Kraftklub – In Schwarz

In Schwarz ist das zweite Studioalbum von Kraftklub und folgt damit dem 2011er-Erstling Mit K. Man kann zusammenfassen: Musikalisch reifer, die Strophen besser, die Refrains jedoch schlechter als beim Vorgänger.

kraftklubZentrales Stilmittel der bekennenden Nichtberliner aus Chemnitz bleibt die Pervertierung gängiger Klischees. Sie werfen Ihren Fans vor, Mainstream geworden zu sein („Unsere Fans“), verweigern sich der allgegenwärtigen Aufforderung, „einfach man selbst“ zu sein („Wie Ich“), demonstrieren, einzig um ihrer neuen Flamme zu imponieren („Hand in Hand“) und gestehen, dass Ihre Gang nicht aus harten Typen, sondern eigentlich aus ganz netten Jungs bestehe („Deine Gang“). Das sind alles keine Geniestreiche, dennoch muss erstmal jemand drauf kommen. Kraftklub kommen drauf.

Wie schon bei Mit K finden sich zahlreiche Erwähnungen zeitgenössischer Popkultur. Diese kommen aber weniger populistisch daher als noch zuvor (Mario Barth nicht witzig zu finden wie in „Songs für Liam“ ist jedenfalls kein allzu gewagtes Statement). Eine deutliche und ohne jedes Augenzwinkern daherkommende Ablehnung von voyeuristischem TV-Genuss a lá „Bauer sucht Frau“ überrascht beim Hören von „Schüsse in die Luft“ doch sehr; man wartet den ganzen Song lang auf den ironischen Bruch, das comic relief, jedoch: Es bleibt aus. Der Song ist ernst gemeint, er ist wütend, und er ist gut. Eine Aufforderung, mal auf die Straße zu gehen und was zu ändern. Kraftklub beweisen hier, dass sie keinesfalls zu den zwanghaft „ironisch Distanzierten“ gehören, die Oliver Uschmann in seinem Klassiker Hartmut und ich so wundervoll auf’s Korn nahm.

Das steht natürlich in scharfem Kontrast zu „Hand in Hand“ – ein Typ geht mit zu einer Demo, weil er in eine Mitdemonstrantin verliebt ist. Er weiß nicht, worum es geht, es interessiert ihn auch nicht. Solche Widersprüche erlauben sich Kraftklub. Solche Widersprüche muss man als Hörer aushalten und ich finde, dass sie ein Album sehr bereichern können und dies hier auch tun. Eine große Stärke von In Schwarz ist überhaupt, dass sich kein Thema wiederholt. Liebe, Trauer, das Single-Leben, Depressionen oder einfache Blödeleien wie „Mein Rad“ – die Jungs haben sich textlich was einfallen lassen. Und Text gibt es reichlich auf diesem Album.

Das soll nicht heißen, dass wir es mit einem Meisterwerk zu tun haben: Einige Reime wie „Urlaub“ auf „Urlaub“ und „Vor-der-Tür-Steher“ auf „Türsteher“ sind keine Reime, sondern einfach Wortwiederholungen. Die Refrains sind häufig Einzeiler und nicht sehr eingängig, einen Geniestreich wie bei „Songs für Liam“ sucht man auf diesem Album vergebens. Und eine simple Einspielung wie „Vorm Proberaum (Skit)“ – kein Lied, sondern nur ein Gag – das dürfen vielleicht Die Ärzte. Kraftklub müssten sich das erst noch erarbeiten.

Dennoch: Es ist ein starkes Album. Textlich ist mit Kraftklub zu rechnen, der Sound passt immer sehr gut zum Text und hat in vielen Fällen Ohrwurmpotential (z.B. bei „Deine Gang“). Lobend zu erwähnen ist auch Caspers Gastauftritt in „Schöner Tag“, der die suizidale Stimmung des Liedes gegen Ende noch einmal schön auf die Spitze treibt. Ganz und gar kein schöner Tag, der da besungen wird. Ein paar Songs fallen ab („Alles wegen Dir“, „Zwei Dosen Sprite“ und „Meine Stadt ist zu laut“) – alles in Allem aber eine klare Kaufempfehlung für In Schwarz.


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