Her

I fell in love with an AI

herIn der nahen Zukunft: Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) verdient sein Geld als Briefeschreiber. Tagein tagaus verfasst er für die Kunden seiner Firma gefühlvolle Briefe, vom Liebesbrief bis zum Dankesschreiben an die Großeltern. In nahezu perfekt-unperfekter menschlicher Handschrift werden die Schreiben ausgedruckt und an die richtigen Adressaten verschickt. Obwohl er so andere Menschen glücklich macht ist Theodore selbst eher traurig: Er lebt getrennt von seiner Frau (Rooney Mara), meidet andere Menschen und verbringt zu viel Zeit mit Videospielen und Pornochats. Sein Leben ändert sich, als er Samantha (Scarlett Johansson) kennenlernt. Sie ist intelligent, witzig, sexy und schon bald kommen beide sich näher. Der Haken an dieser Science-Fiction-Liebesgeschichte: Samantha ist ein OS, ein Operating System – ein intelligentes Programm.

Aus der Ausgangssituation von Her hätten die meisten Filmemacher wohl eine mehr oder weniger alberne Komödie oder ein Science-Fiction-Drama gemacht. Bei Spike Jonze lachen wir aber weder über den armen computerliebenden Tölpel noch fürchten wir die Herrschaft der Maschinen. Der Altmeister der schlauen, abseitigen Filme präsentiert uns stattdessen eine rührende und warmherzige Liebesgeschichte. Obwohl Samantha für uns unsichtbar bleibt und wir nur Theodore als sichtbaren Bezugspunkt haben fühlen wir mit diesen ungleichen Liebenden. Dabei ist Her romantisch und witzig, mit skurillen und liebenswürdigen Nebencharakteren wie einem fluchenden Videospiel-Alien, einem offenherzigen Rezeptionisten (Chris Pratt) oder der Gamedesignerin Amy (Amy Adams), die ein Spiel namens Perfect Mom programmiert. Außerdem zeigt uns der Film – und das ist in der aktuellen Kinolandschaft eine Seltenheit – eine positive Zukunftsvision.

Ein bisschen wirkt dieses Los Angeles von Morgen wie eine Apple-Werbung, alles ist in satten Farben gefilmt, die Menschen sehen aus wie nerdige Hipster in etwas peinlichen Klamotten (die Hochwasserhose kommt wieder). Aber auch niemand ist hier allein. Alle reden in der U-Bahn, mit Knopf im Ohr – ob sie mit ihren OSs oder anderen Leuten kommunizieren bleibt offen. Klar ist das die Zukunft der Bessergestellten, aber sie ist trotz aller Technisierung eine empathischere Welt als die unserige. Wer einen wirklich warmherzigen Science-Fiction-Film sehen will, der ohne Explosionen und Schießereien aus kommt (Spoiler!), ist bei Her richtig aufgehoben.

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10 Zukunftsvisionen aus Her
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