Geld her oder Autsch’n (DVD)

Von sprachbehinderten Maulwürfen und koksenden Eisbären

Diese Rezension hat eine kleine Vorgeschichte. Sie beginnt mit einem bekannten Zitat aus der internationalen Popmusikwelt: »Ups, I did it again«, verkündete unser Fischpott-Chef in der Redaktionskonferenz. Damit wollte er uns nicht seine heimlichen musikalischen Leidenschaften offenbaren. Er hatte mal wieder versehentlich ein Rezensionsexemplar als Blu Ray bestellt. Dumm nur, dass kaum einer von uns einen entsprechenden Player hat. Was tun? Kollege Lars erklärte uns leicht genervt ein, weder die Zeit noch die Lust zu haben für diesen Job: „Ich würde ihn mir wahrscheinlich gar nicht zu Ende ansehen können und würde den Verriss im Voraus schreiben.“ Das gefiel dem Chef dann aber doch nicht. Also gestand er seinen Fehler ein, bekam netterweise eine DVD zugeschickt, und die landete nun bei mir.

Cover von Geld her oder Autschn: Eisbär, Maulwurf und Frosch über dem Schriftzug, oben links etwas Koks, rechts ein blutiges Messer und unten rechts Christoph Maria Herbst.Es ist schon ein Leid mit der medialen Darstellung der Maulwürfe. Wenngleich der Talpa europaea zwar nahezu blind, aber keineswegs taub ist, scheinen Autoren ihm nur eine sehr bedingte Kommunikationsfähigkeit andichten zu wollen. Zdeněk Milers kleiner Maulwurf zeichnete sich im Wesentlichen durch hysterisches Kichern aus, und auch René Mariks Maulwurf gibt nur selten Laute von sich, die sich mit dem Begriff Artikulation in Verbindung bringen lassen. Einzig mir bekannte Ausnahme: Der Maulwurf in Kenneth Grahames »Wind in den Weiden«. Doch um den geht es heute nicht. Und Sprachlosigkeit kann ja auch durchaus seine Reize haben. Dies muss aber nicht notwendigerweise der Fall sein. Vor allem dann nicht, wenn wir es hier mit mehr als einem fünfminütigen Youtube-Clip zu tun haben.

Der Slasher unter den Puppenfilmen

Nun bleibt die Rolle des Maulwurfs in dem abendfüllenden Spielfilm »Geld her oder Autsch’n« recht überschaubar. Hauptfigur des durch Crowdfunding finanzierten Projekts ist Eisbär Kalle, und der ist wahrlich nicht auf seine Berliner Schnauze gefallen. Kalle ist der große Star im Cabarèt Toujour und lässt sich jeden Abend von seinem begeisterten Publikum bejubeln. Dabei feiert sich der Eisbär letztlich doch am liebsten selbst, gerne auch auf Kosten anderer. Um so richtig in Stimmung zu kommen, hat er sich ein teures Hobby angelacht: Kalle ist zu einer echten Koksnase mutiert, die sich in ihren depressiven Momenten an die verpasste Liebe Gretel erinnert. Die steht am anderen Ende der Stadt mit ihrem Kasperle-Ensemble kurz vor dem Aus. Das Theater der Freude hat schon lange kein volles Haus mehr gesehen, weshalb die Betreiber Svetlana (Dorka Gryllus) und Bodo (Bodo Goldbeck) ihre Pacht nicht mehr bezahlen können. Nun droht ihr Vermieter sogar mit dem Abriss ihres Theaters zugunsten eines Einkaufszentrums der Marik und Robin GmbH. Für Kasper liegt die Lösung des Problems auf der Hand: Unter dem Motto Geld her oder Autsch’n entführt er zusammen mit seinen Kasper-Kollegen Kalle und erpresst dessen vermeintlich wohlsituierten Direktor, Frosch Falkenforst. Doch da haben die Kasper die Rechnung ohne Kalles blutende Koksnase gemacht. Der übellaunige Egomane hat es geschafft, das Toujour um all seine Gewinne zu bringen. Was in den Büchern als enormer Toilettenpapierverbrauch dokumentiert ist, hat seine rechte Hand Richy (Holger Kraft) längst zu Dealer Spec (Christoph Maria Herbst) getragen. Und nicht nur das: Kalle steht bei Spec enorm in der Kreide. Da hilft es auch nicht, dass Maulwurf genug Geld gehortet hat, um seinen Kumpel freizukaufen. Bei der geplanten Übergabe des Geldes durch Richy funkt Spec dazwischen und mutiert zum blutrünstigen Schlitzer. Der schlägt in der Folge mit seinem Messer gleich mehrfach zu, sodass fast ausschließlich Puppen den Film überleben.

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Puppentrio mit Mensch vor dem Cabaret Toujour: Maulwurf, Richy, Falkenhorst, Kalle (v.l.n.r.)
© Universum / DreamerJointVentureFilmproduktionGmbH2013

Hahaha, Muppetsimitat!

Wenn der Kollege vor dem Ansehen eines Films bereits weiß, was man hinterher davon halten wird, sollte einem das schon zu denken geben. „Film’n doof’n… Kockeeeee, kockeee… doof’n… Haha, blind, haha Spachenfehler… haha Muppetsimitat…Stromberg’n auch’n da….luuuuuhistig!“ hatte uns Lars erklärt. Dennoch war ich durchaus bereit, mich unvoreingenommen diesem Werk von René Marik und Johan Robin zu stellen. Tatsächlich war es mir bislang gelungen, weitgehend unbefleckt von Mariks Puppenspiel durchs Leben zu kommen. Sicher, auch mir war der sprachbehinderte Maulwurf schon begegnet. Ich meine mich auch an Momente des Amüsements erinnern zu können. Sprechende Puppen haben auf mich schließlich schon immer einen großen Reiz ausgeübt. Wer mit einer Horde Stofftieren und dem Krümelmonster aufwächst, kann gar nicht anders. Ich würde sogar fast so weit gehen, dass Miss Piggy und Kermit mein Verständnis von Geschlechterrollen und zwischenmenschlicher Interaktion maßgeblich mitgeprägt haben. Und doch muss ich konstatieren: Ich hätte mir die 90 Minuten Zeitinvestment schenken und einfach Lars‘ Kurzrezension übernehmen sollen. Einzig stimme ich ihm in dem Punkt „luuuuuhistig!“ nicht überein. Lustig fand ich den Film tatsächlich gar nicht. Ein einziges Mal konnte ich lachen: Als sich Falkenforst (der nicht mehr aussieht wie Frosch Kermit – allerdings sieht Kalle ja auch nicht aus wie ein Eisbär, erinnert mich eher an einen West Highland Terrier) und seine Theaterkollegen das Erpresser-Video anschauen. Nach der eigentlichen Botschaft lassen sie das Band weiterlaufen und sehen, welche Art Videoband die Entführer überspielt hatten: einen Puppen-Porno. Ich gebe zu, das zauberte mir tatsächlich ein Grinsen auf die Lippen.

Deshalb lasst es uns noch einmal gemeinsam sagen

„Film’n doof’n… Kockeeeee, kockeee… doof’n… Haha, blind, haha Spachenfehler… haha Muppetsimitat…Stromberg’n auch’n da!“

Die Verlosung

Wie oben geschrieben, haben wir noch eine Blu-Ray von »Geld her oder Autsch’n«, aber keinen Player. Die könnt Ihr ganz einfach und unbürokratisch gewinnen! Postet bis zum 4. April 2014 Euren Lieblingspuppenfilm in den Kommentaren.
Die Fischpott-Redaktion wird sich bemühen, innerhalb von drei Tagen nach dem 4. April zu entscheiden, welcher Eurer Lieblingspuppenfilme uns am besten gefällt und dessen Verfasser oder Verfasserin die Blu-Ray erhält. Wenn Ihr einen Kommentar schreibt und der nicht sofort zu sehen ist, geduldet Euch bitte etwas – manchmal dauert das Freischalten etwas.
Sollten wir Euren Kommentar für beleidigend, obszön oder auf andere Art und Weise unpassend erachten, behalten wir uns vor, ihn zu löschen.
Wer gewonnen hat, wird von uns über die Mailadresse, die beim Kommentar angegeben ist benachrichtigt und schickt uns dann seine oder ihre Postadresse. Der Versand erfolgt nur innerhalb von Deutschland.
Teilnehmen darf, wer volljährig ist.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung des Gewinns nicht vorgesehen.
Weitere Fragen zum Gewinnspiel bitte per Kommentar oder über die Mailadresse im Impressum.
Falls Ihr selbst kein Interesse an der Blu-Ray habt: Verschenken geht immer!

Disclaimer: Fischpott hat ein Rezensionsexemplar der DVD und die Blu-Ray-Box für das Gewinnspiel von Pure Online – Digitale Kommunikation erhalten.


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