Pride and Prejudice and Zombies (USA 2016)

Nachdem Zack Snyder mit dem ganz guten Remake von George A. Romeros Dawn Of The Dead quasi die Zombie-Welle neu gestartet hat und ein wahrer Tsunami von Zombiestreifen auf die Menschheit losbrach, gab es nix, was nicht durch Zombies aufgepeppt werden konnte. So wie alles besser wird mit Bacon, so meint die Unterhaltungsindustrie, dass auch alles besser wird mit Zombies.

Eine Gastreview von Ulf.

Filmplakat von Pride and Prejudice and Zombies: Menschen in blutbespritzten eleganten Regency-Kleidern, umgeben von den grauen Leichenhänden einer Zombiehorde.Im Jahr 2009 hat dann ein Witzbold namens Seth Grahame-Smith den Jane Austen Klassiker Stolz und Vorurteil (Original: Pride And Prejudice) unter dem Titel Stolz und Vorurteil und Zombies (Original: da kommt ihr sicher auch selbst drauf) neu verwurstet. Er hat den Originaltext um eine Zombiebedrohung erweitert und dieses Ding dann todernst bis zum Happy End durchgezogen.

Ich gehe davon aus, dass der Fischpott-Fan zumindest Jane Austens Buch gelesen, vielleicht auch die Verfilmung mit Keira Knightley geschaut hat und ganz vielleicht auch Grahame-Smiths Werk kennt. Deshalb gehe ich hier nicht weiter auf die Handlung ein. Gurinder Chadha hat 2004 unter dem Titel Bride and Prejudice einen wirklich ganz guten Bollywood-Aufguss des Themas fabriziert – der mir, soviel vorweg, unterhaltsamer in Erinnerung ist als die Zombie-Version.

Pride and Prejudice and Zombies schafft es, mit spröden, blassen Bildern eine stimmungsvolle Optik hinzukriegen, der Version mit Keira Knightley nicht unähnlich. Von den Kostümen und der Ausstattung her ist der Film wie eine gelungene Mischung aus Historiendrama und dem Hobbit. Des Weiteren ist der Film die ganze Zeit über todernst. Also kein Oneliner-style-over-substance-Dingens wie Hänsel & Gretel: Hexenjäger oder Abraham Lincoln Vampirjäger. Wenn die Zombies kommen, wird es durchaus auch ein wenig blutig oder eklig und vor allem auch krawallig. Die Kampfszenen haben mir sehr gut gefallen, schön in Szene gesetzt und auch so präsentiert, als ob es in dem Setting völlig normal ist, Leute mit Säbeln in kleine Stücke zu hacken.

Bei aller Gewalt bleibt der Film relativ unblutig. Die ekligsten Details werden ausgespart oder passieren offscreen. Man sieht allenfalls die Ergebnisse ausgeübter Gewalt, nicht aber die Handlung selbst. Das ist sicher dem Rating geschuldet. Das gleiche Problem hatte Tom Savini bei seinem 1990er Remake von Night Of The Living Dead. So unblutig wie World War Z geht es dann doch nicht her. Allerdings hab ich mich schon gefragt, warum der Film unbedingt mit einem PG 13 vermarktet werden muss. Sind wir mal ehrlich, niemand in dem Alter interessiert sich für Jane Austen. Und wer sich nicht für Jane Austen interessiert beziehungsweise das Buch überhaupt nicht kennt, der wird auch diesen Film langweilig finden. Also hätte man auch ruhig direkt für Erwachsene drehen können. Andererseits: Welcher Jane Austen Fan interessiert sich für Zombies? Das ist dann schon eine echte Bredouille, wie schon Homer Simpson gesagt hat.

Wir fühlten uns durchaus gut unterhalten, Pride and Prejudice and Zombies hatte aber auch einige Längen und war ein ziemlicher Bastard, weder Fisch noch Fleisch. Immer wenn es zu viel Stolz und Vorurteil hatte, kamen die Zombies auf den Schirm und wenn sie nur kurz durchs Bild torkeln durften. Da hätte der Film ruhig ein wenig klamaukiger sein dürfen. Nicht so klamaukig wie Scouts vs. Zombies vielleicht. Aber Shaun Of The Dead hat es auch super geschafft, den Zombie-Teil sehr retro und krass zu inszenieren und den Romantic-Comedy-Teil ebenfalls ernst genug darzustellen. Den Machern muss man zugute halten, dass sie das Thema sehr konsequent angegangen sind. Auch die Charaktere aus dem Buch wurden sehr gut dargestellt und größtenteils mit wirklich passenden Schauspieler besetzt. Charles Dance, Matt Smith und Lena Headey spielen übrigens auch mit, wobei Lena Headey nur ihr Cersei-Standard-Programm durchzieht. Ich glaube manchmal, dass die ach so tollen Seriendarsteller außerhalb der Serien dann doch nichts können (gibt Ausnahmen, Bryan Cranston z.B.).

Gut, Fazit: Wer Zombies mag schaut mal rein. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass der Film demnächst gesneakt wird. Nochmal sehen muss ich das Werk aber nicht. Geschaut haben wir im englischen Original im Kino Meichilai in Kaohsiung, wo es nicht nur super Popcorn gibt, sondern auch vibrierende Sitze. Wroooom.

Stolz und Vorurteil und Zombies kommt am 9. Juni 2016 in die deutschen Kinos.


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