Los Muertos

¡Es leben die Toten!

Stell dir vor, der Tod ist nicht das Ende. Stell dir vor, die Religionen haben recht. Stell dir vor, dass es Götter gibt und Dämonen. Stell dir vor, du läufst als Skelett durch eine knallbunte Unterwelt.

Moment was?

Ein Skelett in verführerischer Pose. Es trägt Schlüpfer und BH, es wirft den Schatten einer attraktiven Frau.

Eine Muerta von Timo Grubing

Los Muertos vom Prometheus Verlag ist ein Pen-and-Paper-Rollenspiel, Untergattung Fantasy. Allerdings schlüpfen die Spielerinnen nicht in die Rolle von Zwergenkriegern, Elfenmagierinnen und Barbaren sondern von frisch Verstorbenen. Statt in einem monotheistischen Himmel oder einer Hölle erwachen diese Spielfiguren in einem sonnenbeschienenen Grasland. Bar allen Fleisches, aber auf mystische Art und Weise lebendig. Wie in Darstellungen des mexikanischen Día de los Muertos sind sie als Skelette im Jenseits unterwegs. Ziel des Spiels ist es, weiterzureisen, den Weg durch Labyrinthe und Wüsten zu finden, einen Ozean zu überqueren und schließlich einen geheimnisvollen Ort namens Mictlan zu erreichen. Oder die Unterwelt möglichst kreativ durcheinander zu wirbeln, je nach Spielgruppe.

Die Namen Mexiko und Mictlan bieten schon einen Hinweis auf den philosophischen Überbau: Die Unterwelt von Los Muertos ist angelehnt an die Mythenwelt der Azteken. Kenntnisse in Geschichte und Religion dieser Kultur sind allerdings nicht nötig, alles erklärt sich von selbst beziehungsweise wird im Verlauf des Spiels erfahren. Die Regeln sind schön einfach. Im Gegensatz zu typischen Rollenspielen, die bei denen ganze Seiten mit Charakterwerten gefüllt werden können, reichen bei Los Muertos sechs Einträge: Soziales, Kämpfen, Wille, Körper, Sinne und Geistiges.

Ass im Ärmel?

Ein Mann mit dem Unterkörper eines Hundes. Freundlich lächelnd lüpft er seinen Hut.

Xolotl von Timo Grubing

Stellt sich im Spiel die Frage, ob einer Toten ein Unterfangen gelingen mag, zieht der Spieler eine Anzahl von Karten in Höhe der passenden Eigenschaft. Jede rote Karte (Herz oder Karo) bedeutet eine Erfolgsstufe, rote Asse zwei Erfolge, schwarze Asse ohne rote Karten einen herben Misserfolg. Dieses System kommt ungemein einsteigerfreundlich rüber, könnte aber Hardcore-Würfelnerds verschrecken. Da Los Muertos in der Pocket-RPG-Reihe erschienen ist, die sich auch an weniger alte Häsinnen wendet, sicherlich passend.

Bei einem so schlanken System stellt sich natürlich die Frage: Warum umfasst Los Muertos mehr als 130 Seiten? Weil alle Ebenen beschrieben werden und zwei Beispielabenteuer für jede Ebene mit dabei sind, insgesamt also Grundrezepte für 18 Spielabende. Spätestens hier stoßen Einsteiger ohne Rollenspielerfahrung allerdings an ihre Grenzen: Die Abenteuer sind mehr oder weniger skizzenhaft umrissen und verlangen einen Spielleiter mit Improvisationstalent und Einfühlungsvermögen.

Die geliebten Toten

Ein Äffchen mit einer Knochenhand am Ende des Schwanzes.

Ahuizotl von Timo Grubing

Los Muertos ist ein frischer Wind in der Rollenspielszene. Die wunderschöne Idee des Autors André Pönitz wird vom kongenialen Illustratoren- und Layouterduo Timo Grubing und Volker Konrad perfekt umgesetzt. Für ein Wirken außerhalb des Hobbyisten-Dunstkreises bleibt Los Muertos doch zu sehr im Insiderduktus der der Rollenspielszene. Aber selbst für echte Hardcoregamer, die ein einfaches Rollenspiel nicht mit der Kneifzange anfassen würden ist Los Muertos ein wunderbarer Ideenbaukasten, der als Fate– oder Gurps-Setting sehr rund laufen würde.

Los Muertos ist im Prometheus Verlag erschienen, kostet als Buch 14,95 Euro und ist aber auch als freie Download-PDF erhältlich.

Ein Ruderboot, darin ein Skelett mit Engelsflügeln, eines mit einem Zeitungshut, eines im Kleid mit Doppeldutt und eines mit Gamsbarthut. Neben dem Boot treibt ein Rettungsring, darin ragt eine Knochenhand aus dem Wasser, die mit dem Zeigefinger in eine Richtung weist.

Gezeitenkabinett von Volker Konrad

Disclaimer: Fischpott hat ein Rezensionsexemplar erhalten.


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