Kuschelparty im Agnesviertel

Das Kampfsportcenter Wuway in Köln: Auf den Matten sitzen zwölf Menschen, sechs Frauen und sechs Männer. Gleich werden sie weder Kung Fu lernen noch mit Kickboxen anfangen. Sie werden kuscheln.

Wir sind auf einer Kuschelparty des Kuschelteams, Judith und Bernd. Im Alltag, so finden sie, gibt es zu wenig achtsamen Umgang, zu wenig Berührung, zu wenig Nähe. Die Folgen sind Einsamkeit, Ängste und psychische Probleme.Deswegen bieten beide Kuschel-Coaching und eben auch Kuschelpartys an.

Regel Nr. 1: Freiwilligkeit

Im Wuway haben Judith und Bernd die Regeln erklärt: Es geht nicht um Sex – alle Berührungen bleiben „FSK 12“, Kleidung bleibt an, Drogen sind tabu, vorher an die Körperhygiene denken und alles muss absolut freiwillig sein. „Nein heißt Nein, Ja heißt Ja, Vielleicht heißt Nein“ erklärt Judith. Wenn man ein ungutes Gefühl oder keine Lust hat, beendet man die aktuelle Begegnung. Niemand soll sich dadurch verletzt fühlen.

Dann beginnt das Kuscheln. Zunächst mit einer Übung, die aus vielen Workshops bekannt vorkommt. Eine Musik spielt, alle bewegen sich durch den Raum, die Musik hört irgendwann auf und man beginnt mit der amnächsten stehenden Person eine Übung. In diesem Fall ist die Übung: Anfassen. Beziehungsweise erst einmal die Frage stellen: „Möchtest du, dass ich dich berühre?“ Bei einer positiven Antwort beginnt es: Zuerst eine vorsichtige Berührung, viele fassen die Hände des Gegenübers an, dann wandern sie über die Arme zu den Schultern. Langsam finden die Gäste der Kuschelparty heraus, was das Gegenüber gerne mag. Dann, nach ein paar Minuten ein Wechsel der aktiven Partnerperson. Und anschließend beginnt die Musik wieder und die nächste Kuschelpaarung wartet. Immer unter den Augen des Kuschelteams, das die Einhaltung der Regeln überwacht.

Grundkurs Kuscheln

In den folgenden Übungen erfahren die Teilnehmenden weitere Berührungen, berühren selbst, geben Feedback und schütten wahrscheinlich jede Menge Oxytocin aus, das „Kuschelhormon“, das unter anderem stressreduzierend wirken soll. Und daran mangelt es, so das Kuschelteam, in unserer Gesellschaft. Viele der Teilnehmenden haben in der Einführungsrunde vorher über ihre Lebenssituation gesprochen. Einige sind Singles, die seit ein paar Jahren keine Berührungen erlebt haben. Andere wünschen sich mehr Berührungen, spüren einen Mangel.

Diesen Bedarf wollen Judith und Bernd mit ihrer Firma Nähe tut gut und ihren Kuschelpartys stillen. Ihr Ziel ist es, Menschen dabei unterstützen, mehr Berührung zu geben und annehmen zu können. Ihre Kuschelpartys sind dazu als ein geschützter Raum konzipiert. Ohne Verpflichtungen und in völliger Freiwilligkeit, wie sie auf ihrer Website schreiben. „Und vor allen Dingen: In absoluter Sicherheit.“

Die Kuschelpartys des Kuschelteams finden regelmäßig in Köln statt (aktuelle Termine hier), Infos zur Anmeldung gibt es auf der Website, Kosten pro Person betragen 30 €.

Kuschelcoaches beim Kuscheln: Bernd und Judith.
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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.

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