersten Happy End.

Ein aquatisches Wesen schaut aus einem Becken heraus.

© 2017 Twentieth Century Fox


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