Survivor (2015)

Ein Anschlag, ein eiskalter Killer und eine Agentin auf der Flucht. Reicht eigentlich für einen spannenden Thriller. Survivor schwächelt aber trotzdem.

Kate Abbot (Milla Jovovich) ist ein Foreign Service Officer und sorgt in der Londoner US-Botschaft für Sicherheit. Nachdem ihr bei der Visavergabe einige Unregelmäßigkeiten auffallen, entgeht sie nur knapp einem Bombenanschlag. Ihre Kollegen sterben und ein Maulwurf in der Botschaft lenkt den Verdacht auf sie. Verfolgt von einem Killer mit dem Codenamen „Uhrmacher“ (Pierce Brosnan) deckt sie die Pläne eines Terrorkonsortiums unter der Führung von Pavlou (Benno Fürmann) auf. Ein Anschlag droht, den nur sie verhindern kann.

Milla und Pierce und James

Wenn Action-Milla und Ex-Bond Pierce aufeinander treffen, zudem unter Regie von James McTeigue (V for Vendetta) – da sollte eigentlich ein solider Agententhriller herauskommen. Aber es funkt einfach nicht. Die Geschichte um die Agentin auf der Flucht wirkt altbacken und stellenweise krude. – Plot-Spoiler: Taliban arbeiten einem strippenziehenden Anzugträger zu, der einen Gruber-Heist1 plant – Dabei hätte eine spannende Inszenierung über solche plot-technischen Unebenheiten hinweghelfen können. Aber Survivor hat mich die ganze Zeit über nicht richtig gepackt und erreicht gerade einmal die Qualität einer durchschnittlichen TV-Produktion.

Außerdem geriet ich bei jedem Auftauchen von Dylan McDermott in eine falsche Gesichtserkennungsschleife: „Oh, das ist ja Ross aus Friends. – Moment mal, das ist nicht Ross aus Friends. – Aber aus welcher Serie kenne ich den? … Fünf Minuten später. „Oh, das ist ja Ross aus Friends. – …“ Aber das ist mein Problem.

Ein Visum wollen sie? Wohl Terrorist.

Einen schalen Beigeschmack hinterlässt die Handlung, bei der Terroristen nur dank der Nachlässigkeit der Behörden ins gelobte Land (USA) einreisen dürfen und dort gleich das nächste 9/11 planen. Zu Zeiten, in denen Rechte mit dem Slogan „Grenzen dicht!“ gegen Flüchtlinge Stimmung machen nicht unbedingt der beste Plot.

Dabei spielen die Immigranten Jovovich (geboren in Kiew) und Brosnan (geborener Ire) ihre Rollen durchaus überzeugend. Jovovich nimmt sich als gewissenhafte und erfahrende Agentin eher zurück und ist mal nicht die austeilende Action-Wucht. Brosnan scheint nach seinem Dienst als gewissenloser November Man die Lust an der dunklen Seite gepackt zu haben. Als Uhrmacher zeigt er eine ziemlich gute Mischung aus kalter Rationalität und Mordlust. Aber das reicht leider nicht, um aus Survivor mehr als einen mittelmäßigen Film zu machen.

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Disclaimer: Fischpott hat die DVD zu Ansichtszwecken erhalten. Der Autor hat die erste Hälfte im Original mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte (es gab keine anderen) gesichtet und dann auf die Synchro-Fassung umgeschaltet. Immerhin gab es da „Guten Rutsch!“ als markigen Bond-Oneliner.

  1. Benannt nach Hans Gruber aus Stirb Langsam: Der Bösewicht tarnt ein Verbrechen zur persönlichen Bereicherung als Terrorakt.

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