Absolutely Trans – Trans is beautiful!

Caitlyn Jenner, Laverne Cox, Lilly Wachowski, Bastian Buschbaum – dies sind nur einige Namen berühmter Transmenschen, die sich in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit getraut haben. Nun erschien die Dokumentation Absolutely Trans – Trans is beautiful auf DVD und fragt sich: Erleben wir eine Trans-Revolution?

Was bedeutet das „T“?

Tomboy, Trouble, Time, Transmission, Truth. Dafür kann das „ T“ in LGBT stehen. Es steht aber hauptsächlich für Trans. Dies bedeutet, dass sich ein Mensch nicht mit dem Geschlecht, welches bei der Geburt zugewiesen wurde, identifiziert und es im Idealfall ändern kann.
Doch allzu oft können Viele mit dem Begriff und seiner Bedeutung nichts anfangen und denken an Mrs. Doubtfire, Tootsie oder aber an Buffalo Bill in Das Schweigen der Lämmer. Dies sind jedoch alles keine Repräsentationen von Transmenschen. Bei den ersten beiden Filmen handelt es sich um Travestie-Komödien, bei Letzterem um einen Psychothriller, in dem Buffalo Bill als abschreckend und krank dargestellt wird. Und genau diese beiden Bilder scheinen allgegenwärtig.

Als Christine Jorgensen 1952 als erste Trans-Person auf den Titelseiten der US-Magazine erschien, war zwar die Aufregung groß, das Bewusstsein für dieses Thema hingegen nicht. Anfangs gab es viel Bewunderung und, obwohl die geschlechtsangleichenden Operationen in Dänemark vorgenommen worden waren, rühmte man sich damit, dass Christine der Beweis für das weltoffene und fortschrittliche Land war, welches die USA seit jeher so gerne sein möchte. Das Leben als Transmensch war jedoch alles andere als rosig und, wo Christine durch Fernsehshows und das Showbiz ein einigermaßen angenehmes Leben führen konnte, gab es für die Mehrheit Transsexuellen nur die Möglichkeit im Verborgenen zu leben.

Durch Andy Warhols Factory und seine Musen Jackie, Candy und Holly gab es erneut Aufmerksamkeit – Lou Reed widmete ihnen etwa den Song „Walk on the wild side“ – doch die breite Öffentlichkeit fand den Gedanken, das Geschlecht zu wechseln, abstoßend und falsch. Für lange Zeit gab es für Transmenschen als Objekte der Faszination nur die Unterhaltungsbranche oder Sexarbeit als Einnahmequellen.
Bekannt ist das Stonewall Inn in der Christopher Street in New York, welches lange Zeit, trotz vieler Razzien, als Zufluchtsort für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle galt. Bis zum 28. Juni 1969, als sich niemand abführen lassen will. Es folgt der heute berühmte Stonewall-Aufstand, deren Anführerinnen zwei Transfrauen sind, Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera.
Gerne wurde und wird diese Tatsache ignoriert oder gar schlicht geändert.

Heute ist alles besser?

Heute scheinen diese Hürden vergessen, wenn Serien wie Transparent, Sense8 und Orange Is The New Black ausgestrahlt werden, Reality Stars wie Caitlyn Jenner vor laufender Kamera ihre „Verwandlung“ zeigen oder Thomas Beatie als erster schwangerer Mann bei Oprah Winfrey auftritt. Doch auch wenn es nun mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz gibt, ist es immer noch nicht einfach, offen trans zu leben. Es herrscht weiterhin sehr viel Unverständnis, die unangebrachte Frage nach den Genitalien ist das Lieblingsthema der Boulevard-Blätter und in den meisten Filmen werden Transmenschen als Stereotype behandelt.

Die Dokumentation von Stéphanie Cabre und Claire Duguet zeigt eine sehr schöne Bandbreite an Lebensrealitäten und lässt sowohl Ikonen wie die Cabaret-Künstlerin Bambi über die Zeit im Paris der 50er und 60er erzählen als auch den Rapper Rocco „Katastrophe“ Kayiatos zu Wort kommen, der als Mann mit Transerfahrungen durch sein erstes Album Trans-Kids half, mit ihren Eltern zu reden. Der Film gibt ausreichend Einblicke in die Geschichte und erhebt auch den Zeigefinger, wenn es um Hollywood und die dazugehörige Besetzungspolitik geht. Sie zeigen den Mut, den es brauchte, die Verluste, die in Kauf genommen und die Erfolge, die bis jetzt erzielt wurden.
Lediglich die (eigentlich wichtige) Tatsache, dass Transmenschen in den meisten Ländern dieser Erde noch verfolgt und umgebracht werden, fehlt. Was mehr als verwundert. Denn die Trans-Revolution ist noch nicht überall angekommen.

Wir haben freundlicherweise ein Ansichtsexemplar der DVD von Polyband erhalten.

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Über Ava

Ava Weis möchte später einmal , wenn sie groß ist, eine richtige Schriftstellerin sein. Mit versifftem Cardigan, Kaffeeflecken auf dem Notizblock und gelben Fingern. Bis dahin arbeitet sie als freischaffende Autorin und Fotografin, renoviert mit Kind, Mann, Katzen und Hund eine alte Villa im Bergischen und unterhält sich gelegentlich angeregt mit ihren Kakteen. Zwischendurch fährt sie noch Rollschuh, hört gerne Tina Turner und The Distillers und schmökert täglich in Büchern und Comics.

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