Der Zauberberg in Sieben Strophen

Der Zauberberg als Gedicht?

Genial!

Mit Der Zauberberg in Sieben Strophen legt der Schriftsteller Andreas Schumacher
Jahrgang 1981, studierter Literaturwissenschaftler – seinen neuesten Gedichtband vor.

Ein Gastbeitrag von Ranthild Salzer.

Mit Gedichten ist das ja so eine Sache…mit Poesie überhaupt. Als Teenie fand ich Gedichte
total uncool, höchstens zu gebrauchen um einer Freundin was ins Poesiealbum zu kritzeln. Wenn im Deutschunterricht Gedichte dran kamen dann waren die zwar spanned aber hatten sowas von nichts mit mir zu tun. Im Deutschunterricht tauchte aber auch ER zum ersten Mal auf…der Zauberberg, eines der ganz großen Dinger von Thomas Mann, einer dieser Romane die, wenn man denn will, einem durchaus die Welt erklären können. Gelesen hab ich den Zauberberg dann Jahre später auf der Uni, …wie man das halt so macht.

Somit war ich gleich mal auf das Titelgedicht von Andreas Schumachers Gedichtband, eben „Der Zauberberg in Sieben Strophen“, ganz besonders gespannt! Und wurde auch nicht enttäuscht: die Strophen (besonders die letzte) spiegeln die Kernessenz des Romans brilliant wieder! Mein Lieblingsgedicht aus dem Band ist es nicht, dieser Preis geht an zu gleichen Teilen an „Es gibt keinen Gin“ und „gestatten“. Gestatten zu lesen ist fast noch besser als Ingeborg-Bachmann-Preis im Fernsehen live zu schauen. Wenn die Zeilen des Gedichtes dann auch noch an der passenden Stelle so gesetzt werden, dass die Zeilen mit etwas Fantasie die Form einer Pistole haben…unbezahlbar! Und auf die Zeilen “Ich bin überhaupt so underground, Jules Verne hätte an mir seine helle Freude gehabt“ muss man erstmal kommen.

Zum Niederknien, wie Schuhmacher da über Literatur und Literaturindustrie urteilt und mehr als eine absurde Wahrheit zu Tage fördert. Beim Lesen seiner Gedichte kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen, denn Schuhmacher bildet mit sprachlicher Genialität seinen Alltag aber auch unsere tägliche Realität ab. Von idiotischen Nachbarn über ätzende Fremde die plötzlich an der Türe stehen und nur kompletten Stuss labern: ganz wunderbar im Gedicht „Der Dorfdepp“ und „Der Pinzettenmann“ rübergebracht.

Dass der Büroalltag durchaus menschliche Wahnsinnigkeiten – natürlich nie die eigenen – ans Licht, oder in diesem Fall vors Urinal bringt, zeigt das Gedicht „Büro-Psycho“ . Da bleibt eigentlich zum Schluss nur noch eine Frage: Wann und wo gibt Andreas Schumacher seine Gedichte LIVE zum Besten? So ein bisserl mit der Lässigkeit eines PoetrySlammers und der Selbstverliebtheit eines Bachmann-Preis-Finalisten … das wäre einfach wunderbar!

Wir haben freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Buches vom Autor erhalten.


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