War Dogs (USA 2016)

wardogsEin Gastbeitrag von Ulf.

Mit War Dogs kommt demnächst ein neuer Film von Todd Phillips (unter anderem Hangover, Due Date oder die Starsky & Hutch-Verfilmung) in die deutschen Kinos. Ich hatte urlaubsbedingt im Ausland die Gelegenheit, den Film schon zu schauen. Vermarktet wird das Werk in Deutschland, wenn man den Trailer als Grundlage nimmt, als neue Komödie im Stil von Hangover. Also viel kruder Humor, Schimpfwörter und abgefahrene beziehungsweise eher abgefuckte Situationen, dazu sehr präsent Jonah Hill und Bradley Cooper. Jonah Hill ist gerade dabei, sich auf positive Weise von einem reinen Comedy-Image zu lösen, seine Rolle in The Wolf of Wall Street hat er dabei auch wirklich grandios gespielt.

Um mal Entwarnung zu geben, War Dogs ist keine Komödie. Das heißt nicht, dass der Film total ernst oder anspruchsvoll ist, aber die typischen WTF-Momente ergeben sich eher aus der Handlung und nicht aus einer Aneinanderreihung von dubiosen Situationen mit Kotz- und Fäkalhumor.
Zur Handlung: David Packouz (Miles Teller) ist mit seinem Leben nicht zufrieden, er schlägt sich mehr schlecht als recht als Masseur durchs Leben. Sein großer Plan, Bettlaken an Altersheime in Florida zu verkaufen läuft auch nicht wirklich. Da trifft es sich gut, dass er auf einer Beerdigung seinen alten Kumpel Efraim Diveroli (Jonah Hill) trifft. Dieser ist einigermaßen groß im Waffenbusiness mit seiner Firma AEY Inc. (falls ihr Euch fragt, wofür das steht: Für nix). Die Geschehnisse im Film beruhen dabei lose auf einem von Guy Lawson für das Rolling-Stone-Magazin verfassten Artikel, für den Film entsprechend dramatisiert und verändert.

Say hello to my low cost friend

David steigt in Ephraims Firma mit ein. Während die Firma wächst, kommt es zu diversen unglaublichen Situationen, die am Ende in dem „Afghan Deal“ kulminieren, bei dem sich die beiden als Anbieter von 100 Millionen AK47-Patronen gegen die Konkurrenz durchsetzen und damit vor einem Problem stehen. Denn zwar können sie die Munition beschaffen, die stammt allerdings aus China. Ihr Verkauf wäre somit ein Verstoß gegen US-Gesetze (siehe unten). Ebenfalls ein Problem ist Efraims Einstellung – dieser entpuppt sich bald als verlogener Soziopath, der Tony Montana aus Scarface als Vorbild hat und sich entsprechend benimmt. Scarface zieht sich als Leitmotiv durch den Film, es gibt sogar ein War Dogs-Filmplakat, das Brian De Palmas Meisterwerk nachempfunden ist.

Saubere Waffen, aber günstig

Sehr interessant auch die Infos über den Waffenhandel an sich. Die US-Regierung schreibt bestimmte Kaufanfragen aus, indem zum Beispiel mit einer Frist versehen eine bestimmte Menge an Pistolen, Panzern oder Munition gesucht wird. Innerhalb dieser Frist können sich alle Anbieter bewerben beziehungsweise Gebote abgeben und das attraktivste Gebot gewinnt. Sollte man dabei gegen bestimmte Regularien verstoßen (zum Beispiel Waffen aus Ländern anbieten, die von US-Seite mit einem Embargo versehen sind oder seinen Vertrag nicht erfüllen können) wird man als Händler gesperrt. Wer sich jetzt fragt, warum die Regierung nicht einfach amerikanische Rüstungsfirmen mit derartigen Geschäften beauftragt beziehungsweise den gesuchten Kram nicht einfach anfertigen lässt: Wenn man zum Beispiel die irakischen Polizeikräfte mit Waffen und Munition ausrüsten will und vor Ort jede Menge Pistolen der Marke Beretta vorhanden sind oder die afghanischen Sicherheitskräfte mit der AK-47 operieren, dann muss man über diverse, eher dunkle Kanäle versuchen, Munition und Zubehör für diese Waffen zu beschaffen. Kompliziert wird das Ganze, wenn zum Beispiel Italien nicht in den Irak liefert oder man auf gar keinen Fall Munition aus Nicht-NATO-Ländern kaufen will (also keine chinesischen AK-47 Patronen). Und genau da kommen Firmen wie AEY ins Spiel, die mit kleinen Verträgen immer noch genug verdienen. Wobei auch hier natürlich offiziell nix Illegales veranstaltet werden soll wegen Liste und so.

Um dieses Review zum Ende zu bringen: War Dogs ist ein recht guter Film, vielleicht etwas zu lang, aber das ist ja eher subjektiv. Zum direkten Vergleich würde ich eher Filme wie Lord of War, Thank You for Smoking oder Wolf of Wall Street heranziehen als Werke wie Hangover, Spring Breakers oder The Interview. War Dogs hat dazu zu wenige Momente, in denen man laut auflacht. Die Schauspieler sind allesamt recht überzeugend, wobei Jonah Hill eine wirklich sehr irritierende Lache hat – zumindest in der von uns geschauten englischen Originalversion.

War Dogs kommt am 29. September 2016 in deutsche Kinos.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.