The Wire – eine Liebeserklärung an eine Serie.

Ich sitze in meinem Zimmer – und langweile mich. Zu Tode. Das passiert mir oft. Zum Glück bin ich Serienjunkie. Das bedeutet: ich habe nie mehr als 30 Minuten Langeweile. Irgendeine Serie wird es schon geben, die ich gucken kann. Und wenn die zu Ende ist, dann fang ich eben eine neue an.

Heute ist das anders. Gerade ist eine Serie zu Ende gegangen. Nach 5 Staffeln. 60 Episoden. Das sind 60 Stunden. Und ich weiß nicht, was ich als nächstes gucken soll. Denn nach dieser Serie hatte ich das Gefühl, nichts geringeres als die beste Serie der Welt gesehen zu haben.

Der Titel dieser Serie ist „the Wire“.
Sie erzählt von den sozialen Problemen in der der Stadt Baltimore. Die schwarze Bevölkerung in dieser Stadt ist nicht gebildet und lebt größtenteils in Sozialbauten. Keine Chance auf einen richtigen Job oder ein normales „bürgerliches“ amerikanisches Leben.
Darum wird vertickt. Dope, Koks, Heroin. Und zwar im ganz großen Stil. Die Polizei versucht verzweifelt, der Lage Herr zu werden. Vergeblich natürlich. Denn stecken sie nach monatelanger Arbeit endlich einen hochrangigen Dealer in den Knast, kommt sofort ein neuer.

Crashkurs Politik und Gesellschaft (in den USA)

Schnell wird klar: Das ganze wird nie ein Ende haben. Denn solange das Geld fließt, solange es Junkies gibt, geht der Drogenhandel auch weiter. Ein strukturelles Problem. Denn irgendwie muss man als Schwarzer aus der Unterschicht ja zu Geld kommen. Das bringt dann eben auch den Drogenkrieg mit sich. Gewalt, Morde, Kriminalität. Die einzelnen Akteure können nichts dafür. So ist eben das System. Das macht „the Wire“ herrlich antirassistisch – fern ab von dummen Pauschalisierungen wie „die Schwarzen verticken doch eh nur alle Drogen“ oder „jeder kann etwas aus sich machen, keiner muss auf der Straße leben, die wollen das doch so“.
Aber auch auf der Gegenseite sind die Charaktere nur Spielbälle von etwas Größerem.
Die Polizei von Baltimore hat alle Hände voll zu tun, die Kriminalitätsrate zu senken. Und zwar schnell, damit die Statistiken besser aussehen. Negativschlagzeilen über Kriminalität werden von ganz oben, dem Bürgermeister, nach ganz unten weitergegeben. Und so tun die Beamten, was sie tun müssen. Dealer auf der Straße zusammenschlagen, kleine Verhaftungen durchführen. Aber die großen Bosse? Fehlanzeige!

Ein sympathischer Haufen Versager

Neben Politik und Gesellschaft kommen aber auch die Charaktere nicht zu kurz. Die Spezialeinheit des BPD, die große Fische aus dem Drogensumpf zieht, ist ein sympathischer Haufen Versager, oft mit Alkoholproblemen, sie sind Querdenker, Idioten. Und Du wirst jeden einzelnen von ihnen lieben! Genauso wie Baltimores fieseste Gangster. Auch wenn sie haufenweise Leichen produzieren. Jeder einzelne Charakter ist hervorragend gezeichnet und in Szene gesetzt.

Drogenerfahrung

Dass „the Wire“ so gut ist, liegt vor allem daran, dass die Serie ehrlich ist. Und gnadenlos zeigt, wie es ist. Kein wunder, denn der Autor David Simon arbeitete 13 Jahre bei der Baltimore Sun. Er schrieb als Polizeireporter über das Milleu, kennt sich also bestens aus. Er weiß, dass nicht nur die Dealer und Junkies, sondern auch die Polizeiführung und die Politik Dreck am Stecken haben. So bekommt auch die Obrigkeit ihr Fett weg und wieder lernen wir, dass es eben nicht die Schwarzen sind, die gerne ein Leben als Kriminelle führen und Drogen verkaufen und Leute erschießen. Je länger die Serie läuft, desto mehr werden die Zuschauer die tiefgründigen Verflechtungen klar.
Kurz gesagt: diese Serie hat wirklich alles. Großartige Dramaturgie, Ehrlichkeit, Tiefgang, fein geschliffene Charaktere und ein tolles Set.
Genau darum ist sie vielleicht wirklich: die beste Serie der Welt.
Auf jeden Fall wird sie dich mitnehmen und verschlingen. Und darum frage ich mich immernoch, was ich jetzt sehen soll, nachdem ich „the Wire“ gesehen habe.

JKG

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The Wire gibts in einer 5-DVD Box als Gesamtaugabe. Sie kostet 99 Euro.
„the Wire“ bei IMDB


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