Valerian und die Stadt der tausend Planeten

Mit Valerian und die Stadt der tausend Planeten erfüllt sich Luc Besson selbst den Wunsch, die legendäre französische Comicreihe um Valerian und Veronique (aka Valérian et Laureline) zu verfilmen.

Eine Raumstation im Erdorbit. Zu den Klängen von David Bowies Space Oddity treffen chinesische und US-amerikanische Astronauten aufeinander und reichen sich die Hände. Gemeinsam baut man das chinesische an das amerikanische Raummodul an. Weitere Delegationen unterschiedlicher Ethnie und Nationalität tragen zum Wachstum der Station bei. Bis zum ersten Mal blauhäutige Aliens andocken. Auch hier kommt es nach einem ersten Zögern zum Handshake, weitere Außerirdische legen an und die Raumstation wächst und wächst. Dann erhält Filmlegende Rutger Hauer1 einen kurzen Auftritt als Präsident der Weltföderation und entlässt die mittlerweile gigantische Stadt der tausend Planeten aus dem Erdorbit in die Weiten des Alls.

Die Zukunft ist bunt

Angesichts der Weltlage im Jahr 2017 ist die Anfangssequenz von Valerian und die Stadt der tausend Planeten geradezu wohltuend optimistisch. Luc Besson inszeniert gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt und präsentiert dabei großartig gestaltete Aliens. Anschließend beginnt ein zweiter Prolog. Der Film zeigt das Leben auf dem paradiesischen Strandplaneten Mül, dessen Bevölkerung glücklich im Einklang mit der Natur lebt. Dann geschieht die unausweichliche Katastrophe, Raumschiffe stürzen durch die Atmosphäre, gigantische Explosionen vernichten alles. Schließlich rücken die ProtagonistInnen ins Bild: Valerian und Laureline, wobei letztere unverschämterweise im Titel weggelassen wird.

Will they? Won’t they?

Valerian und Laureline sind Agenten der Regierung der menschlichen Territorien. Ihre aktuelle Mission ist die Beschaffung eines Transmutators2, des letzten seiner Art. Leider liegt Valerians Priorität weniger auf der Mission sondern vielmehr darin, seine Kollegin Laureline verführen. Und leider liegt Laurelines Priorität darin, darauf genervt zu reagieren. Was als knisternde will-they-won’t-they-Situation angelegt ist, wirkt mehr wie das fremdschamerzeugende Bemühen eines peinlichen Pennälers die Klassenschönheit rumzukriegen. Luc Besson hat es tatsächlich geschafft, aus den sehr erwachsenen und menschlichen Comicfiguren Valerian und Laureline zwei eher nervige Filmrollen zu machen. Das ist schade, aber zur großen Verwunderung des Kritikers stellte sich bei der Vidüre von Valerian und die Stadt der tausend Planeten nichtsdestotrotz großes Vergnügen ein.

Misstraue den Mächtigen!

Denn schon der nächste Einsatzort für Valerian und Laureline3 ist ein Basar auf einem Wüstenplaneten, der in zwei Dimensionen gleichzeitig existiert und Gelegenheit für interdimensionalen Schabernack bietet. Hier, und auch in der titelgebenden Stadt der tausend Planeten fährt Besson ein visuelles Buffet der Extraklasse mit Verfolgungsjagden im dreidimensionalen Raum auf. Spannend bleibt es, denn im Grunde geraten Laureline und Valerian von einer brenzligen Situation in die nächste. Und auch, wenn der Film der Vorlage nicht ganz gerecht wird, hier und da schimmern die Grundkonstellation gesetzestreuer Valerian und rebellische Laureline und das Grundthema „Misstraue den Mächtigen!“ durch.

Alles in allem ist Valerian und die Stadt der tausend Planeten ein unterhaltsamer Film, der den Geist der Comic-Vorlage nicht so ganz ernst nimmt – aber ernst genug, um die Fanboys nicht zu erzürnen.

  1. Jeder Film wird durch die bloße Anwesenheit Rutger Hauers übrigens besser.
  2. Der in der Comicvorlage übrigens den viel schöneren Name Grunztier-Transmutator vom Planeten Bluxte trägt.
  3. Die hier Valerians Untergebene ist, was seine Avancen wahrscheinlich auch im 28. Jahrhundert zu sexueller Belästigung macht.

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