Totenstadt

Mutanten, Zombies und Verrückte: Das Kartenspiel Totenstadt von Blood ’N Brain, von denen wir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar erhalten haben, nimmt uns mit auf die Reise durch eine verwüstete postapokalyptische Stadt. Wir haben unsere Schrotflinten geschultert und das Kartenspiel erkundet.

Mit Söldnern in der toten Stadt

Schon der Anfang war etwas verwirrend. „Muss man für die erste Mission nur Schlurfer-Karten nehmen? Was ist mit der Karte Gutkauf-Kaufhaus? Muss die ausgelegt werden, wenn die auf der Missionskarte erwähnt wird?“ Leider erlauben die Regeln von Totenstadt keinen leichten Einstieg ins Spiel. Dabei ist das Spielprinzip eigentlich ganz einfach. Jede Spielerin und jeder Spieler erhält einen Charakter, Söldner genannt, der auf einer Karte abgebildet ist.1 Jeder Söldner (ein paar davon auch Söldnerinnen) verfügt über Lebenspunkte, Angriffswerte für Fern- und Nahkampf und über zwei Spezialfähigkeiten. So kann zum Beispiel Dr. Yasmina mit ihrer Fähigkeit ‚Zoologie‘ der Gruppe Angriffsboni gegen einen Gegnertyp zukommen lassen oder der Präsi kann mit ‚Messerkampf‘ besser mit einhändigen Nahkampfwaffen umgehen. Diese Söldner verbessern sich weiter durch Gegenstände wie Waffen, Rüstung oder Stimulanzien, die in der zombieverseuchten Stadt gefunden werden können.

In jeder Runde wird pro Söldner eine Karte vom Begegnungsstapel gezogen. Diese Karten können Gegner, aber auch Umgebungen (die später durchsucht werden können) oder Überlebende sein (die später mitgenommen werden können). Nachdem alle Karten gezogen wurden, kommt in der Regel eine Kampfphase. Dabei werden je nach Kampfwerten Würfel geworfen und gegebenenfalls Lebenspunkte von Charakteren und Gegnern reduziert. Dabei können die Spielenden geschickt taktieren, Fähigkeiten und Gegenstände nutzen und sogar die Flucht ergreifen. Eventuell überlebende Gegner kommen dann auf den Lärmstapel.

Ruhe jetzt!

Der Lärmstapel kann im Spiel durch das Überschreiten der Lärmskala aktiviert werden. Übersteigt der Lärmpegel (beispielsweise durch Schusswaffengebrauch) den Wert 10, werden alle Gegner vom Lärmstapel zur aktuellen Begegnung dazugelegt. Das kann schon so einiges sein, wenn vorher viele Kämpfe vermieden wurden. Normalerweise wird Totenstadt in Missionen mit definierten Zielen gespielt, das heißt, wenn zum Beispiel eine bestimmte Überlebendenkarte gefunden wurde oder eine bestimmte Umgebung gefunden wurde, ist die Mission erfolgreich bestanden. Dann gibt es eine Belohnung und die nächste Mission kann gespielt werden.

Spielablauf von Totenstadt: Der Präsi, Peter und Maria kämpfen in der Apotheke gegen zwei Zombies und zwei Verrückte (obere Bildhälfte). Die Spielerin von Maria hat Schmerzkiller-Tabletten und einen Motorradhelm (untere Hälfte).

Im Prinzip ist Totenstadt überschaubar und spielbar. Trotzdem stellte sich das Testspiel als etwas problematisch dar. Wir hatten uns für die Mission ‚Doktor, Doktor‘ entschieden und wussten schon in der zweiten Begegnung nicht mehr weiter, da wir übermächtigen Gegnern gegenüberstanden. Erst später wurde klar, dass die Möglichkeit einer Flucht das Weiterspielen ermöglicht hätte, aber die sechs Personen messende Testspielgruppe war an dieser Stelle schon ein bisschen genervt vom eher zähen Spielablauf, der durch viel Blättern im Regelwerk noch verlangsamt wurde.2

Dazu kommt dann noch, dass die Anweisungen für die Missionskarten nicht eindeutig genug sind und dass manche Karten mehrfach vorhanden sein sollten. So kann man in der ersten Mission zwei Brotmesser erhalten, es gibt aber nur eine Karte im Spiel. Totenstadt ist ein Spiel mit Potenzial, das aber besser erklärte Regeln und Missionskarten mit mehr Informationen gebrauchen könnte.

Alter: 16+
1-6 Mitspielende
45-60 Minuten Spieldauer

 

Post Credit Scene

Wir hatten nach der Veröffentlichung dieses Artikels noch einmal Kontakt mit Florian vom Totenstadt-Team und er hat uns geschrieben, dass die Missionskarten aktuell überarbeitet werden. Auf einer Seite soll die Story stehen und die andere Seite ist dann frei für bessere regeltechnische Erklärung. „Das ist eine sinnige Anpassung die am Spielablauf selber nichts ändert oder zerstört.“, so Florian weiter. Das klingt für uns definitiv auch gut.

  1. Die sind sehr schick illustriert, stellenweise von Größen der deutschen Comicszene wie Sarah Burrini oder Marvin Clifford.
  2. Was wohl auch ein bisschen an der Zusammensetzung der Spielrunde lag. Eine typische Pen-and-Paper-Rollenspielrunde würde solche taktischen Gruppenkämpfe mit Vergnügen aufnehmen.
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Über Fabian

Fabian Mauruschat ist Journalist, Blogger, Nerd und Monster-Experte. Er lebt irgendwo zwischen Ruhr, Rhein und bergischem Land. Hier arbeitet er als Gamesjournalist und Autor, unter anderem für Spiegel Online, das Stadtmagazin coolibri und das Games-Magazin WASD. Außerdem mag er Bücher, Spiele und Tiere, würde aber nie welche essen.

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