Im Schatten des Krieges (Sarah Glidden)

Bei Im Schatten des Krieges handelt es sich um eine Graphic Novel der Comic-Journalistin Sarah Glidden. Ich würde das Buch dementsprechend in die Schublade Edutainment packen, also unterhaltsames Lernen mit Comics. Der Untertitel Reportagen aus Syrien, dem Irak und der Türkei zeigt dabei, wohin die Reise ungefähr gehen wird. Der Comic handelt dabei im Jahr 2010, also vor dem Beginn des Bürgerkrieges in Syrien.

Der Comicband Im Schatten des Krieges auf einem Tisch neben einer Brille, einer Patrone und einem Brillenetui.

Foto: Fischpott

Reise in den nahen Osten

Im Schatten des Krieges beginnt mit dem Aufbruch der Journalistin Sarah Stuteville in den Nahen Osten. Sie möchte im Rahmen einer Reportage für den Seattle Globalist über das Schicksal von aus dem Irak geflüchteten Menschen berichten. Zusammen mit Ihrem Freund Alex, Ex-Marine Dan und eben Sarah Glidden macht sie sich deshalb nach Istanbul auf, um von dort aus zuerst ins türkische Van und später ins irakische Sulaimaniyya und zum Schluss ins syrische Damaskus zu reisen. Dort möchte sie viele Interviews machen und vor allem für eine amerikanische Leserschaft über die Lage der Menschen, die den Irak aus verschiedenen Gründen verlassen mussten, berichten. Außerdem möchte Dan als aktiv im Irak eingesetzter US-Marine mit Irakern reden. Sein Grund, zur Armee zu gehen und wie er das Erlebte verarbeitet ist ein zentraler Bestandteil dieses Comics.

Was ist Journalismus?

Eine weitere zentrale Frage von Im Schatten des Krieges ist Was genau macht Journalismus aus? Die Zeiten ändern sich, die sehr angesehene Seattle Post hat im Jahr 2009 ihre Printausgabe eingestellt, das Internet allgemein und Blogger im speziellen sind dabei, das Interesse an gedruckten Zeitungen zumindest teilweise zu verschieben und in genau diese Richtung bewegt sich auch der Seattle Globalist. Außerdem werden wir mit den Beweggründen junger Menschen, über die Zustände weit weg von der Heimat zu berichten und über Interviews eine Geschichte zu erzählen, vertraut gemacht.

Verschiedene Perspektiven und Schicksale

Wir lernen im Laufe der Reise unterschiedliche Personen kennen. Da ist unter anderem ein iranischer Blogger, der in die Türkei geflohen ist. Ein zunächst nach Iran, später nach Pakistan geflohener Iraker namens Sam, der mit seiner Familie in Seattle gelandet ist. Nur um später ausgewiesen zu werden, da er Kontakte zu Terroristen hatte. Oder auch nicht, seine Geschichte ist auch am Ende der Reportage unklar. Vielleicht war er auch nur naiv. Dann gibt es noch irakische Künstler, die bereits die Zusage haben, in Amerika leben zu dürfen. Das Schicksal dieser und vieler mehr Personen wird in Interviews erzählt. Außerdem lernen wir viel über die Art, wie journalistische Arbeit in unterschiedlichen Ländern funktioniert.Im Schatten des Krieges ist dabei stets interessant und spannend.

Erlebnisse auf der Reise

Außerdem lernen wir auch viel über die einzelnen Orte kennen. Wir kriegen ein Gefühl, wie man als Journalist in Syrien arbeiten muss. Wie präsent ein Diktator wie Assad im täglichen Leben ist und was der Sechstagekrieg für eine Bedeutung für das Land hat. Wie die unterschiedlichen Leute wie irakische Kurden oder geflohene Iraker auf Amerikaner zu sprechen sind und warum manch einer niemals nach Amerika gehen möchte.

Und mittendrin Dan, ein Jugendfreund von Sarah Stuteville. Gerade diesem möchte Sarah über Interviews unbedingt entlocken, was seine Meinung über den Irakeinsatz ist und seine Antworten gefallen Ihr nicht. Vielleicht weil sie dem Leser (und Hörer und Seher) der Reportage ein bestimmtes Bild vermitteln kann, welches Dan ihr aber nicht liefern will. Er hat sich immerhin freiwillig gemeldet und gibt an, nicht traumatisiert zu sein. Dabei versucht er aber immer und immer wieder Bestätigung bei den Leuten, die er trifft, für die Richtigkeit des Krieges zu kriegen. Später öffnet er sich Sarah Glidden mehr und es kommen einige sehr persönliche Sachen zu Tage.

Im Schatten des Krieges – Fazit

Im Schatten des Krieges ist dabei durchaus spannend und auch gut gezeichnet. Es hat einen eher buntstiftigen Zeichenstil (oder aquarellig?) und man kriegt ein gutes Gefühl für die Menschen, Orte und Erlebnisse. Der Fokus ist aber eindeutig auf der Geschichte, die Zeichnungen sind eher Mittel zum Zweck. Ich persönlich mag ja Edutainment-Comis ganz gern, kann in diesem Zusammenhang z.B. die Werke von Guy Delisle (vor allem Pjöngjang) sehr empfehlen. Wer sich gern mit dem Medium Comic über Themen wie Krieg, Flucht, Journalismus beschäftigen will oder sich allgemein für Edutainment interessiert, macht mit diesem Comic auf jedenfall nichts falsch. Im Schatten des Krieges ist bei Reprodukt erschienen und kostet in Deutschland 29 Euro.

Amazon-Link


Kaufst du über diesen Link etwas, erhält Fischpott eine Provision. So kannst du unsere Arbeit unterstützen. Falls kein Link zu sehen ist: Das liegt wahrscheinlich am Adblocker. Alternativ kannst du uns auch über den Spendenbutton rechts oben einen Euro oder zwei für Kaffee oder ein paar Tage Servernutzung zukommen lassen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.