Battlefield 1 (EA DICE) für Playstation 4

„Im Kriege verlieren alle, auch die Sieger.“
– Schwedisches Sprichwort

Alle Jahre im Herbst blickt die Zockergemeinde gespannt auf das, was an Ego-Shooter-Nachschub in den nächsten Wochen und Monaten in den Konsolen oder PCs rotieren wird.
EA hatte uns voriges Jahr mit Hardline und Battlefront gleich zwei Titel spendiert, von denen aber leider keiner an Battlefield 4 rankam.
Dieses Jahr aber wurde mit Battlefield 1 ein Ego-Shooter auf die Spieler losgelassen, das sich erstmals mit dem ersten Weltkrieg beschäftigt und dabei die „altehrwürdigen“ Schlachtentugenden von Battlefield zurückbringen sollte.

Die Kampagne – Schlamm und Blut

Kriege sind nie schön und der erste Weltkrieg mit seinen Grabenkämpfen, dem Senfgas und den Kämpfen Mann gegen Mann war keine Ausnahme. Und genau diese Schrecken des Krieges lernen wir gleich am Anfang der Kampagne von Battlefield 1 kennen. Ohne große Vorbereitung werden wir in die Schlacht geworfen, inmitten von Kugelhageln, einschlagenden Mörsergranaten und Menschen, die um ihr Leben kämpfen. Und so kommt es, dass wir innerhalb der ersten Mission in verschiedene Protagonisten schlüpfen und hautnah ihren Tod erleben. Menschen als Schlachtvieh des Krieges. Nach jedem Tod erscheint dann noch kurz der Name des gefallen Soldaten mit Geburts- und Sterbedatum.
Selten wurde das Grauen eine Krieges am Anfang eines Spieles so gut verdeutlicht.

Auch im weiteren Verlauf der Kampagne schlüpfen wir in verschiedene „Helden“ und erleben so den ersten Weltkrieg mal aus der Perspektive eine Piloten, mal als Soldat in der Wüste.
So gelingt es der Kampagne die diversen Facetten des ersten Weltkrieges zu beleuchten und dem Spieler zu ermöglichen mal durch die Wüste zu reiten oder mit einem Kriegszeppelin für ordentlich Verwüstung zu sorgen.
Auf der anderen Seite gibt es keinen Protagonisten (oder eine Band of Brothers wie bei Bad Company) der einem besonders ans Herz wächst.
Die Kampagne macht aber Spaß und hat mit sechs bis acht Stunden Spielzeit die übliche Länge bei Ego-Shootern.

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Der Multiplayer-Modus – Kugeln und Mörsergranaten

Neulich spielte ich bei Battlefield 1 Eroberung und lag angeschlagen neben einer Fahne, um sie einzunehmen. Um mich herum schlugen Granaten ein, während ein verfeindeter Panzer das Gebäude in Schutt und Asche legte. Plötzlich lief ein brennender Soldat schreiend vor mir her und ich lag dort und dachte nur so „was geht denn hier ab?!“.

Schon bei Battlefield 4 waren die Online-Schlachten – gerade auf den großen Karten – wirklich beeindruckend aber hier legt Battlefield 1 nochmal eine ordentliche Schüppe drauf.
Aber erst mal alles auf Anfang.
Bei Battlefield 1 kann der Spieler sich für eine von vier Klassen entscheiden.
Der Sturmsoldat – der mit MPs oder Schrotflinten bevorzugt in den Nahkampf geht und mit einer Panzerbüchse, Fahrzeuggranaten oder Minen für die Zerstörung von Fahrzeugen zuständig ist.
Der Versorgungsoldat – der mit einem MG bewaffnet seine Kameraden mit Munitionsnachschub versorgt oder aus der Entfernung mit Mörserschlägen ordentlich Rabbatz macht.
Der Sanitäter – der mit Gewehren hantiert und durch Medipacks heilt oder gar tote Soldaten wiederbeleben kann.
Der Späher – der mit Scharfschützengewehre auf Entfernung Gegner wegknipst und durch „spotten“ Gegner markieren kann.

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Wie bei Battlefield üblich kann man mit bis zu fünf Spieler in einem Squad zusammen zocken, was den Vorteil bringt, direkt bei Squadmitgliedern spawnen zu können und Bonuspunkte einbringt, wenn man sie mit Munition oder Heilung versorgt, oder die vom Squadleader angesagten Spielziele erledigt. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist das Erreichen des Spielziels (wie das Einnehmen von Flaggen) bei Battlefield inzwischen wesentlich wichtiger und gibt mehr Punkt als das einfache Töten von Gegnern. Eine Entwicklung die ich sehr gut finde, da man so die Spieler eher motiviert am wirklichen Spiel teilzunehmen, als irgendwo in der Ecke zu hocken und nur auf Kills zu gehen.
Weiterhin macht es wirklich auch Sinn als Squad zusammen zu arbeiten und taktisch vorzugehen, wenn man die einzelnen Spiele gewinnen will.

Bei Battlefield 1 gibt es natürlich wieder jede Menge Fahrzeuge, wie leichte und schwere Panzer, Mopeds, Artilleriewagen, Doppeldecker und Bomber. Neu sind die Pferde, auf deren Rücken man sich schnell von Punkt zu Punkt bewegen kann und auf denen man mit dem Säbel auch im Nahkampf ordentlich Schaden anrichtet.
Die Panzer sind schon recht schwer zu knacken und auch hier muss man sich am besten mit mehreren Squadmitglieder zusammentun, um diese Ungetüme zu stoppen.

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Eine weitere gelungene Fahrzeug-Neuerung ist der Einsatz des Panzerzuges/Dreadnought/Zeppelin – der irgendwann für das Team das hinten liegt ins Spiel kommt und durch seine große Feuerkraft dafür sorgen kann, dass man nochmal Anschluss findet.

Statt einzelne Waffen mit verschiedenen Aufsätzen aufzurüsten, hat man bei Battlefield 1 bei jeder Klassen vier Waffen in drei verschiedenen Variationen – Mal mit Visier, mal Ohne, mal für den Nahkampf aus der Hüfte, mal für Kämpfe auf Halbdistanz. Dadurch ist das Spiel viel ausgeglichener und es kommt mehr auf die eigenen Fähigkeiten an, als auf das Equipment.

Neben den Klassikern Eroberung, Rush und Team-Deathmatch gibt es bei Battlefield 1 zwei neue Spielmodi. Beim kurzweiligen Kriegstauben-Modus geht es darum ein Exemplar dieser Flattermänner auf der Karte zu finden, um seinen Alliierten eine wichtige Nachricht zukommen zu lassen. Der andere neue Modus nennt sich Operationen und ist alles andere als kurzweilig. Hier werden ganze Schlachten nachgebildet, in dem man auf mehreren Karten nacheinander verschiedene Frontabschnitte einnehmen und halten muss. Das Ergebnisse der einzelnen Operationen wirken sich dann auf die nachfolgenden Operationen aus.
Dadurch wird dem Spieler tatsächlich ein wenig das Gefühl für die im ersten Weltkrieg so typischen Grabenkämpfe an der Front vermittelt.

Natürlich gibt es bei Battlefield 1 auch wieder die Außeneinflüsse wie Regen, Nebel oder Sandstürme, die den Karten nicht nur Leben einhauchen, sondern auch dafür sorgen, dass auf den großen Karten nicht jeder zweiter Spieler sich als Späher in irgendeinem Bergkamm verschanzt.

So schön kann Krieg sein

Technisch ist Battlefield 1 über alle Zweifel erhaben. Die Grafik bewegt sich auf ähnlich hohem Niveau wie schon bei Battlefront. Manchmal erwische ich mich sogar mitten im Spiel, wie ich vom Detailgrad der Grafik eingenommen bin, wenn beispielsweise der Regen von meiner Waffe perlt oder Dreck von den Ketten eines Panzers herumwirbelt. Meistens werde ich währenddessen erschossen, aber das ist es wert.

Das Spiel läuft flüssig und geht auch bei 64 Spielern und ordentlich Rambazamba auf der Bildschirm nur ganz selten mal in die Knie.
Lediglich die Menüs sind laggy und unheimlich langsam. So wird es nach jedem Spiel zur Geduldsprobe, sich sein Spielergebnis genauer anzusehen.

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Fazit

Die Egoshooter-Krone geht in diesem Jahr eindeutig an EA DICE und Battlefield One.
Sie haben es geschafft, der Serie mit dem Thema des Ersten Weltkrieges einen neuen, frischen Anstrich zu geben, ohne aber das typische Battlefield-Feeling aus den Augen zu verlieren.
Battlefield 1 überzeugt durch ein hohes technisches Niveau und ein gut ausbalanciertes Gameplay, das genug taktische Tiefe besitzt, um geneigte Egoshooter-Freunde Stunden, wenn nicht Tage vor dem Bildschirm zu fesseln. Und wenn EA DICE jetzt noch die nervigen Kleinigkeiten wie das lahme Menü oder das zähe Spotting in den Griff bekommt, ist Battlefield 1 – zumindest bis zum Herbst nächsten Jahres – der König der Egoshooter.

Fischpott-Disclaimer: Wir haben ein Rezensionsexemplar von EA Games erhalten.

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