The Autopsy of Jane Doe (USA 2016)

The Autopsy of Jane Doe (USA 2016)

Obwohl in den letzten Jahren recht viele Horrorfilme erschienen sind, lässt sich die Anzahl der richtig guten Genrevertreter an maximal zwei Händen abzählen. Ehrlich gesagt, es sind eher weniger. Klar, jeder zweite Trailer aus dem Gebiet verspricht „den krassesten Schocker“ und ein „genredefinierendes Meisterwerk“ was selbstverständlich „so noch nie dagewesen ist“. Ich frage mich dann aber meist: Was genau meinen die? Sind Filme wie Don’t breathe oder Lights out wirklich so stark, wie der Verleih uns weismachen will? Und hebt sich The Autopsy of Jane Doe von der breiten Masse weit genug ab, um auch noch in ein paar Jahren als erwähnenswert erachtet zu werden? Ich sage mal vorab: Ja!

Porträtaufnahme einer Frau auf einem Autopsietisch. Sie ist kopfüber zu sehen und aus einem Nasenloch fließt etwas Blut.

Olwen Catherine Kelly als Jane Doe.

Nur nicht zuviel verraten

Fangen wir mal kurz mit der Handlung an: Auf dem Tisch der Pathologen Austin (Brian Cox) und seinem Sohn Tommy (Emile Hirsch) landet kurz vor Feierabend eine unbekannte weibliche Leiche. Eine Jane Doe, wie man im Polizeijargon sagt. Diese wurde unbekleidet in einem Erdloch in einem Haus gefunden. Ebenfalls gefunden wurden die Bewohner des Hauses. Tot. Offenbar Selbstmord. Oder gegenseitiger Mord. Auf jeden Fall recht eindeutig erklärbar. Bei Jane (Olwen Catherine Kelly) sieht das schon anders aus. Sie weist keine äußeren Verletzungen auf, scheint noch recht frisch zu sein und passt nicht so recht ins Bild. Außerdem wirft Sheriff Burke in den Raum, dass die Bewohner offenbar vor Ihrem Tod versucht haben, vor etwas zu fliehen (und sich dann ggf. umgebracht haben).

Jedenfalls sollen die beiden Pathologen (oder Autopisten? Autopsiden?) sich die Leiche möglichst sofort zur Brust nehmen und damit geht The Autopsy of Jane Doe dann auch direkt los. Viel mehr zur Handlung möchte ich hier auch keinesfalls verraten. Bevor es zur Arbeit geht verabschiedet sich Austin noch von seiner Freundin Emma, mit der er eigentlich ins Kino gehen wollte und Kater Stanley bringt auch noch kurz eine gefangene Ratte vorbei. Dann aber sind die beiden mit Jane allein im Keller und begeben sich an die Arbeit. Und wir als Zuschauer sind live dabei.

Eine junge Frau und ein junger Mann schauen bedrückt auf eine Leichenbahre mit einem verdeckten Körper darauf, die von einem Polizisten durch einen Flur geschoben wird.

Emma (Ophelia Lovibond), Tommy (Emile Hirsch), Leiche und Burke (Michael McElhatton).

Echter Horror

The Autopsy of Jane Doe ist dabei ein unglaublich spannender und unangenehmer Film. Das fängt damit an, dass man hier mit dem Filmtitel wirklich nicht zu viel verspricht. Wir kriegen eine Autopsie zu sehen. In sehr vielen und sehr ekligen Details. Die Effekte wirken dabei teilweise sehr sehr real und handgemacht, also keine CGI-Splatterorgien, wie es heutzutage so üblich ist. Überhaupt, eigentlich auch kaum Splatter. Eher echt fiese und eklige Momente. Außerdem sollte man auch wirklich aufmerksam zuschauen, sehr oft sind es die kleinen Details, die man für einen Sekundenbruchteil zu sehen kriegt, die einen noch etwas länger verfolgen. Dann die Ausstattung: Das Haus beziehzungsweise der Keller der beiden Pathologen wirkt wirklich alt. Es gibt lange Gänge, holzvertäfelte Wände, einen Aufzug mit einem Gitter davor, grüne Tapeten und runde Spiegel in den Ecken. All das unter einem echt coolen, weißen Haus, welches eher an eine Südstaatenvilla erinnert.

Tolle Technik

Die Kamera ist dabei wirklich immer sehr ruhig und nah dabei, keine hektischen Schwenks oder Pseudo-Found-Footage. Nein, alles sehr klassisch und ruhig abgefilmt. Und die Bildqualität ist bestechend gut. Satte Farben, sehr gute Schwarzwerte und auch in dunklen Gängen sieht man noch genug und es sieht nicht wie künstlich am Mischpult verdunkelt aus. Dazu kommt dann ein wirklich tolles Sounddesign. Die Abmischung ist sehr räumlich und die Effekte sitzen, der Sound ist unglaublich voll und klar. Wer eine gute Anlage hat, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Die Schauspieler tragen dazu auch sehr viel bei und wirken recht authentisch. Gerade Olwen Catherine Kelly überzeugt total als Jane Doe. Man sieht sehr oft Ihr Gesicht von oben gefilmt, mal mit offenen Mund, mal mit nach hinten gedrückten Kopf und jedes Mal wirkt sie absolut faszinierend. Das irische Model wurde auch als allererstes gecastet und die Wahl ist richtig gut.

Ein älterer Mann im Kittel öffnet den Brustkorb einer Frauenleiche, im Hintergrund schaut ihm ein junger Mann zu.

Leichenbeschauer Austin (Brian Cox) geht ans Werk.

Stellenweise eklig

Hab ich schon erwähnt, dass der Film dabei teilweise richtig eklig ist?  Ich weiß noch, was für einen Skandal der zweite Teil der Guinea Pig Reihe Flowers Of Flesh And Blood ausgelöst hat. In diesem Machwerk aus den 80ern zersägt ein offenbar gestörter Typ im Samuraikostüm eine gefesselte Frau, die er vorher mit einem Sedativ ruhig gestellt hat. Eigentlich war das Ganze nur ein Showcase für SFX-Fans oder ganz harte Hunde. Und ziemlich langweilig. Produziert fürs japanische Kabel-TV, soso. Ein „medizinisch 100% korrekter“ Human Centipede sollte auch nur maximal ekeln, während The Autopsy of Jane Doe von meiner Warte aus wirklich medizinisch korrekt wirkt und auch recht realistisch aussieht. Und meiner Meinung nach deutlich fieser daherkommt, als die beiden oben genannten. Und frei ab 16 ist. Zeiten ändern sich halt.

Es sei aber gesagt, wir kriegen hier wirklich nicht 86 Minuten lang eine Autopsie in allen Einzelheiten geboten. The Autopsy of Jane Doe ist ein richtiger Horrorfilm mit allen Elementen, die so ein Film auch braucht. Neben Ekel auch viel subtiler Grusel, sehr wenig Jumpscares (zum Glück!!), unangenehme Szenen, die viel mit den eigenen Ängsten spielen und ein sich stets steigender Terrorlevel. Und die Zeit verging wirklich wie im Fluge, der Film hat wirklich keine Längen.

Fazit: Anschauen!

Die Werbesprüche auf dem Cover sind diesmal also wirklich angebracht und wenn ein Stephen King vorschlägt, diesen Film besser nicht alleine zu schauen, trifft dies hier sogar mal zu. Aber Horrorfilme machen in einer Gruppe eh mehr Spaß. Regisseur André Øvredal hat schon mit Troll Hunter einen sehr coolen Film abgeliefert und zeigt auch mit seinem ersten englischsprachigen Film, dass er nicht nur stumpfe Schocker für die Generation Yolo draufhat, sondern eher klassischen Horror mit modernster Technik abliefert. Lohnt sich!

Geschaut haben wir die Blu-Ray auf Englisch. Die deutschen Untertitel sind leider sehr oft nicht wirklich passend zum Gesagten, was dann wahrscheinlich auch auf die Synchro zutrifft. Der Film ist ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben. Leider gibt es kein Wendecover, was bei dem Artwork wirklich schade ist.

Fischpott-Disclaimer: Wir haben ein Blu-Ray-Ansichtsexemplar von Voll:Kontakt erhalten.


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